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Asset Allocation – So finden Sie Ihre Balance zwischen Rendite und Risiko

Von Markus Neumann

Die Asset Allocation bestimmt Rendite und Risiko

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Die sogenannte Asset Allocation, die Aufteilung des Vermögens zwischen sicheren und riskanten Anlagen, bestimmt bei passiven Portfolios die künftige Rendite und das Risiko. Die richtige Mischung zu finden, ist besonders für unerfahrene Anleger nicht trivial.

Erfolgreiche Geldanlage beginnt mit der Formulierung von Zielen. Wofür wollen Sie Ihr künftiges Vermögen nutzen? Für den Bau eines Hauses, die Altersvorsorge oder ein neues Auto? Von der Beantwortung dieser Frage hängt im Wesentlichen Ihre Vermögensstrukturierung ab, die sogenannte Asset Allocation. Darunter verstehen Fachleute die Aufteilung Ihres Anlagekapitals zwischen sicheren Anlagen wie Festgeld und Anleihen und riskanteren Investments wie Aktien und Rohstoffe. Aus dieser Verteilung resultieren die möglichen Verluste und die Renditechancen eines Portfolios, das nicht aktiv gemanagt wird.

Ihre Anlageziele definieren in der Regel den Anlagezeitraum, der Ihnen zur Verfügung steht. Die Investitionsdauer wiederum hat entscheidenden Einfluss auf das Risiko, das Sie eingehen können. Wer sein Geld beispielsweise nur für wenige Jahre anlegen kann und wenigstens die investierte Summe zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückhaben will, sollte nur einen kleinen Anteil riskanter Wertpapiere wie Aktien in sein Portfolio aufnehmen. Denn deren mögliche Wertschwankungen über kurze Zeiträume sind groß, die Verlustgefahr hoch.

Die folgende Grafik zeigt ein Portfolio, das zu 60 Prozent aus internationalen Aktien und zu 40 Prozent aus sicheren europäischen Staatsanleihen besteht. Die Wertentwicklung der Aktien haben wir am MSCI World NR Index gemessen und die der Staatsanleihen am JPM EMU Investment Grade TR EUR Index. Der Vergleich zeigt die Schwankungen der fortlaufenden Portfoliorenditen über ein, fünf und zehn Jahre seit 1995. Für die Zeiträume von fünf und zehn Jahren haben wir jeweils die durchschnittlichen Renditen pro Jahr berechnet.

Es ist unschwer zu erkennen, dass die Schwankungen der durchschnittlichen Renditen mit zunehmender Anlagedauer abnehmen. Während über ein Jahr zeitweise Verluste von mehr als 20 Prozent auftraten, waren die durchschnittlichen Verluste über Fünf-Jahres-Zeiträume sehr gering. Anleger, die zehn Jahre lang in ein 60-40-Portfolio investierten, machten gar keine Verluste, egal wann sie eingestiegen waren.

60-40-Portfolio: Renditeschwankungen über verschiedene Anlagezeiträume

Quellen: Morningstar Direct, Fairvalue-Berechnungen, Stand: Dezember 2018.

So lesen Sie die Grafik: Jeder Datenpunkt auf den drei Kurven entspricht einem Ausstiegszeitpunkt und zeigt an, wie hoch die (durchschnittliche) Rendite in den zurückliegenden ein, fünf und zehn Jahren war. Tipp: Fahren Sie mit der Maus über die Graphen, um sich die genauen Renditen für bestimmte Ausstiegszeitpunkte anzeigen zu lassen.

Die Angst vor Verlusten bestimmt Ihre Asset Allocation

Neben dem Anlageziel und dem Anlagezeitraum gibt es aber noch weitere entscheidende Faktoren, die Ihre Asset Allocation bestimmen sollten: Zum einen geht es darum, welche Risiken Sie wirtschaftlich tragen können. Wer beispielsweise gut verdient, einen Arbeitsplatz mit Zukunft hat und auch im Alter gut abgesichert ist, kann bei der Geldanlage objektiv betrachtet mehr riskieren.

In der Praxis ist es aber häufig so, dass die besonders gut betuchten Anleger am konservativsten anlegen. Bei Menschen, die schon sehr viel Geld besitzen, steht oft der Vermögenserhalt und weniger der Vermögenszuwachs im Vordergrund. Die Angst, das Vermögen zu verlieren, ist in solchen Fällen größer als die Verlockungen hoher Renditen.

Damit wären wir bei dem vielleicht wichtigsten Parameter, aus dem sich Ihre Asset Allocation ableitet: der Angst vor Verlusten. Banken und Vermögensverwalter sprechen von Risikotoleranz oder Risikoprofil – ein Euphemismus für die Panik, die gerade unerfahrene Anleger erfassen kann, falls die Aktienmärkte über längere Zeiträume stark fallen.

Unüberlegte Anlageentscheidungen können viel Rendite kosten

Panik ist nur allzu menschlich, aber bekanntermaßen ein schlechter Ratgeber. Angst essen nicht nur Seele auf, wie das verstorbene Filmgenie Rainer Werner Fassbinder einst feststellte, sondern auch die Rendite. Angst verleitet Anleger zu unüberlegten Entscheidungen, die sie viel Geld kosten können und nicht mehr zu korrigieren sind. Das zeigt eine Vielzahl von Studien.

Investoren haben die schlechte Angewohnheit ausgerechnet dann zu verkaufen, wenn die Kurse tief gefallen sind und die wachsende Angst vor noch größeren Verlusten das Denkvermögen lähmt. Von Kursschocks erholen sich die Börsen meist deutlich schneller als die Psychen der Anleger. Die denken oft erst dann wieder über einen Einstieg nach, nachdem die Kurse bereits weit nach oben enteilt sind. So entstehen bisweilen hohe Verluste, die erst nach langer Zeit wieder wettgemacht werden, wenn überhaupt.

Nur mit der passenden Asset Allocation werden Anleger ihre Strategie auch durchhalten

Weil demnach die größte Gefahr bei der Geldanlage der Anleger selbst ist, lautet die entscheidende Frage, wie die Asset Allocation aussehen muss, damit ein Anleger seine Strategie auch durchhält – die wahrscheinlich wichtigste Voraussetzung für den langfristigen Anlageerfolg. Mit anderen Worten: Wie muss das Vermögen strukturiert sein, um Panikattacken zu vermeiden.

Finanzberater und Vermögensverwalter versuchen mit mehr oder weniger aufwendigen Fragekatalogen ihren Kunden zu entlocken, wo die Angstschwelle liegt. Dazu sind sie gesetzlich verpflichtet. Es darf jedoch getrost bezweifelt werden, dass die angewendeten Verfahren immer zu Risikoprofilen führen, die tatsächlich der Verlusttoleranz der Kunden entsprechen. Das liegt natürlich auch daran, dass viele Anleger sich selbst nicht richtig kennen – und sich nicht genügend Gedanken über die Natur der Wertpapierbörsen gemacht haben.

Damit Sie bei Ihrer langfristigen Asset Allocation keine falsche Entscheidung treffen, sollten Sie einige Fakten so tief verinnerlichen wie ein Mantra:

  1. Aktienkurse schwanken um ihren Mittelwert. Bei diversifizierten Aktienindizes, die die Börsenentwicklung eines Landes oder einer Region abbilden, sind es pro Jahr im Schnitt etwa 15 bis 20 Prozent nach oben und unten. Zeitweise Verluste von mehr als zehn Prozent sind keine Seltenheit.
  2. Bei den großen Börsencrashs in den vergangenen Jahrzehnten hat der Weltaktienmarkt mehr als 50 Prozent an Wert eingebüßt. Ein passives ausgewogenes Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen verlor rund 30 Prozent.
  3. Es wird immer wieder solche Crashs an den Börsen geben. Die gute Nachricht lautet jedoch: Bisher haben sich die Aktienmärkte immer wieder von den Kursstürzen erholt und neue Hochs erklommen. Die schlechte Nachricht: Es gibt keine Garantien, dass das so bleibt.
  4. Der Aufholprozess kann sich schmerzlich in die Länge ziehen. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang des neuen Jahrtausends dauerte es mehr als 13 Jahre, bis sich der Weltaktienmarkt von dem Kurssturz erholt hatte.

Ein paar Minuten Selbstsuggestion für eine bessere Asset Allocation

Stellen Sie sich jetzt vor, sie hätten kurz vor einem Börsencrash 100.000 Euro in ein Aktienportfolio investiert. Bevor Sie überhaupt richtig merken, was vor sich geht, haben Sie bereits 30.000 Euro verloren. Wie fühlt sich das an? Und was werden Sie tun? Natürlich wissen weder Sie noch irgendjemand anders, ob die Börsenkurse noch weiter fallen oder schon nächste Woche der Trend wieder nach oben dreht. Wie gehen Sie mit dieser Ungewissheit um? Bleiben sie cool? Oder steigen Sie aus? Versuchen Sie, sich diese Situation in allen Einzelheiten auszumalen.

Nehmen wir nun an, Sie hätten sich für eine Asset Allocation aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen entschieden. Wir unterstellen denselben Verlust von 30 Prozent am Aktienmarkt wie oben. Gleichzeitig hätten die Anleihen aber um 5 Prozent an Wert gewonnen. Der Verlust Ihres Portfolios beträgt demnach „nur“ 16.000 Euro (18.000 Euro Verlust mit Aktien plus 2000 Euro Gewinn mit den Anleihen).

Das fühlt sich besser an, oder? Doch das gute Gefühl hat seinen Preis. Ihre langfristige Rendite, vorausgesetzt Sie halten die Strategie durch, beträgt mit dieser Vermögensstrukturierung im Schnitt vielleicht 4,5 Prozent pro Jahr. Mit dem Portfolio aus 100 Prozent Aktien hätten sie wahrscheinlich gut 7 Prozent pro Jahr verdient. Eine Differenz von jährlich 2,5 Prozent führt langfristig zu einem gewaltigen Unterschied beim Endvermögen. Auch das sollte Ihnen bewusst sein.

Auch die benötigte Rendite kann ein Ankerpunkt bei der Asset Allocation sein

Sie können sich ihrer Asset Allocation auch von der Ertragsseite aus nähern. Kalkulieren Sie, wieviel Geld Sie brauchen, um Ihr Anlageziel zu erreichen. Angenommen, Sie möchten in zehn Jahren Ihren Dachboden ausbauen. Das kostet 120.000 Euro. Sie besitzen jetzt 50.000 Euro. Die wollen Sie so anlegen, dass der gewünschte Endbetrag nach zehn Jahren erreicht ist.

