Bankeinlagen

Sicherheit ist bei Festgeld das oberste Gebot

Festgeld sollte nur bei sicheren Banken angelegt werden

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Vermittler im Internet locken mit hohen Zinsen für Festgeld bei ausländischen Banken. Doch viele dieser Kreditinstitute  und deren Heimatstaaten verfügen nur über eine schlechte Bonität. Entsprechend hoch ist das Risiko.

Mittlerweile ist es immer schwieriger geworden, Banken zu finden, die noch Festgeldzinsen über der aktuellen Inflationsrate bieten. Die Unterschiede zwischen einzelnen Instituten sind zum Teil erheblich, weswegen sich ein Vergleich in jedem Fall lohnt.

Hohe Renditen, das haben die meisten Anleger spätestens während der Finanzkrise gelernt, sind an den Kapitalmärkten auch mit höheren Risiken verbunden. Das gilt prinzipiell bei jeder Anlage, beispielsweise bei Staatsanleihen. Bei Fest- und Tagesgeld liegen die Dinge ähnlich, aber es gibt Ausnahmen. Beispielsweise sind höhere Zinsen kein Indiz für ein größeres Risiko, solange es sich um das Angebot einer europäischen Bank handelt, die über eine gute Bonität verfügt (Investment-Grade-Rating) und sich auf eine tragfähige Einlagensicherung in einem Staat stützt, dessen Kreditwürdigkeit von den Ratingagenturen ebenfalls als gut eingestuft wird.

Unter diesen Voraussetzungen können bessere Zinskonditionen ein Hinweis darauf sein, dass eine Bank Schwierigkeiten hat, sich auf dem Geldmarkt oder bei der EZB zu finanzieren. Im Verlauf der Finanzkrise haben viele Banken ihre Ausleihen untereinander drastisch reduziert – aus Angst vor Pleiten.

Bei der EZB gibt es nur Geld gegen Sicherheiten, etwa Staatsanleihen von erstklassigen Herausgebern. Zwar sind die Standards seit Ausbruch der europäischen Staatsschuldenkrise immer weiter abgesenkt worden. Dennoch verfügt nicht jede Bank über genügend Sicherheiten, um sich bei der EZB mit genügend Kapital zu versorgen. An dieser Stelle kommen dann wieder die Anleger ins Spiel, um deren Geld manche Banken mit überdurchschnittlichen Zinsangeboten buhlen. Nicht zuletzt können aber attraktive Konditionen auch aus geringeren Kosten einer Bank im Vergleich zur Konkurrenz resultieren.

Bei Banken aus finanzschwachen Ländern ist größte Vorsicht geboten

Anders liegen die Dinge bei Banken, die ihren Sitz in weniger finanzkräftigen EU-Ländern haben, deren Bonität die Ratingagenturen nicht mit Bestnoten beurteilen. Dazu zählen beispielsweise Bulgarien, Kroatien, Portugal und Italien.

Online-Vermittler wie Weltsparen und Savedo bieten von Banken in solchen Ländern Festgeld mit einer höheren Verzinsung an im Vergleich zu Wettbewerbern. In diesen Fällen steht dem höheren Zins in der Regel auch ein höheres Risiko gegenüber. Kommt es zum Zahlungsausfall einer Bank, ist möglicherweise fraglich, ob der Staat als letzte Instanz die Einlagen garantieren kann. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Einlagensicherung.

Europäische Zentralbank beeinflusst Festgeldzinsen

Was eine Festgeldanlage einbringt, hängt grundsätzlich vom allgemeinen Zinsniveau ab, an dem sich Banken und Sparkassen orientieren. Dabei spielt auch der sogenannte Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) eine wichtige Rolle. Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen. Sinkt er, setzen die Banken meistens auch die Zinsen für Fest- und Tagesgeld herunter.

Diese Erfahrung mussten Anleger auch in den Jahren nach Ausbruch der Finanzkrise machen. Während die EZB ihre Zinsen immer weiter senkte, um die angeschlagene Finanzindustrie mit billigem Geld zu versorgen, verschlechterten sich die Konditionen von Fest- und Tagesgeld von Jahr zu Jahr.

Der Hintergrund für diesen Zusammenhang: Banken haben verschiedene Möglichkeiten, um sich Geld für die Finanzierung ihrer Geschäfte, etwa die Vergabe von Krediten, zu beschaffen. Sie leihen sich welches bei der EZB oder auf dem Geldmarkt bei anderen Banken. Oder sie versuchen, möglichst viel Kapital bei Privatanlegern und Unternehmen einzusammeln, indem sie gute Konditionen für Bankeinlagen bieten. Doch dafür sinkt der Anreiz, wenn bei der EZB Geld im Überfluss günstig zu haben ist.