Um Ihr Anlageziel zu erreichen, müsste Ihr Portfolio nach Kosten und Steuern im Schnitt eine Rendite von gut 9 Prozent pro Jahr erzielen. Das ist selbst mit einer Aktienquote von 100 Pozent ziemlich unwahrscheinlich. Wenn Sie eine Rendite von 7 Prozent unterstellen, die historisch vor Abgeltungssteuer und Kosten langfristig erzielbar war, würde sich der Endbetrag nach zehn Jahren auf knapp 100.000 Euro belaufen.

Nun ist die künftige Entwicklung von riskanten Wertpapieren wie Aktien aber unsicher. Es wäre ebenso gut möglich, dass Sie nach zehn Jahren einen Verlust erlitten hätten. Wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür ist, zeigen beispielsweise sogenannte Monte-Carlo-Simulationen. Sie können die Unsicherheit abbilden und Anlegern ein realistischeres Bild der Zukunft liefern als eine einfache Renditeannahme auf Basis historischer Daten, die über die Zeit linear fortgeschrieben wird.  Falls Sie die Dienste eines Finanzberaters, am besten eines unabhängigen Honorarberaters, in Anspruch nehmen, sollten Sie sich simulieren lassen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie Ihr Anlageziel auch erreichen.

Auf Basis der Ergebnisse können Sie ihre Strategie frühzeitig anpassen und beispielsweise mehr sparen oder den geplanten Dachbodenausbau weiter in die Zukunft verschieben. Eine Anhebung der Aktienquote führt dagegen nicht unbedingt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Ziel erreichen. Was passiert, wenn Sie Ihr Risiko erhöhen, illustriert der Risikosimulator der Universität Mannheim. Nehmen Sie sich eine Viertelstunde Zeit und probieren Sie ihn aus. Zum Risikosimulator.

Bleiben Sie realistisch!

Wie Sie sehen, ist es nicht einfach, die passende Asset Allocation zu finden, die ihre Anlageziele mit Ihrer Risikotoleranz in Einklang bringt. Zusätzlich erschwert wird dieses Unterfangen, wenn Anleger unrealistische Vorstellungen haben. Viele wollen beispielsweise möglichst hohe Vermögenszuwächse erzielen, sind aber nicht bereit, größere Risiken zu tragen. Doch am Finanzmarkt sind hohe Renditen ohne größere Risiken kaum zu haben.

Viele deutsche Anleger wollen sich mit der Frage nach der richtigen Asset Allocation gar nicht erst beschäftigen. Sie suchen ihr Heil in Mischfonds. Deren Versprechen lautet, eine dynamische Asset Allocation zu bieten. Dabei wird der Anteil riskanter Anlagen je nach Marktlage erhöht oder gesenkt. Die Investoren spekulieren darauf, dass professionelle Fondsmanager schon die richtigen Entscheidungen treffen werden.

Die Praxis zeigt jedoch, dass die große Mehrheit der Mischfonds unterdurchschnittliche Renditen erzielt. Überwiegend richtig am Markt positioniert zu sein, ist eine hohe Kunst, die nur sehr wenige Fondsmanager beherrschen. Meist erfolgreicher ist ein einfaches statisches Do-it-yourself-Portfolio aus gut diversifizierten börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Aktien, Anleihen und andere Anlageklassen. Doch dafür müssen sich Anleger überlegen, welches die passende Asset Allocation für sie ist. Wie Sie ein fast unschlagbares ETF-Portfolio zusammenstellen, lesen Sie hier.

© Fairvalue, aktualisiert am 12.11.2019

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Diversifikation – Die unterschätzte Kraft der raffinierten Mischung

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Eine gute Diversifikation ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Portfoliostrategie. Das ist ein alter Hut. Doch Privatanleger handeln meistens nicht danach, wie Studien zeigen. Die Folgen sind unnötig hohe Risiken im Portfolio und meist geringere Renditen.

Im Jahr 2009 gewährte eine deutsche Onlinebank einem Team von Wissenschaftlern Einblick in die Portfolios von 8000 Kunden. Was die Forscher zutage förderten, deckt sich mit einer Reihe von anderen internationalen Studien: Die Kundendepots waren im Schnitt schlecht diversifiziert. Deutsche Einzelaktien dominierten. Andere Anlageklassen als Aktien, etwa Anleihen, kamen fast gar nicht zum Einsatz.

Laut anderen Untersuchungen aus Deutschland und den USA halten sogenannte Selbstentscheider, die ihr Geld in Eigenregie über Onlinebanken verwalten, nur zwischen vier und elf Aktien in ihren Depots – viel zu wenig für eine solide Diversifikation. Zudem stellte der Finanzmarktforscher Markus Glaser im Jahr 2003 in einer Studie fest, dass viele Anleger vor allem besonders riskante Technologiewerte gekauft hatten.

Statt solide zu diversifizieren jagen Anleger oft vermeintlichen Kursraketen hinterher

Stark wachsende Unternehmen, die sich anschicken, faszinierende Zukunftsmärkte zu erobern und deren Kurse zeitweise steigen wie Raketen, übten schon immer eine magische Anziehungskraft auf Menschen aus, die an der Börse auf das schnelle Geld hoffen. In den 1960er-Jahren zogen Unternehmen wie IBM Anleger in ihren Bann. In den 1990er-Jahren waren es Internetfirmen wie AOL und Yahoo. Heute locken Alphabet, Apple, Amazon und vor allem Tesla. Der Kurs des Elektroautobauers stieg von Anfang Juli 2010 bis Anfang Juli 2015 um sagenhafte 1700 Prozent.

Auf realen Gütermärkten sinkt die Nachfrage in der Regel, wenn die Preise steigen. Nicht so an der Börse. Dort ziehen stark steigende Preise immer mehr Käufer an. Meist heizt eine ausufernde Medienberichterstattung die Hysterie zusätzlich an. Das war auch 2018 bei den sogenannten Kryptowährungen wie Bitcoin zu beobachten.

Doch was kometenhaft steigt, fällt oft auch wieder. Das haben Showgeschäft und Börse gemeinsam. Die Kurse von IBM und vieler andere Zukunftswerte der 1960er-Jahre stürzten ab. Ebenso versanken die meisten Protagonisten der ersten Internetwelle der 1990er-Jahre in der Bedeutungslosigkeit.

Möglicherweise wird die Geschichte von Tesla ähnlich verlaufen. Für Anleger, die auf den Autobauer gesetzt haben und nur noch wenige andere Aktien im Depot halten, hätte ein Absturz der Aktie jedenfalls fatale Folgen. Wer nur vier oder fünf Werte hält, ist hoffnungslos unterdiversifiziert. Gerät nur eines der Unternehmen in Not, wird das Portfolio spürbar in Mitleidenschaft gezogen.

Die Vorteile einer guten Diversifikation

Dagegen sind bei einem gut diversifizierten Aktiendepot unternehmensspezifische Risiken weitgehend ausgeschaltet. Schlittert beispielsweise ein Konzern in die Pleite, ist das zwar ärgerlich, aber problemlos zu verkraften. Ein solches Portfolio enthält eine ausreichend große Anzahl von Aktien, zwischen denen ein möglichst geringer Zusammenhang besteht. Fällt der Kurs einer Aktie, sollten die Preise der anderen Titel nicht alle zeitgleich fallen. Gegenläufige Kursbewegungen der einzelnen Aktien senken die Wertschwankungen des Gesamtportfolios.

Den Zusammenhang zwischen einzelnen Wertpapieren und verschiedenen Anlageklassen messen Finanzexperten mit Hilfe der Korrelation. Sie zeigt an, wie häufig sich beispielsweise die Kurse von zwei Aktien in dieselbe Richtung bewegten. Je seltener das vorkommt, desto niedriger ist die Korrelation und desto größer ist der Diversifikationseffekt. Dieser führt zu einer geringeren Schwankungsbreite der Portfoliorendite. Es ist sogar möglich, dass die Volatilität des Gesamtportfolios unter die der Komponente mit den niedrigsten Wertschwankungen sinkt.

Wie viele Aktien brauchen Anleger für eine ausreichende Risikostreuung?

Unter Wissenschaftlern ist allerdings umstritten, wie viele verschiedene Aktien ein Anleger braucht, um eine ausreichende Diversifikation zu erzielen. Die Angaben in verschiedenen Studien schwanken zwischen 20 und mehr als 100 Aktien. Ein weiteres Manko: Fast alle Untersuchungen beziehen sich lediglich auf den Aktienmarkt eines einzelnen Landes oder auf eine stark eingeschränkte Grundgesamtheit, etwa 70 europäische Standardwerte. Insofern ist die Aussagekraft dieser Ergebnisse eingeschränkt.

Denn ein Aktienportfolio sollte international diversifiziert sein. Darüber besteht unter Fachleuten weitgehend Einigkeit. Doch die Frage, wie viele Titel aus welchen Ländern und Branchen für eine gute globale Risikostreuung ausreichend sind, hat die Forschung nach unserer Kenntnis bisher nicht beantwortet.

Anleger, die beispielsweise über börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf internationale Marktindizes setzen wie den MSCI World Index oder den MSCI World All Country Index, sind aber wegen der Vielzahl von einzelnen Werten, die diese ETF enthalten, mit Sicherheit ausreichend diversifiziert.

Typischer Fehler bei der Diversifikation: Der sogenannte Home-Bias

Doch die meisten Investoren konzentrieren sich zu stark auf Unternehmen aus dem Heimatstaat. Das ist ein in vielen Ländern gut dokumentierter Anlagefehler, den Wissenschaftler Home-Bias nennen. Die Folgen sind höhere Wertschwankungen des Portfolios und langfristig meist auch geringere Renditen.

Ein Home-Bias ist ein sogenanntes Klumpenrisiko im Portfolio, ein gefährliches Übergewicht einzelner Anlagen. Wozu das immer wieder führt, bekamen deutsche Anleger beispielweise 2018 zu spüren. Unter den Aktienmärkten der Industrieländer fuhren deutsche Werte gemessen am Dax mit einem Jahresverlust von fast 20 Prozent eines der schlechtesten Ergebnisse ein. Das zog schlecht diversifizierte Portfolios mit einem hohen Anteil deutscher Unternehmen weit nach unten.

Zum Vergleich: Der Weltaktienindex MSCI World, der die Wertentwicklung von 23 Industrieländern abbildet, büßte dagegen nur gut 4 Prozent ein. Deutsche Aktien haben in diesem Index gerade mal einen Anteil von rund 3 Prozent. Das entspricht dem relativen Börsenwert der hiesigen Unternehmen gemessen am Börsenwert aller 23 Industrieländer.

Natürlich gab es in der Vergangenheit auch Jahre, in denen der Dax weltweit zu den Indizes mit der höchsten Rendite zählte. Aber wäre es nicht wünschenswerter, Jahresrenditen zu erzielen, die weniger stark schwanken, statt von einem Extrem ins andere zu verfallen? Genau das erreichen Sie mit einer guten Diversifikation.

Davon unberührt bleibt die Rendite, die ein Anleger innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erzielt. Die Portfoliorendite entspricht immer dem gewichteten Durchschnitt der einzelnen Komponenten. Das bedeutet: Eine neue Portfolioposition kann die Volatilität des Gesamtportfolios senken, falls die Korrelation mit den anderen Anlagen gering ist. Fällt aber die Rendite der neuen Komponente künftig geringer aus als die gewichtete Durchschnittsrendite der alten Anlagen, sinkt die Gesamtrendite des Portfolios. Umgekehrt steigt sie, wenn die Rendite der neuen Portfolioposition höher ist als der Durchschnitt.

Diversifikation in der Praxis

Vernünftig zusammengestellte Anlageportfolios sind auf zwei Ebenen diversifiziert: Innerhalb der einzelnen Anlageklassen und auf Portfolioebene, indem verschiedene, wenig korrelierte Anlageklassen gemischt werden. Die wichtigsten Anlageklassen sind Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe. Diese Segmente unterteilt die Finanzbranche meist in weitere Subanlageklassen.

Die jährlichen Renditen der meisten Anlageklassen schwanken (siehe Grafik). Welche Wertpapiergruppe in den nächsten Jahren am besten abschneiden wird, weiß niemand im Voraus. Deswegen ist Diversifikation so wichtig. Nehmen wir an, ein Anleger würde nur auf eine einzelne Anlageklassen, sagen wir auf Schwellenländeraktien, setzen. Dann hätte er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein ziemliches nervenaufreibendes Auf und Ab der jährlichen Renditen vor sich, wie die historische Wertentwicklung nahelegt.

Renditen der wichtigsten Anlageklassen im Vergleich: Die Sieger und Verlierer wechseln von Jahr zu Jahr

*Bis 2.12.2018. Quellen: Morningstar Direct, Fairvalue, Stand: Dezember 2018.

Ein Anleger, der dagegen beispielsweise zu gleichen Teilen in alle aufgeführten Anlageklassen investiert hätte, hätte mit seinem Portfolio jedes Jahr in der Mitte gelegen. Die Renditeschwankungen wären erheblich niedriger gewesen. Auch Portfolios mit einer anderen Gewichtung hätten sich in der Nähe des Durchschnitts bewegt.

Beispiel: Ein typisches Portfolio zusätzlich diversifizieren

Wie genau Diversifikation wirkt, soll ein weiteres Beispiel verdeutlichen: Ausgangspunkt ist ein typisches Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent sicheren Euro-Staatsanleihen. Den Aktienanteil repräsentiert der globale Industrieländerindex MSCI World nach Abzug von Quellensteuern auf Eurobasis. Die Euro-Staatsanleihen bildet der Index JPM EMU Investment Grade TR EUR ab. Beide Indizes sind gut diversifiziert.

Dieses Standardportfolio lieferte zwischen Anfang 1999 und Ende 2018 eine durchschnittliche Rendite von 5,05 Prozent pro Jahr. Die Volatilität betrug knapp 11 Prozent, der maximale Verlust 31,8 Prozent (siehe Tabelle).

Verschiedene Portfolio-Mischungen im Vergleich: High-Yield-Bonds senken das Risiko und heben die Rendite

Quellen: Morningstar Direct, Fairvalue, Stand: Dezember 2018.

Dem Portfolio mischen wir nun High-Yield-Bonds bei. In 10-Prozent-Schritten erhöhen wir den Anteil dieser Papiere und reduzieren dafür den Aktienanteil. Der Anteil sicherer Euro-Staatsanleihen bleibt konstant. Mit zunehmendem Gewicht der High-Yield-Bonds verbessern sich die Kennzahlen des Portfolios deutlich: Die Volatilität sinkt, ebenso der maximale Wertverlust während der 20jährigen Anlagedauer und die Rendite steigt.

Dass die Volatilität des Ausgangsportfolios zurückgeht, ist auf die geringere Schwankungsbreite von Hochzinsanleihen im Vergleich zu internationalen Industrieländeraktien zurückzuführen, aber auch auf die niedrige Korrelation zwischen diesen beiden Anlageklassen. Die Rendite des Portfolios nimmt zu, weil High-Yield-Bonds im Anlagezeitraum doppelt so gut abschnitten wie Industrieländeraktien.

Die Diversifikationseffekte der High-Yield-Bonds sind bis zu einem Gewicht von 30 Prozent am größten. Bei einem noch höheren Anteil verbessern sich Rendite und Kennzahlen zwar weiter. Doch die zusätzlichen Diversifikationseffekte fallen immer geringer aus.

Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass es in dem Anlagezeitraum in diesem Beispiel am vorteilhaftesten gewesen wäre, gar keine Industrieländeraktien zu halten. Wegen der zwei schweren Börsencrashs innerhalb von wenigen Jahren mit Verlusten von mehr als 50 Prozent war diese Periode eine der schlechtesten der Börsengeschichte. Künftig sollten Industrieländeraktien zumindest bei der Rendite wieder mit High-Yield-Bonds mithalten können – und schon wegen der Risikostreuung in keinem Portfolio fehlen.

Grenzen der Diversifikation

Spezifische Risiken wie die Gefahr von Managementfehlern oder einer Unternehmenspleite lassen sich wegdiversifizieren. Nicht aber das sogenannte systemische Risiko, das auch als Marktrisiko bezeichnet wird. Wenn die Mehrheit der Investoren – aus welchen Gründen auch immer – ihr Geld aus riskanten Anlagen wie Aktien, Rohstoffe und High-Yield-Bonds abzieht, fallen die Kurse dieser Anlageklassen simultan. Gerade in Krisen steigen die Volatilität und die Korrelation von riskanten Anlagen meist sprunghaft an.

Dennoch bleibt eine ausgefeilte Diversifikation des Portfolios der beste Schutz vor Verlusten. Schauen Sie noch einmal auf die Tabelle oben: Der Maximale Verlust, den das Portfolio erlitt, ließ sich mit der Hinzunahme der High-Yield-Bonds immerhin um ein Drittel senken. Auf diese unterschätzte Kraft der Risikostreuung sollten Anleger auf keinen Fall verzichten. Sie ist eine Art Teilkaskoversicherung bei der Geldanlage, die – ausnahmsweise – nahezu kostenlos ist.

© Fairvalue 27.03.2019

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Die elf wichtigsten Anlageklassen für Ihr Portfolio

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Welche Anlageklassen sollten in einem robusten Portfolio enthalten sein? Fairvalue hat elf Bausteine zusammengestellt, aus denen Privatanleger gut diversifizierte Depots konstruieren können.

Nachdem Sie sich für Ihre langfristige Vermögensaufteilung zwischen sicheren und riskanten Anlagen entschieden haben, geht es im nächsten Schritt um die Frage, welche Anlageklassen Sie in Ihr Portfolio aufnehmen wollen. Die wichtigsten Anlageklassen sind Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold, Rohstoffe und Bargeld.

Der Begriff Anlageklasse ist nicht klar definiert. Er wird in der Finanzbranche unterschiedlich verwendet. Grundsätzlich fasst eine Anlageklasse gleichartige Wertpapiere oder Vermögensgestände zusammen. Manche Segmente lassen sich aber in eine Vielzahl von Subanlageklassen unterteilen. Eine Teilmenge der Anlageklasse Aktien sind beispielsweise Emerging-Markets-Aktien, also Anteilsscheine an Unternehmen aus Schwellenländern wie Brasilien und China. Emerging-Markets-Aktien wiederum lassen sich aufteilen in Aktien großer, mittlerer und kleiner Unternehmen oder in einzelne Branchen.

Ob solche zugespitzten Wertpapierkategorien tatsächlich die Bezeichnung Anlageklasse verdienen, sei dahingestellt. Nach unserer Auffassung ist die Verwendung des Begriffs dann gerechtfertigt, wenn sich die Eigenschaften eines Wertpapiersegments deutlich von den Eigenschaften anderer Anlageklassen unterscheiden. Wenn etwa die Renditen von unterschiedlichen Faktoren abhängen und nur ein schwacher oder negativer Zusammenhang (Korrelation) besteht. So gesehen sind beispielsweise Schwellenländeranleihen eine eigenständige Anlageklasse. Zwar handelt es sich um Anleihen. Doch die Eigenschaften von Emerging-Market-Bonds unterscheiden sich beispielsweise deutlich von europäischen und amerikanischen Staatsanleihen.

Nach diesen Prämissen haben wir elf Anlageklassen herausgefiltert, aus denen sich jeder Privatanleger ein Portfolio zusammenstellen kann. Sichere Anlagen stabilisieren das Portfolio, riskantere Wertpapiere sorgen für die Rendite. Der Einsatz wenig korrelierter Anlageklassen verbessert die Diversifikation im Depot. Die Finanzindustrie spricht etwas abgehoben von „Multi-Asset-Strategien“ oder „Multi-Asset-Portfolios“.

Sichere Anlageklassen für die Stabilität im Portfolio

  • Tagesgeld: Geringe, variable Verzinsung, dafür täglich verfügbar. Innerhalb der Europäischen Union über die Einlagensicherung gesetzlich abgesichert. Keine Kursschwankungen.
  • Festgeld: Laufzeiten von drei Monaten bis zu zehn Jahren. Innerhalb der vereinbarten Anlagedauer ist das Kapital nicht verfügbar. Dafür in der Regel etwas höhere Zinsen als Tagesgeld. Schutz vor Bankpleiten über die Einlagensicherung. Keine Kursschwankungen.
  • Euro-Staatsanleihen: Kurzlaufende Anleihen von Eurostaaten mit einer hohen Kreditwürdigkeit sind die sichersten Wertpapiere für Anleger aus dem Euroraum. Ein Ausfall ist nahezu ausgeschlossen, die Kursschwankungen gering. Je länger die Laufzeiten, desto höher die potenziellen Kursschwankungen bei Zinsänderungen.