Hinzu kommen Ausnahmesituationen aufgrund der europäischen Staatsschuldenkrise: Deutsche Banken verfügen wegen der Kapitalflucht aus angeschlagenen Euroländern über sehr viel überschüssiges Kapital, dass sie bei der EZB nur noch zu einem Negativzins parken können, wenn sie keine andere Verwendung dafür finden. Auch unter solchen Umständen sind Banken weniger auf Kundeneinlagen angewiesen und bieten nur sehr niedrige Zinsen.

Kurze Laufzeiten bei niedrigen Zinsen

In solchen Zeiten ist es ratsam, kein Festgeld mit zu langen Laufzeiten abzuschließen. Sonst können Sie nicht flexibel reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen und es bessere Angebote auf dem Markt gibt. Zwar weiß niemand genau, wann es zu Trendwenden an den Zinsmärkten kommt. Doch länger als drei bis fünf Jahre sollten Sie sich in einer Niedrigzinsphase nicht festlegen.

Eine andere Variante, um Geld nicht zu lange in niedrig verzinsten Anlagen zu binden, ist das sogenannte Treppendepot. Der Trick ist, Festgeld über verschiedene Laufzeiten zu verteilen. Mit diesem System partizipieren Sie schnell an steigenden Zinsen und erzielen mittelfristig einen soliden Durchschnittsertrag. Wie so ein Treppendepot genau funktioniert, lesen Sie XY hier.

So funktioniert Festgeld

Auf einem Festgeldkonto wird Kapital für einen bestimmten Zeitraum zu einem festen Zinssatz angelegt. An solche Konten können Anleger vor Ablauf der Frist nicht heran. Wie bei Tagesgeld bestehen auch bei Festgeld keine Kursrisiken. Der eingezahlte Betrag schwankt nicht während der Anlagedauer und ist im Rahmen der Einlagensicherung garantiert.

Es gibt kurzfristiges Festgeld mit Laufzeiten von 30, 60, 90, 180 oder 360 Tagen. Es ist eine Alternative zu Tagesgeld. Die Rendite ist allerdings im Vergleich zu den besten Tagesgeldkonditionen meist geringer. Dafür ist die Höhe des Zinses festgeschrieben.

Etwas höhere Zinsen bieten Festgelder mit längerer Laufzeit. Möglich sind in der Regel Anlagen zwischen einem und zehn Jahren. Je länger die Anlagedauer, desto höher in der Regel die Zinsen. Die attraktivsten Konditionen bieten wie beim Tagesgeld meistens unbekanntere Direktbanken.

Nicht selten kann ein Festgeldkonto erst ab einer Mindestanlagesumme eröffnet werden, die zwischen 2. 500 und 5 .000 Euro rangiert. Bei kurzfristigen Anlagen werden die Festgeldzinsen am Ende der Laufzeit bezahlt. Bei mehrjährigen Verträgen werden die Erträge jährlich ausgeschüttet und versteuert, falls kein Freistellungsauftrag erteilt wurde oder dieser schon ausgeschöpft ist. Die Zinsen werden anschließend entweder dem Girokonto oder dem Tagesgeldkonto gutgeschrieben oder wieder auf dem Festgeldkonto angelegt. Letzteres ist vorteilhafter, weil Anleger bei diesem Verfahren automatisch vom Zinseszinseffekt profitieren und sich nicht selbst um die Wiederanlage ihres Zinsertrages kümmern müssen.

Einen wichtigen Unterschied gibt es auch zum Ende der Laufzeit. Manche Banken überweisen dann Anlagesumme und Erträge unaufgefordert auf das Girokonto des Kunden. Andere Verträge müssen dagegen vor Ablauf der Frist gekündigt werden. Andernfalls legt die Bank oder die Sparkasse das Geld mit derselben Laufzeit wie zuvor wieder an – zu den dann aktuellen Konditionen. Wer hier vor Überraschungen geschützt sein will, studiert die Modalitäten vor dem Abschluss einer Festgeldanlage.

Hüten sollten sich Anleger vor Kombinationsangeboten. Hier werden Kunden mit hohen Festgeldzinsen gelockt und gleichzeitig zu anderen Anlagen, beispielsweise einem Fondskauf, verpflichtet. Wer solche zusätzlichen Finanzprodukte nicht braucht, sollte sich nicht von hohen Zinsen blenden lassen. Das gilt auch für andere Lockangebote, die an unvorteilhafte Nebenbedingungen geknüpft sind.

© Fairvalue 04.10.2017

Fotografie: Gabriel Gurrola / Unsplash

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