Riskantere Anlageklassen für die Rendite

  • Schwellenländeranleihen in US-Dollar: Vorwiegend Anleihen von aufstrebenden Staaten. Gute bis schwache Bonität. Deutlich höhere Kursschwankungen als Euro-Staatsanleihen, aber geringere als Aktien. Aktienähnliche Renditechancen.
  • High-Yield-Bonds: Internationale Hochzinsanleihen von Unternehmen mit geringer Kreditwürdigkeit (Non-Investment-Grade). Höhere Kursschwankungen als Schwellenländeranleihen. Aktienähnliche Renditen.
  • Aktien Industrieländer: Große und mittlere Unternehmen aus entwickelten Ländern. Hohe Renditechancen, aber auch hohe Kurschwankungen. Bei Börsencrashs Verluste von mehr als 50 Prozent möglich.
  • Aktien Emerging Markets: Große und mittlere Konzerne aus aufstrebenden Ländern. Etwas riskanter als Industrieländeraktien.
  • Nahrungsmittelaktien: Internationale Aktien von Nahrungsmittel- und Verbrauchsgüterherstellern wie Nestlé und Unilever. Zeichneten sich bei den jüngsten vier Börsencrashs durch relativ hohe Stabilität aus. Zwischen Anfang 1999 und Ende 2018 höhere Renditen als der Weltaktienmarkt.
  • Europäische Immobilienaktien: Aktien von Unternehmen, die Immobilien besitzen und ihr Geld mit deren Bewirtschaftung verdienen. Geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen. Kurszuwächse während des Börsencrashs Anfang des neuen Jahrtausends. Aber: Schwerer Absturz (-76,6 Prozent) während der Finanzkrise 2008.
  • Rohstoffe: Gut zur Diversifikation geeignet. Aber seit 2001 im Schnitt schwache Rendite. Relativ hohe Risiken und lange Durststrecken. Zwischen Mitte 2008 und Anfang 2016 knapp 47 Prozent Verlust.
  • Gold: Keineswegs eine sichere Bank, wie viele meinen. Keine laufende Erträge wie Dividenden und Zinsen. Hohe Volatilität und lange Verlustphasen. Verbessert aber die Diversifikation im Portfolio. Relativ stabil in Krisen.

Korrelation, Renditen und Risiko der ausgewählten Anlageklassen

Die folgende Tabelle zeigt die Korrelationen zwischen den ausgewählten Anlageklassen. Je niedriger der Wert, desto höher der Diversifikationseffekt. Werden gering korrelierte Anlageklassen zu einem Portfolio zusammengefügt, lässt sich die Schwankungsbreite senken bei gleicher erwarteter Rendite. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Korrelation.

Korrelationen verschiedener Anlageklassen zwischen Anfang 2001 und Ende 2018

Quellen: Morningstar Direct, Fairvalue, Stand: Dezember 2018.

Die Korrelationen, die Renditen und die Risiken der Anlageklassen haben wir auf der Basis von Indizes gemessen, die repräsentativ für diese Wertpapiermärkte sind. Für manche Märkte gibt es eine Vielzahl von konkurrierenden Indizes, etwa für Rohstoffe, die sich deutlich unterscheiden. In solchen Fällen haben wir jeweils den Index gewählt, der in den vergangenen 18 Jahren gemessen an der Rendite und den Risikokennzahlen am besten abgeschnitten hat.

Anlageklassen im Vergleich: Sichere Anleihen schnitten besser ab als Industrieländer-Aktien

*auf Eurobasis. Quellen: Morningstar Direct, Fairvalue, Stand: Dezember 2018.

Die Wertentwicklung einiger Anlageklassen dürfte manche Anleger überraschen. Der MSCI World Index, der die vermeintlich soliden Aktienmärkte von 23 Industrieländern repräsentiert, schnitt zwischen Anfang 2001 und Ende 2018 neben Rohstoffen am schlechtesten ab. Selbst sichere Euro-Staatsanleihen warfen durchschnittlich einen höheren Ertrag pro Jahr ab. Den Untersuchungszeitraum von 18 Jahren haben wir nicht willkürlich gewählt. Er wird von der Anlageklasse mit der kürzesten Zeitreihe vorgegeben.

In der betrachteten Periode wären Anleger mit einem Portfolio, das vor allem auf Schwellenländeranleihen und High-Yield-Bonds gesetzt hätte, besser gefahren als mit Aktien. Das stellt eine gebetsmühlenartig wiederholte Medienbehauptung infrage: nämlich dass Aktien in Zeiten rekordniedriger Zinsen für den Vermögensaufbau unverzichtbar wären. Es gibt jedoch immer Alternativen. Sowohl an der Börse als auch im realen Leben. Seien Sie misstrauisch, wenn etwas als „alternativlos“ dargestellt wird.

Von sicheren europäischen Staatsanleihen ist künftig nicht viel zu erwarten

Trotz der insgesamt schwachen zwei Jahrzehnte zu Beginn des neuen Jahrtausends, in die gleich zwei der heftigsten Börsencrashs der Geschichte fielen, waren Aktien über mehr als 100 Jahre eine renditestarke Anlageklasse, die meist deutlich höhere Erträge abwarf als Staatsanleihen. Das sollte auf lange Sicht auch künftig so bleiben. Dagegen ist von den festverzinslichen Anleihen solider Euroländer wegen der niedrigen Zinsen in den nächsten Jahren nicht viel zu erwarten.

Bei Papieren mit kürzerer Laufzeit ist die nominale Rendite nach wie vor negativ. Und eine deutsche Bundesanleihe mit Fälligkeit in zehn Jahren bot Ende Februar 2019 nur 0,12 Prozent Rendite pro Jahr. Zehnjährige niederländische Staatsanleihen brachten 0,34 Prozent und französische Titel 0,53 Prozent. Nach Abzug der Inflation dürfte die reale Rendite von diesen Papieren in den kommenden Jahren negativ bleiben. Steuerabzüge erhöhen den realen Verlust noch zusätzlich.

Achten Sie auf die Einstufung riskanter Anleihen

Wenn Sie sich Portfolio-Vorschläge von Banken und digitalen Vermögensverwaltern anschauen, werden Sie feststellen, dass Schwellenländeranleihen und High-Yield-Bonds so gut wie immer dem sicheren Anteil des Depots zugerechnet werden – nach Ansicht von Fairvalue ein Fehler. Zwar handelt es sich um Anleihen. Sie sind aber nicht mit sicheren Euro-Bonds zu vergleichen, deren Kurse nur wenig schwanken und die beispielsweise in der Finanzkrise 2008 an Wert zulegten.

Schwellenländeranleihen und High-Yield-Bonds brachen dagegen ein. Nicht so stark wie Aktien. Aber dennoch heftig. Emerging-Markets-Bonds verloren innerhalb von nur zwei Monaten 25 Prozent an Wert. Internationale Hochzinsanleihen von Unternehmen stürzten um 37 Prozent ab. Dennoch mischen Vermögensverwalter solche Bonds dem sicheren Anleihenanteil im Portfolio bei, um die Rendite aufzubessern.

Doch das führt zu riskanteren Portfolios als von den Kunden gewünscht. Falls beispielsweise bei einem Portfolio aus 50 Prozent (sicheren) Anleihen und 50 Prozent Aktien 10 Prozent des Anleihenanteils aus Emerging-Markets- und High-Yield-Bonds besteht, beträgt die Quote riskanter Wertpapiere tatsächlich 60 Prozent. Wer etwa bei einem Robo-Advisor ein fertiges Portfolio auswählen und verwalten lassen will, sollte in einem solchen Fall eine niedrigere Risikostufe wählen als von dem Vermögensverwalter vorgeschlagen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wir raten ausdrücklich zu Schwellenländer- und Hochzinsanleihen. Sie eigneten sich in der Vergangenheit ausgezeichnet, um den Anteil riskanter Wertpapiere zu diversifizieren. Nur sollten diese Bonds eben korrekt eingestuft werden.

Verzicht auf Euro-Unternehmensanleihen mit hoher Bonität

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Anleihen von Unternehmen aus der Eurozone mit hoher Kreditwürdigkeit (Investment-Grade-Rating) in unserer Auflistung oben fehlen. Diese Bonds brachten zwischen Anfang 2001 und Ende 2018 keinen großen Nutzen in einem Portfolio. Ihre Korrelation zu Euro-Staatsanleihen war hoch und die Renditen ähnlich. Insofern liefert die historische Betrachtung keinen Grund, diese Anlageklasse mit in ein Portfolio aufzunehmen.

In welche Anlageklassen haben Sie schon investiert?

Bevor Sie beginnen, sich ein Portfolio zusammenzustellen, sollten Sie eine Bestandsaufnahme Ihres Vermögens machen. Dazu zählt nicht nur Bargeld auf Giro- und Tagesgeldkonten. Auch Kapitallebensversicherungen, Ansprüche aus privaten und betrieblichen Rentenversicherungen und Immobilien sollten Sie mit einbeziehen. Zudem können Sie illiquide Sachwerte wie Antiquitäten und Kunstgegenstände berücksichtigen.

Laut Berechnungen von Fairvalue auf Basis von Daten der Bundesbank bestand das Vermögen der Deutschen Ende 2017 zu mehr als 83 Prozent aus sicheren Anlagen. Den größten Teil machten Ansprüche an Versicherungen aus, gefolgt von Bargeld und Bankeinlagen wie Tages- und Festgeld.

Vermögensstruktur der deutschen Haushalte (in Prozent)

Quelle: Bundesbank, Stand: August 2018.

Die Ansprüche aus Versicherungen verbuchen Sie auf der sicheren Portfolioseite. Ebenso Tages- und Festgeld (siehe oben). Nehmen wir an, Ihr Vermögen entspricht in etwa der Struktur aller Haushalte wie oben abgebildet, aber Sie besitzen noch keine Anlagen mit höherem Risiko wie Aktien. Dann geht es bei der Konstruktion Ihres Portfolios nur noch um den riskanten Anteil. Sie brauchen keine sicheren Staatsanleihen, weil Sie in die schon über ihre Versicherungen im Übermaß investiert haben. Ohnehin empfehlen wir derzeit eine Kombination aus Festgeld und Tagesgeld statt sicherer Staatsanleihen. Zwar sind für beide Anlageformen  die Renditeerwartungen ähnlich schlecht. Doch Bankeinlagen bergen anders als Staatsanleihen keine Kursrisiken.

Einzelne Wertpapiere oder Fonds?

Abhängig von der langfristigen Asset Allocation, für die Sie sich entschieden haben, schichten Sie einen Teil ihrer Bareinlagen in riskantere Anlageklassen um. Nun müssen Sie entscheiden, wie Sie die verschiedenen Märkte abbilden wollen? Sie können ihre Vermögensstruktur mit einzelnen Wertpapieren umsetzen. Das ist allerdings mit relativ viel Aufwand verbunden.  Jede einzelne Anlageklasse sollte ihrerseits ausreichend diversifiziert sein. Das ist nur mit einer Vielzahl von Einzeltiteln möglich. Deswegen lohnt es sich in der Regel nur bei sehr großen Vermögen, ein Portfolio aus Einzeltiteln zusammenzustellen.

Viel einfacher geht es mit Fonds. Sie sind gesetzlich verpflichtet, das Kapital ihrer Anleger ausreichend zu diversifizieren. Falls Sie sich für Fonds entscheiden, haben Sie die Wahl zwischen passiven und aktiven Produkten. Passive Fonds sind klassische Indexfonds oder börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF genannt. Sie kopieren unter anderem Marktindizes, die für einzelne Anlageklassen repräsentativ sind. Anleger erzielen mit solchen ETF immer die Marktrendite, abzüglich Verwaltungs- und Handelskosten und Steuern.

Aktive gemanagte Fonds versuchen dagegen in ihrem jeweiligen Segment mehr herauszuholen als die Marktrendite. Dazu müssen sie Wertpapiere auswählen, die besser laufen als der Marktdurchschnitt und / oder das Fondskapital in Abschwüngen vor Verlusten schützen. Doch das gelingt über längere Zeiträume nur wenigen Fondsmanagern. Diese Gewinnerfonds im Vorfeld auszumachen ist ein schwieriges Unterfangen – vor allem für Privatanleger, die nicht über das nötige Know-how und die Werkzeuge für fundierte Analysen verfügen.

Gerade für Einsteiger ist es deswegen ratsam, sich zunächst ein Portfolio aus ETF zusammenzustellen und damit eine sogenannte Buy-and-hold-Strategie zu verfolgen. Das bedeutet, dass Sie die einmal gewählte Asset Allocation über die Zeit beibehalten und nur bei Bedarf ein sogenanntes Rebalancing durchführen. Dabei werden die Portfolioanteile einzelner Anlageklassen, die im Zeitablauf schwanken, auf ihre ursprünglich gewählte Gewichtung zurückgesetzt.

Wählen Sie zudem ein Wertpapierdepot mit niedrigen Kosten. Jeder Euro, den Sie bei der Verwahrung und beim An- und Verkauf Ihrer ETF-Anteile sparen, erhöht Ihre Rendite. Für Anleger mit weniger Börsenerfahrung empfehlen wir das Wertpapierdepot der ING-Diba*. Erfahrene Anleger, die viel handeln, sind bei der Onvista Bank* und Flatex* gut aufgehoben. Details zu diesen Anbietern und weitere Empfehlungen finden Sie in unserem Depot-Vergleich.

*Bei den mit einem Stern gekennzeichneten Links handelt es sich um Partner-Links, sogenannte Affiliate Links. Wenn Sie einen solchen Link anklicken und bei dem Partnerunternehmen einen Vertrag abschließen oder ein Produkt erwerben, erhält Fairvalue unter Umständen eine Provision. Ihnen entstehen daraus keine Nachteile, da das Budget für die Kundenwerbung bereits in den Preisen der Anbieter enthalten ist. Mit der Nutzung unserer Affiliate Links tragen Sie dazu bei, dass unser Informationsangebot kostenlos und damit für jedermann zugänglich bleiben kann.  

Bei Fairvalue sind Redaktion und Monetarisierung strikt getrennt. Die Redaktion wählt weder ihre Themen im Hinblick auf eine mögliche Monetarisierung aus noch bevorzugt sie Anbieter, die Provisionen zahlen. Die Redaktion erstellt ihre Beiträge nach besten Wissen und Gewissen allein im Interesse der Leser. Erst nach der Fertigstellung eines Beitrages prüfen wir, ob er Empfehlungen enthält, für die Affiliate Programme existieren. Mehr zu den Interessenkonflikten, die aus dem sogenannten Affiliate Marketing resultieren, lesen Sie in dem Beitrag Über Fairvalue.

© Fairvalue 28.02.2019

Fotografie: Ian Dooley / Unsplash

Ratgeber

Wie Sie ein fast unschlagbares ETF-Portfolio zusammenstellen

Von Markus Neumann

Dieser Mann ist glücklich mit seinem ETF-Portfolio

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Das optimale ETF-Portfolio existiert nur in der Theorie – leider. Doch mit einer einfachen Diversifikationsregel lassen sich Portfolios konstruieren, die dem unerreichbaren Ideal recht nahe kommen. Fairvalue hat acht Depotmischungen durchgerechnet, an denen Sie sich bei der Zusammenstellung Ihres persönlichen ETF-Portfolios orientieren können.

Für Privatanleger, die ihr Geld in Eigenregie verwalten wollen, ist ein passives Portfolio aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) meist die beste Lösung. Ein solches ETF-Portfolio ist pflegeleicht und bietet relativ hohe Renditechancen, weil die Kosten niedrig sind.

Schon mit wenigen ETF, die unterschiedliche Anlageklassen abbilden, lässt sich eine gute Diversifikation erzielen. Das erlaubt auch Anlegern mit wenig Kapital von den Vorteilen der Risikostreuung zu profitieren. Mit nur 6000 Euro können Sie beispielsweise ein Portfolio aus vier ETF konstruieren, das zum einen wirtschaftlich ist und zum anderen Wertschwankungen minimiert.

Doch bevor Sie  beginnen, Ihr persönliches ETF-Portfolio zusammenzustellen, müssen Sie zunächst entscheiden, welches Risiko Sie eingehen wollen. Es geht um die Frage, wieviel Ihres Kapitals Sie auf sichere und auf riskantere Anlagen verteilen möchten. Das ist bei einem passiven Portfolio entscheidend für die Rendite. Wie Sie die passende Balance finden, erklärt Ihnen der Ratgeber Asset Allocation.

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Lesen Sie auch den Beitrag zur Diversifikation. Er erläutert Ihnen, warum es besser ist, sein Geld auf viele verschiedene Wertpapiere und Anlageklassen zu verteilen, anstatt nur auf wenige Einzelwerte zu setzen.

Anschließend sollten Sie sich über die einzelnen Anlageklassen informieren, die für Ihr Portfolio infrage kommen. Fairvalue hat insgesamt elf Anlageklassen identifiziert, die sich wegen ihrer unterschiedlichen Eigenschaften gut eignen, um sie in einem ETF-Portfolio zu mischen.

Erst nachdem Sie sich dieses Grundlagenwissen angeeignet haben, können Sie fundierte Entscheidungen treffen.

Klasse statt Masse: Weniger ist oft mehr

Bei der Zusammenstellung eines ETF-Portfolios sollten Sie sich von einem wichtigen Grundsatz leiten lassen: Weniger ist oft mehr. Versuchen Sie nicht, Ihr Geld auf möglichst viele ETF zu verteilen. Je kleinteiliger Sie ihr Depot gestalten, desto höher die relativen Transaktionskosten. Die Ausgaben für Käufe und Verkäufe von ETF-Anteilen sollten Sie so gering wie möglich halten. Denn die Kosten sind einer der wenigen Faktoren, die Anleger kontrollieren können und die direkten Einfluss auf die künftige Rendite haben.

Nach unserer Auffassung sollten die Transaktionskosten 1 Prozent nicht übersteigen. Um diese Grenze nicht zu überschreiten, brauchen Sie wenigstens 6000 Euro für ein ETF-Portfolio mit vier Positionen – vorausgesetzt Sie haben Ihr Wertpapierdepot bei einer durchschnittlichen Onlinebank eingerichtet. Die folgende Tabelle zeigt die Kaufkosten von ETF bei der ING-Diba*. Je größer das Transaktionsvolumen, desto geringer die relativen Kosten. Nach dieser Überschlagsrechnung muss ein Kaufauftrag wenigstens 1500 Euro betragen, damit die Kosten unter 1 Prozent liegen.

Kosten für verschiedene Ordergrößen am Beispiel von ING-Diba (Angaben in Euro)

Quellen: ING Diba, Börse Frankfurt, Fairvalue-Berechnungen, Stand: April 2019.

Das Entgelt für den Handelsplatz bekommt die jeweilige Börse. Den Spread, das ist die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem Kaufpreis, erhält derjenige, der Ihnen einen ETF verkauft, meistens ein Börsenmakler. Als durchschnittlichen Spread haben wir 0,2 Prozent der Kaufsumme angenommen.

Natürlich geht es auch günstiger als in unserem Beispiel. Es gibt Broker, die weniger verlangen als die ING-Diba, und im sogenannten Direkthandel an der Berliner Börse Tradegate müssen Sie beispielsweise keine Handelsplatzkosten bezahlen. Auch gibt es immer wieder Aktionen von Onlinebanken, bei denen die Brokerkosten entfallen.

Doch Kampfpreise und Lockangebote sind meistens nicht dauerhaft, wie die Erfahrung zeigt. Deswegen empfehlen wir, ein Wertpapierdepot bei einer stabilen Direktbank einzurichten, die langfristig auskömmliche Entgelte berechnet. Das schützt vor bösen Überraschungen wie etwa der Schließung eines Brokers und vor drastischen Anhebungen der Entgelte.

Für Anleger mit weniger Börsenerfahrung ist das Wertpapierdepot der ING-Diba* geeignet. Erfahrene Investoren, die viel handeln, sind bei der Onvista Bank* und Flatex* gut aufgehoben. Details zu diesen Anbietern und weitere Empfehlungen finden Sie in unserem Depot-Vergleich.

Kleine Positionen haben kaum Einfluss auf ein ETF-Portfolio

Neben den Transaktionskosten gibt es aber noch andere Gründe, warum ein ETF-Portfolio nicht aus zu vielen Positionen bestehen sollte: Je niedriger das Gewicht eines einzelnen ETF ist, desto geringer ist  der Einfluss auf das Gesamtergebnis. In der folgenden Tabelle können Sie ablesen, um wieviel Prozent eine Anlage mit einem bestimmten Portfolioanteil ansteigen muss, damit sie das Gesamtportfolio nennenswert bewegt. Beispiel: Hat ein ETF einen Anteil von nur 4 Prozent und steigt um 10 Prozent an, legt das Portfolio lediglich um 0,4 Prozent zu, falls alle anderen Positionen unverändert bleiben.

Wie Wertentwicklung und Gewicht einer Portfolio-Position das Gesamtportfolio um ... Prozent bewegen

Quellen: Fairvalue-Berechnung, Stand: April 2019.

Auch verbessern sich die Portfoliokennzahlen wie Rendite, Risiko und maximaler Wertverlust nicht unbedingt wesentlich, wenn Anleger auf möglichst viele verschiedene Anlagen setzen. Ein ähnliches Ergebnis ist oft mit nur wenigen ETF zu erreichen, wie Sie weiter unten sehen werden. Und nicht zuletzt ist es einfacher, den Überblick in Ihrem ETF-Portfolio zu behalten, wenn Sie sich auf eine möglichst geringe Anzahl börsengehandelter Indexfonds beschränken. Das gilt auch für größere Depots mit einem Volumen von mehreren hunderttausend Euro.

Wie sollten Anleger ihr ETF-Portfolio gewichten?

Nachdem Sie sich für die Anlageklassen entschieden haben, die Sie in Ihr ETF-Portfolio aufnehmen möchten, stellt sich die Frage nach der besten Gewichtung, die viele Anleger zeitlebens quält. Sollten manche Positionen größer und andere kleiner sein und falls ja, welche?

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Letztlich geht es bei dieser Frage um das optimale Portfolio, von dem die meisten Anleger träumen, seit der amerikanische Ökonom Harry Markowitz seine nobelpreisgekrönte Portfoliotheorie im Jahr 1952 veröffentlichte. Danach ist ein Portfolio optimal oder effizient, wie es in der Wissenschaft heißt, falls kein anderes Portfolio existiert, das bei gleichem Risiko eine höhere Rendite liefert, oder – andersherum – falls kein Portfolio existiert, das bei gleicher Rendite weniger riskant ist.

In der Theorie gibt es also nicht DAS beste ETF-Portfolio, sondern ein Vielzahl. Was für einen einzelnen Anleger effizient ist, hängt von seinen Präferenzen ab. Will ein Investor eine Rendite von jährlich 8 Prozent, ist das Portfolio aus seiner Sicht das Beste, das diesen Ertrag mit dem geringsten Risiko liefert. Ein anderer Investor könnte eine maximale Schwankungsbreite wählen, die nicht überschritten werden soll. Das Portfolio mit der gewählten Volatilität, das die höchste Rendite bringt, wäre für ihn optimal.

Die Zusammensetzung von optimalen Portfolios ändert sich mit dem Anlageuniversum, aus dem Investoren ihr Depot zusammenstellen können. Sehr vermögende Investoren können beispielsweise Anlageklassen mit einbeziehen, zu denen Kleinanleger keinen Zugang haben. Dazu zählt etwa Private Equity. Wer in entsprechende Fonds investieren will, muss mindestens 250.000 Euro hinlegen. Soll der Portfolioanteil maximal 20 Prozent betragen, wäre also ein Vermögen von wenigsten 1,25 Millionen Euro notwendig, um einen Private-Equity-Fonds aufzunehmen.

Effiziente Portfolios existieren nur in der Theorie

Bedauerlicherweise existieren effiziente Portfolios aber nur in der Theorie. In der Praxis sind sie unerreichbar. Es lässt sich zwar im Nachhinein berechnen, welche Portfolios optimal gewesen wären. Doch welche ETF-Portfolios in der Zukunft effizient sein werden, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Um effiziente Portfolios zu berechnen, müssen die Renditen, die Volatilitäten und die Korrelationen der einzelnen Bestandteile bekannt sein.

Nun weiß aber niemand im Voraus genau, wie sich einzelne Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkte entwickeln werden. Deswegen schätzen Fachleute diese Kennzahlen. Doch meistens treten diese Erwartungen nicht ein. Die Schätzfehler wiederum führen zu Portfoliozusammensetzungen, die alles andere als optimal sind und zum Teil schwache Renditen liefern. Das Modell von Markowitz ist dafür besonders anfällig.

Natürlich haben sich die Methoden seit den 1950er-Jahren verbessert. Hinzukommen gewaltige Rechenkapazitäten, die heute zur Portfoliooptimierung genutzt werden können. Dennoch gibt es nach wie vor kein Modell, das mit Sicherheit funktioniert und kontinuierlich besser abschneidet als ein gleichgewichtetes Portfolio, in dem jede Anlageklasse denselben Anteil hat. Solche Zusammensetzungen werden auch als „naiv“ oder als 1/N-Portfolio bezeichnet.

Ein gleichgewichtetes ETF-Portfolio ist eine fast unschlagbare Lösung

Naiv klingt nicht sehr schmeichelhaft. Doch diese einfache, für jedermann umsetzbare Regel, ist ziemlich erfolgreich. Der Analyst Johannes Bock hat in seiner Promotion an der Warwick Business School 16 Optimierungsmodelle untersucht. Bock testete diese Methoden mit sechs verschiedenen Datensätzen, darunter amerikanische Einzelaktien und internationale Länderindizes. Ergebnis: Viele Optimierungsansätze funktionieren nicht. Sie schnitten durch die Bank schlechter ab als ein naives Portfolio. Doch auch mit den besten modernen Methoden war es nicht möglich, ein gleichgewichtetes Portfolio über alle Datensätze zu übertreffen. Hinzu kommt, dass diese Modelle in der Praxis viel Zeitaufwand und hohe Kosten verursachen, weil die Portfoliozusammensetzung sehr häufig angepasst werden muss.

Bocks Fazit: Simple Diversifikationsregeln sind nicht ineffizient. Für Privatanleger drängen sich demnach gleichgewichtete ETF-Portfolios auf.

Die Zutaten für Ihr ETF-Portfolio

Wir konstruieren hier nur den riskanten Anteil eines Portfolios. Für den sicheren Anteil empfehlen wir derzeit Tagesgeld und Festgeld, weil Euro-Staatsanleihen unter dem Strich weniger attraktiv erscheinen. Abhängig von Ihrer Risikoneigung kombinieren Sie also das riskante ETF-Portfolio mit einem entsprechenden Anteil sicherer Anlagen.

Wir haben acht riskante Anlageklassen ausgewählt, die Sie beliebig miteinander kombinieren können. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich diese Märkte zwischen Januar 2001 und Ende November 2018 entwickelten.

Die Anlageklassen im Überblick

Quellen: Morningstar Direct, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: April 2019.

Die nachfolgenden acht ETF-Portfolios sind also nicht in Stein gemeißelt, sondern Vorschläge, an denen Sie sich orientieren können. Damit auch für sehr kleine Anlagesummen passende Mischungen zur Verfügung stehen, beginnen wir mit einem Portfolio, das nur aus einem einzigen ETF besteht. Schritt für Schritt erhöhen wir die Anzahl der Portfoliokomponenten. Auf diese Weise können Sie anhand der Kennzahlen beobachten, was eine weitere Anlageklasse im Portfolio in der Vergangenheit gebracht hätte.

Vorschläge für ETF-Portfolio-Mischungen

Wir fangen mit Industrie- und Schwellenländeraktien-ETF an, die zusammen den Weltmarkt weitgehend abdecken. Anschließend nehmen wir einen Schwellenländeranleihen-ETF dazu. Er senkt die Volatilität und den zweitweisen maximalen Wertverlust des Portfolios deutlich. Eine ähnliche Wirkung hat auch ein High-Yield-Bonds-ETF. Gold als vierter Baustein verbessert die Kennzahlen noch weiter.

Die gleichgewichteten Portfolios im Einzelnen (Startwert 50.000 Euro):

  • Portfolio 1: Industrieländeraktien
  • Portfolio 2: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien
  • Portfolio 3: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien, Schwellenländeranleihen
  • Portfolio 4: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien, Schwellenländeranleihen, Gold
  • Portfolio 5: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien, Schwellenländeranleihen, Gold, Nahrungsmittelaktien
  • Portfolio 6: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien, Schwellenländeranleihen, Gold, Nahrungsmittelaktien, High-Yield-Bonds
  • Portfolio 7: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien, Schwellenländeranleihen, Gold, Nahrungsmittelaktien, High-Yield-Bonds, Immobilienaktien
  • Portfolio 8: Industrieländeraktien, Schwellenländeraktien, Schwellenländeranleihen, Gold, Nahrungsmittelaktien, High-Yield-Bonds, Immobilienaktien, Rohstoffe

ETF-Portfolios im historischen Vergleich: Das Fairvalue-Portfolio 7 lieferte die höchste Rendite

Quellen: Morningstar Direct, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: April 2019.

Die Ergebnisse basieren auf Indexdaten in Euro nach Abzug der Quellensteuer von Anfang 2001 bis Ende November 2018. Fondskosten sind nicht berücksichtigt.

Die Berechnungen zeigen, dass es zwischen Januar 2001 und Dezember 2018 möglich war, mit nur vier ETF ein ziemlich solides Portfolio zusammenzustellen. Allerdings sagt die Vergangenheit nichts über die Zukunft aus. Die hier beispielhaft gezeigten ETF-Portfolios werden künftig andere Renditen erzielen. Beispielsweise war die Entwicklung von Gold in unserem Untersuchungszeitraum ausgezeichnet. Es ist nicht zu erwarten, dass die Renditen künftig so hoch bleiben. Andersherum sollten die Erträge von Industrieländeraktien steigen. Sie schnitten im Analysezeitraum unterdurchschnittlich ab, gemessen an der langfristigen Historie.

Während die künftigen Renditen unbekannt sind, können Anleger aber darauf bauen, dass sich die acht ausgewählten Anlageklassen auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedlich entwickeln und sich demnach zur Diversifikation eignen werden.

Zudem können wir mit Monte-Carlo-Simulationen die Wahrscheinlichkeiten von künftigen Renditen und Verlusten näherungsweise berechnen. Die Ergebnisse vermitteln Anlegern ein gutes Gefühl dafür, was sie von ihrem ETF-Portfolio erwarten können. Wir haben am Beispiel des Portfolio 7 eine solche Simulation durchgeführt. Die Ergebnisse.

Das naive ETF-Portfolio mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis

Die Sharpe Ratio drückt die Rendite über einem sicheren Zinssatz pro Risikoeinheit (Volatilität) aus. Je höher diese Kennzahl, desto besser war das Rendite-Risiko-Verhältnis. Die Sharpe Ratio ist so etwas wie das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Wertpapieres oder eines ETF-Portfolios. Der Preis ist die Höhe der Wertschwankungen, den Anleger für die Rendite, die Leistung, bezahlen müssen.

Scrollen Sie noch einmal noch oben und schauen Sie sich die Tabelle mit den einzelnen Anlageklassen an: Die Volatilität der Portfolios fünf bis acht ist niedriger als die der Anlageklasse mit den geringsten Wertschwankungen. Auch die Sharpe Ratios sind höher als die der besten Anlageklasse. Das sind die (kostenlosen) Früchte einer guten Diversifikation. Das beste Portfolio gemessen an der Sharpe Ratio war das ETF-Portfolio 7.

Ausführliche Datenreports zu den einzelnen ETF-Portfolios können Sie hier als PDF-Datei herunterladen:

ETF-Portfolio 1-3        ETF-Portfolio 4-6         ETF-Portfolio 7-8

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Das ETF-Portfolio 7 im Detail

Die Unterschiede zwischen einem gut diversifizierten ETF-Portfolio aus sieben gut aufeinander abgestimmten Anlageklassen im Vergleich zu einem Portfolio, das nur aus einem einzigen ETF auf den MSCI World bestand, sind gewaltig, wie die Kennzahlen in der Tabelle oben zeigen. Zwischen 2001 und November 2018 war die durchschnittliche Rendite pro Jahr des Portfolio 7 doppelt so hoch wie die des MSCI World (Portfolio 1).

Wertentwicklung des Portfolio 7 im Vergleich zum MSCI World

Beträchtliche Renditeunterschiede: ETF-Portfolio 7 im Vergleich zum MSCI World

Quellen: Morningstar Direct, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: April 2019.

Die Renditeunterschiede für die einzelnen Kalenderjahre zeigt das nächste Diagramm. In 11 von 18 Jahren schnitt das Portfolio 7 besser ab als der MSCI World. Letzterer erzielte den größten Vorsprung gegenüber dem Portfolio 7 im Jahr 2013. Damals legte der MSCI World um gut 21 Prozent zu. Gold verlor dagegen mehr als 30 Prozent an Wert. Die anderen Portfoliokomponenten machten ebenfalls Minus (Schwellenländeraktien und -anleihen) oder schnitten schlechter als der MSCI World ab.

Jahresrenditen: In 11 von 18 Jahren lag das Portfolio 7 vorn

Das ETF-Portfolio 7 lag in 11 von 18 Jahren vorn

Quellen: Morningstar Direct, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: April 2019.

In Nachhinein sind wir immer schlauer: Welche ETF-Portfolios effizient gewesen wären

Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, wieviel Portfoliooptimierung zumindest theoretisch bringt, haben wir auch einige effiziente Portfolios berechnet. Das Anlageuniversum bildeten wieder die acht ausgewählten Anlageklassen.

Wir vergleichen die effizienten ETF-Portfolios mit dem gleichgewichteten Portfolio 8. Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass dessen Kennzahlen ein wenig von den oben berechneten abweichen. Ursache sind unterschiedliche Intervalle, in denen das Portfolio immer wieder auf seine Ausgangsgewichtung zurückgesetzt wurde. Rebalancing nennt sich das.

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Bei den oben aufgeführten Portfolios haben wir jährlich ein Rebalancing durchgeführt, bei den effizienten Portfolios monatlich. Letzteres ist dem Optimierungstool geschuldet, das wir verwendet haben. Es lässt kein anderes Intervall zu.

Wir haben zunächst die Volatilität des naiven Ausgangsportfolios vorgegeben und dazu die Zusammensetzung gesucht, die bei diesen Wertschwankungen die höchste Rendite geliefert hätte. Das zweite effiziente Portfolio ist das mit der maximalen Sharpe Ratio. In der Portfoliotheorie wird es Marktportfolio oder auch Tangency Portfolio genannt. Das dritte optimierte Portfolio ist das sogenannte Minimum Variance Portfolio. Dabei handelt es sich um die Mischung mit der geringsten Volatilität.

Gewichtungen und Kennzahlen: Naives und effiziente ETF-Portfolios im historischen Vergleich

Quellen: Morningstar Direct, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: April 2019.

Wie die Daten zeigen, lässt sich ein gleichgewichtetes Portfolio noch deutlich verbessern – zumindest im Nachhinein. Statt gut 7 Prozent Rendite pro Jahr waren bei derselben Volatilität 8,4 Prozent jährlich möglich. Das führt beim Endvermögen zu einem gewaltigen Unterschied. Beachten Sie zudem, dass eine Minderung der Volatilität mit Renditeeinbußen verbunden war (Minimum Variance Portfolio).

Bemerkenswert ist auch, dass die von Anlegern sehr häufig als Basisinvestment verwendeten ETF auf den MSCI World und den MSCI Emerging Markets in den effizienten ETF-Portfolios keine Rolle spielen. Ihr Anteil beträgt null. Mit anderen Worten: Zwischen Januar 2001 und Dezember 2018 hätten Anleger bessere Ergebnisse erzielt, wenn sie auf diese Indizes verzichtet hätten. Aber das ist – wie gesagt – reine Theorie, die keine Hinweise auf die künftig optimale Zusammensetzung eines ETF-Portfolios liefert. Unserer Ansicht nach sollten Industrieländer- und Schwellenländeraktien in einem diversifizierten ETF-Portfolio enthalten sein.

Wie lange sollten Anleger ein ETF-Portfolio wenigstens halten?

Empfehlungen für die Haltedauer einer Anlageklasse oder eines Portfolios werden meist aus der historischen Kursentwicklung abgeleitet. Über die gesamte Datenreihe wird nach dem Anlagezeitraum gesucht, der in der Vergangenheit nie zu einem Verlust führte, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt. Andersherum ausgedrückt: Die Mindestanlagedauer ergibt sich aus der längsten Phase, in der ein Portfolio im Minus notierte. Beim MSCI World auf Eurobasis nach Abzug der Quellensteuer war diese Durststrecke gemessen ab 2001 gut zwölf Jahre lang. Deswegen heißt es immer wieder, wer in den Weltaktienmarkt investiere solle wenigstens 15 Jahre Zeit mitbringen. In dieser Zeit darf das Kapital nicht benötigt werden, damit Anleger Börsencrashs aussitzen können.

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Für das Portfolio 7 betrug die Mindesthaltedauer dagegen zwei Drittel weniger. Wer zwischen 2001 und November 2018 in das ETF-Portfolio aus sieben Anlageklassen investierte und es vier Jahre lang hielt, machte keinen Verlust, egal wann er eingestiegen war.

Die fortlaufenden Renditen über alle Vierjahreszeiträume seit 2001 zeigt die folgende Abbildung. Jeder Punkt auf dem Graphen gibt die jeweils durchschnittliche, jährliche Rendite der zurückliegenden vier Jahre an.

Bei einer Haltedauer von vier Jahren machten Anleger mit dem Portfolio 7 keinen Verlust - unabhängig vom Einstiegszeitpunkt

ETF-Portfolio 7: Fortlaufende, annualisierte Renditen über vier Jahre

Die höchste durchschnittliche Rendite pro Jahr, die das Portfolio 7 über einen Zeitraum von vier Jahren erzielte, betrug 19,8 Prozent, die niedrigste 2,2 Prozent. Mittelwert: 9,4 Prozent.

Quellen: Morningstar Direct, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: April 2019.

Wieviel Pflege braucht ein ETF-Portfolio?

Nachdem Sie sich für eine passende Portfolio-Mischung entschieden haben, müssen Sie ETF auf die entsprechenden Indizes auswählen. Sie müssen nicht die Indizes nehmen, die wir vorgeschlagen haben. Für jede Anlageklasse gibt es in der Regel mehrere Indizes von konkurrierenden Anbietern. Zwar unterscheiden sie sich im Detail, erfüllen aber im Großen und Ganzen denselben Zweck. Wie Sie bei der Auswahl von ETF vorgehen sollten, lesen Sie in unserem Beitrag zum ETF-Vergleich.

Sie können aber auch unseren ETF-Empfehlungen folgen. Wir haben für sieben der hier verwendeten Anlageklassen die besten ETF ausgewählt.

Haben Sie Ihr gleichgewichtetes ETF-Portfolio einmal bei Ihrer Depotbank eingerichtet, können Sie sich entspannt zurücklehnen. Ein passives Buy-and-hold-Portfolio wird langfristig eine gute Rendite liefern, solange die Welt nicht untergeht, und macht wenig Arbeit. Sie können es einfach laufen lassen. Weil sich die Kurse der einzelnen Komponenten aber unterschiedlich entwickeln werden, sollten Sie Ihr Portfolio regelmäßig auf die Startgewichtung zurücksetzen. Einmal jährlich reicht. Was das bei riskanten Portfoliokomponenten im Einzelnen bringt, lesen Sie in unserer Untersuchung Rebalancing von ETF-Portfolios.

Bei kleinen Depots lohnt es sich aber selbst bei preiswerten Online-Brokern wie der Onvista Bank* und Flatex* kaum, die Gleichgewichtung mit Umschichtungen wieder herzustellen. Denn dafür müssten Sie viele kleine Transaktionen durchführen. Das verursacht unverhältnismäßig hohe Kosten (siehe oben). Führen Sie in solchen Fällen nur ein Rebalancing durch, wenn Sie ihr Portfolio aufstocken. So halten sich die Kosten in Grenzen und Sie müssen keine Steuern auf realisierte Gewinne wie bei Umschichtungen bezahlen.

Fairvalue-Empfehlung

Machen Sie nicht den Fehler, auf kurzfristige, unsinnige Vergleiche zu schielen und Ihr Portfolio infrage zu stellen. Es wird immer einzelne Anlagen und Portfolios geben, die sich besser als Ihr ETF-Portfolio entwickeln (siehe oben). Ein gleichgewichtetes Portfolio ist keine Alles-oder-Nichts-Wette. Sie beschreiten damit den goldenen Mittelweg, der Ihre Nerven schonen und Ihnen langfristig gute Erträge einbringen wird.

Übrigens: Nobelpreisträger Harry Markowitz waren die Schwächen seiner Portfoliotheorie in der Praxis sehr wohl bewusst. Zeitungsberichten zufolge versuchte er gar nicht erst, seine eigene Ersparnisse effizient anzulegen. Er entschied sich für ein naives, gleichgewichtes Portfolio und investierte die Hälfte seines Geldes in Aktien und die andere Hälfte in Anleihen.

 

*Bei den mit einem Stern gekennzeichneten Links handelt es sich um Partner-Links, sogenannte Affiliate Links. Wenn Sie einen solchen Link anklicken und bei dem Partnerunternehmen einen Vertrag abschließen oder ein Produkt erwerben, erhält Fairvalue unter Umständen eine Provision. Ihnen entstehen daraus keine Nachteile, da das Budget für die Kundenwerbung bereits in den Preisen der Anbieter enthalten ist. Mit der Nutzung unserer Affiliate Links tragen Sie dazu bei, dass unser Informationsangebot kostenlos und damit für jedermann zugänglich bleiben kann.  

Bei Fairvalue sind Redaktion und Monetarisierung strikt getrennt. Die Redaktion wählt weder ihre Themen im Hinblick auf eine mögliche Monetarisierung aus noch bevorzugt sie Anbieter, die Provisionen zahlen. Die Redaktion erstellt ihre Beiträge nach besten Wissen und Gewissen allein im Interesse der Leser. Erst nach der Fertigstellung eines Beitrages prüfen wir, ob er Empfehlungen enthält, für die Affiliate Programme existieren. Mehr zu den Interessenkonflikten, die aus dem sogenannten Affiliate Marketing resultieren, lesen Sie in dem Beitrag Über Fairvalue.

© Fairvalue, aktualisiert am 12.10.2019

Fotografie: Taylor Grote / Unsplash

Quellen

Johannes Bock:  An updated review of (sub-)optimal diversification models, 2018.

Martin Weber: Genial einfach investieren, Campus 2007.

Geldanlage

ETF-Empfehlungen: Die besten Indexfonds für sieben Anlageklassen

ETF-Empfehlungen: Die besten börsengehandelten Indexfonds

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Grau ist alle Theorie. Doch jetzt wird es konkret: Fairvalue hat ETF-Empfehlungen für sieben wichtige Anlageklassen zusammengestellt. Aus diesen börsengehandelten Indexfonds können Sie sich bei Ihrer Onlinebank ein erfolgversprechendes Portfolio zusammenstellen – mit ein paar Klicks.

Die nach aller Erfahrung beste Wahl bei der Geldanlage ist ein passives Portfolio, das aus verschiedenen Anlageklassen besteht. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, mit einer guten Mischung langfristig eine jährliche Durchschnittsrendite von wenigstens 5 Prozent zu erzielen, wie unsere Monte-Carlo-Simulation zeigt.

Es ist am einfachsten – und in der Regel auch am erfolgreichsten –, die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen mit börsengehandelten Indexfonds (ETF) abzubilden. Auf beliebte Indizes konkurrieren aber oftmals eine Vielzahl von ETF. Anleger stehen dann vor der Frage, welchen Fonds sie wählen sollen. Die immer wieder kolportierte Behauptung, alle ETF auf denselben Index wären so gut wie gleich, ist nicht richtig. Es gibt wesentliche Unterschiede – auch bei der Rendite.

Wir gehen davon aus, dass Anleger, die langfristig investieren wollen, vor allem an den ETF interessiert sind, die in ihrer Vergleichsgruppe künftig die höchsten Renditen liefern werden. Viele Investoren meinen, dass müssten die ETF mit den geringsten Verwaltungskosten (TER) oder dem niedrigsten Tracking-Error sein. Beides trifft nicht zu.

ETF-Empfehlungen von Fairvalue basieren auf der Rendite der vergangenen fünf Jahre

Fairvalue hat ausführlich untersucht, ob es Kennzahlen gibt, mit denen sich zuverlässig prognostizieren lässt, welche ETF in Zukunft die höchsten Renditen liefern werden. Nach unserer Kenntnis ist es die einzige systematische Analyse, die derzeit zu diesem Thema vorliegt. Das zentrale Ergebnis: Es gibt keine Methode für sichere Vorhersagen.

Aber: Wir haben festgestellt, dass die Rendite der vergangenen fünf Jahre immerhin ein guter Indikator ist. In sechs von acht Fällen waren die besten ETF auf einen Index auch vier Jahre später auf einem der beiden ersten Plätze zu finden.

Dasselbe Ergebnis liefert auch die sogenannte Tracking-Difference. Sie misst die Abweichung der ETF-Rendite von der Indexrendite. Diese Kennzahl enthält dieselbe Information wie die Rendite. Nur zeigt sie die Leistung eines ETF von der Kostenseite. Je niedriger die Tracking-Difference, desto besser war der ETF.

Auswahlkriterien für die Shortlist

Anleger sind demnach gut beraten, wenn sie ETF nach der Rendite oder der Tracking-Difference der zurückliegenden fünf Jahre auswählen. So sind auch wir bei der Zusammenstellung unserer ETF-Empfehlungen vorgegangen. Das bedeutet: Nur Fonds, die bereits wenigstens fünf Jahre auf dem Markt sind, kamen in die engere Wahl.

Zudem haben wir ein verwaltetes Vermögen von mindestens 100 Millionen Euro vorausgesetzt. Denn kleine ETF laufen über kurz oder lang Gefahr, geschlossen oder mit anderen Fonds verschmolzen zu werden. Zwar verlieren Anleger dadurch kein Geld. Doch solche Transaktionen können verfrühte Steuerzahlungen und lästigen Verwaltungsaufwand nach sich ziehen.

Aus den nach diesen Kriterien entstanden Shortlists haben wir dann jeweils den ETF mit der höchsten Rendite über fünf Jahre gewählt – vorausgesetzt es gab mehrere Fonds auf den gewünschten Index, was nur beim MSCI World Index, dem MSCI Emerging Markets Index der Fall war. In weniger populären Segmenten wie Schwellenländeranleihen und High-Yield-Bonds gibt es meist nur einen ETF auf den jeweiligen Index.

Falls mehrere ETF existieren, nehmen wir jeweils den besten ausschüttenden und den besten thesaurierenden Fonds in unsere ETF-Empfehlungen auf. Sie können sich dann für den börsengehandelten Indexfonds mit der von Ihnen bevorzugten Ertragsverwendung entscheiden. Wenn wir nur einen ETF nennen, ist keine Alternative auf dem Markt. Beispielsweise gibt es keinen Schwellenländeranleihen-ETF, auf den von uns gewählten Index, der die Zinszahlungen wieder anlegt.

Weitere Faktoren bei der ETF-Auswahl

Drei weitere Kriterien, die unsere ETF-Empfehlungen beeinflussen:

  1. Ist der zweitbeste ETF ein voll replizierender Fonds und der bestplatzierte einer, der die Sampling Methode benutzt, ziehen wir den zweitplatzierten ETF vor. Hintergrund: Die Sampling-Methode kann zu größeren Schwankungen der Tracking-Differenz führen, im Guten wie im Schlechten, weil der ETF nicht alle Indexwertpapiere hält wie ein voll replizierender ETF. Letzteres erscheint uns deswegen als zuverlässigere Abbildungsmethode.
  2. Gibt es ETF in der Spitzengruppe (beim MSCI Emerging Markets Index hatten wir die Wahl zwischen neun), die keine Wertpapiere verleihen, nehmen wir auch diese Fonds in unsere ETF-Empfehlungen auf.
  3. Sollte ein Swap-basierter ETF nach der Rendite unter den ausschüttenden oder thesaurierenden Fonds den ersten Platz belegen, erweitern wir unsere Hitliste um den bestplatzierten physischen ETF. Damit wollen wir auch Anlegern, die synthetische Fonds grundsätzlich ablehnen (was wir übrigens nicht tun), eine ETF-Empfehlung bieten, .

Der ideale Kandidat für unsere ETF-Empfehlungen ist also ein voll replizierender Fonds, der keine Wertpapiere verleiht und in seiner Vergleichsgruppe über die vergangenen fünf Jahre die höchste Rendite lieferte. In unserer Liste sind drei ETF, die keine Wertpapiere verleihen: Der SPDR-Fonds auf den MSCI Emerging Markets Index und die beiden börsengehandelten Indexfonds von BNP Paribas.

Ein Sonderfall unter unseren ETF-Empfehlungen

Ein Sonderfall unter unseren ETF-Empfehlungen ist das Produkt, das die Goldpreisentwicklung abbildet. Dabei handelt es sich nicht um einen ETF (Exchange Traded Funds), sondern um einen sogenannten ETC. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Commodity. Diese Wertpapiere kopieren unter anderem die Wertentwicklung von einzelnen Rohstoffen.

Weil bei Fonds eine Mindestdiversifikation gesetzlich vorgeschrieben ist, sind ETF, die nur die Kursentwicklung eines einzigen Rohstoffs nachvollziehen, nicht erlaubt. Deshalb steckt hinter ETCs eine andere Rechtsform. Während Fonds geschütztes Sondervermögen sind,  handelt es sich bei ETCs um Schuldverschreibungen der Emittenten, die sie herausgeben. Schlittert ein Emittent in die Pleite, ist das Geld der Anleger in der Regel weg.

Für jeden ausgegebenen Anteil des von uns empfohlenen Gold-ETCs ist aber physisches Gold bei einem Treuhänder hinterlegt. Das sorgt für eine relative hohe Sicherheit, die aber nicht an die von Fonds oder den direkten Besitz von Gold heranreicht. Allerdings ist die Anschaffung von Goldbarren oder Münzen in der Regel teurer als der Kauf eines Gold-ETCs.

ETF-Empfehlungen für sieben Anlageklassen

Quellen: ExtraETF, JustETF, Stand: 16.05.2019.

In unserem Beitrag Wie Sie ein fast unschlagbares ETF-Portfolio zusammenstellen finden Sie Vorschläge, wie Sie diese Fonds sinnvoll kombinieren können.

ETF-Rankings schwanken kurzfristig

Wichtig: Unsere exklusive Untersuchung hat gezeigt, dass die besten ETF in der Vergangenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch NACH ABLAUF von vier weiteren Jahren zu den besten ihrer Gruppe zählen werden. In der Zwischenzeit werden die ETF-Rankings aber zum Teil deutlich schwanken. Erwarten Sie also nicht, dass unsere ETF-Empfehlungen künftig immer auf dem ersten Platz liegen werden. Viel eher werden sie zeitweise abrutschen. Und auch für den langfristigen Erfolg gibt es keine Garantie (siehe oben).

Doch selbst wenn die empfohlenen ETF unsere Erwartungen nicht erfüllen, fahren Sie mit diesen Fonds mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig besser als mit aktiv gemanagten Fonds, die wegen ihrer hohen Kosten meist schlechter abschneiden als ETF. Zusätzlich Geld sparen können Sie, wenn Sie ihre Wertpapiergeschäfte über eine günstige Direktbank oder einen Online-Broker abwickeln. Für Anleger mit weniger Börsenerfahrung empfehlen wir das Wertpapierdepot der ING-Diba*. Erfahrene Anleger, die viel handeln, sind bei der Onvista Bank* und Flatex* gut aufgehoben. Details zu diesen Anbietern und weitere Empfehlungen finden Sie in unserem Depot-Vergleich.

Verpassen Sie keine unserer künftigen ETF-Empfehlungen

Wir werden unsere ETF-Empfehlungen regelmäßig erweitern. Beispielsweise suchen wir derzeit nach der besten Variante, mit der wir die Anlageklasse Rohstoffe abbilden können. Der von uns favorisierte Index, den Sie in dem Beitrag über die wichtigsten Anlageklassen finden, verbessert zwar die Diversifikation in einem Portfolio. Doch die Renditeaussichten sind unserer Ansicht nach gering.

Der Rohstoffindex basiert auf standardisierten Terminkontrakten, sogenannten Futures, die immer wieder Rollverluste bei den Kontraktwechseln einfahren können. Uns treibt deswegen die Frage um, ob sich die Anlageklasse Rohstoffe nicht auch adäquat über Aktien abbilden lässt, bei denen es keine Rollverluste gibt.

Falls Sie über die Ergebnisse der geplanten Analyse und über Erweiterungen unserer ETF-Empfehlungen informiert werden möchten, tragen Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter ein. Schneller sind Sie über Twitter und Facebook informiert. Dort posten wir alle Beiträge kurz nach ihrer Veröffentlichung.

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© Fairvalue 22.05.2019

Fotografie:

Imagine Cup / Flickr (CC BY 2.0)  

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