Anlagestrategie

Buy and Hold – Warum Nichtstun an der Börse so erfolgreich ist

Von Markus Neumann

Buy and Hold - Nichtstun lautet das Erfolgsrezept

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Buy and Hold ist eine Strategie, bei der Anleger Kurseinbrüche einfach aussitzen. Dieses Anlagekonzept ist nur mit einer ordentlichen Portion Glück zu schlagen. Wer aber auf halber Strecke die Nerven verliert, hat in der Regel das Nachsehen.

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Diese oft zitierte Börsenweisheit wird dem Investor André Kostolany zugeschrieben. Im Kern beschreibt sie die viel diskutierte Anlagestrategie Buy and Hold. Dabei erwirbt ein Anleger Aktien oder andere Wertpapiere mit dem Ziel, sie langfristig zu halten. Der Versuch, Aktien an Kurstiefpunkten zu kaufen und auf Hochpunkten zu verkaufen, wird bewusst nicht unternommen. Nichtstun, egal, was an den Märkten passiert, lautet das Erfolgsrezept.

Aber ist es wirklich so einfach? Werden Anleger mit dieser Strategie tatsächlich reich, wie Kostolany versprochen haben soll? Seine Beschreibung von Buy and Hold ist jedenfalls ziemlich unbestimmt. Sollen Anleger einfach irgendwelche Aktien kaufen? Und was heißt „nach vielen Jahren“ konkret?

Wer recherchiert, wird feststellen, dass keine einheitliche Definition für Buy and Hold existiert. Der kleinste gemeinsame Nenner ist der Verzicht auf das oben beschriebene Market Timing. Denn das ist ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Anleger, die versuchen Marktschwankungen zu ihrem Vorteil auszunutzen, scheitern in aller Regel. Über Aktienkäufe und -verkäufe entscheiden sie meist aus dem Bauch heraus, beeinflusst von den neuesten Nachrichten und den fragwürdigen Prognosen von Banken und vermeintlichen Börsenexperten.

Buy and Hold schlägt fast alle aktiven Mischfonds

Wie schädlich Market-Timing für die Rendite ist, lässt sich an der Leistung von aktiv gemanagten Mischfonds ablesen. Bei diesen Fonds manövrieren Manager das Vermögen innerhalb bestimmter Grenzen zwischen Aktien und sicheren Anleihen hin und her.

Deutsche Anleger lieben Mischfonds. Sie glauben nur allzu gerne dem Versprechen der Anbieter, dass die Manager je nach Marktlage richtig reagieren und das Portfolio entsprechend ausrichten werden. Bei einem Börsencrash, so der Glaube, werde der Fondsmanager schon rechtzeitig in sichere Anleihen oder Cash umschichten und zu Beginn eines neuen Aufschwungs wieder mehr Aktien kaufen.

Was in der (Werbe)Theorie beruhigend klingt und unsichere Anleger überzeugt, funktioniert in der Praxis offenkundig nicht. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass fast alle Mischfonds in der Vergangenheit deutlich schlechter abschnitten als ein Buy-and-hold-Portfolio, das in allen Marktphasen denselben Anteil an Aktien und Anleihen hielt. Doch nicht nur Fehlentscheidungen beim Market-Timing sorgen bei Mischfonds für unterdurchschnittliche Renditen. Auch die hohen Kosten von bis zu 2 Prozent und mehr pro Jahr drücken die Erträge.

Steuervorteile von Buy and Hold

Hohe Kosten belasten auch Privatanleger, die ihr Depot in Eigenregie verwalten und häufig umschichten. Banken, Börsenplätze und -händler kassieren bei jeder Transaktion mit – ein nicht zu unterschätzender Faktor, selbst wenn das Depot bei der Onvista Bank* oder Flatex* geführt wird, den günstigsten von Fairvalue empfohlenen Online-Brokern.

Noch schwerer wiegen allerdings auf lange Sicht steuerliche Nachteile. Wer Aktien verkauft, die in der Vergangenheit Kursgewinne erzielten, zahlt auf die Erträge Abgeltungsteuer. Dadurch verringert sich der Geldbetrag, den ein Anleger später wieder in den Aktienmarkt investieren kann.

Auf  Dauer führt häufiges Kaufen und Verkaufen allein schon wegen der steuerlichen Nachteile zu niedrigeren Renditen im Vergleich zu Buy and Hold. Im Gegensatz zu aktiven Anlegern profitieren Buy-and-hold-Investoren von einer Steuerstundung.

Buy and Hold: An den besten Handelstagen immer investiert

Letztlich sind es aber vor allem verpasste Gewinne, die bei gescheiterten Market-Timing-Versuchen die Rendite drücken. An den internationalen Börsen werden die großen Gewinne, welche die langfristigen Durchschnittsrenditen nach oben ziehen, an nur wenigen Tagen erzielt. Ist ein Anleger zu diesen Zeitpunkten nicht investiert, fällt seine Rendite erheblich niedriger aus. Oft treten diese Supertage kurz nach einem Kurzsturz auf, wenn der Markt dreht. Also dann, wenn viele Anleger gerade verkauft haben. Wie groß die Wirkung einzelner Börsentage auf das gesamte Anlageergebnis sein kann, zeigt die folgende Grafik.

Jährliche Durchschnittsrenditen des MSCI Europe bei ... verpassten Handelstagen

Quelle: J.P. Morgan (Stand: September 2018).

Kritiker argumentieren, dass es viel vorteilhafter wäre, die Tage mit den höchsten Kursverlusten an den Börsen zu vermeiden. Wer beispielsweise an den zehn schlechtesten Handelstagen nicht in amerikanische Aktien investiert gewesen wäre, hätte zwischen 1998 und 2018 eine etwa doppelt so hohe Rendite erzielt wie ein Buy-and-hold-Investor.

Das klingt verlockend, bleibt aber graue Theorie, weil sich die schlimmsten Verlusttage nicht im Vorfeld identifizierbar sind. Die einzige Möglichkeit, um diese Kursstürze mit Sicherheit zu vermeiden, besteht darin, dauerhaft nicht in Aktien zu investieren und stattdessen Cash zu halten. Die jährliche Rendite nach Abzug der Inflation wäre negativ, während Buy and Hold mit einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf den Weltaktienmarkt in der Vergangenheit im Schnitt mit einem realen Vermögenszuwachs von rund 5 Prozent im Jahr belohnt wurde.

Buy and Hold versus Trendfolgestrategien

Andere Kritiker wie der US-amerikanische Vermögensverwalter Mebane Faber führen ins Feld, dass die besten und die schlechtesten Handelstage meistens auftreten, nachdem die Börsen bereits gefallen sind. Wenn Anleger Kursstürze systematisch meiden, wären sie meist sowohl an den besten als auch an den schlechtesten Handelstagen nicht investiert. Unter dem Strich führe das zu einer höheren Rendite im Vergleich zu Buy and Hold.

Tatsächlich können Anleger, die diszipliniert bestimmte Handelsstrategien verfolgen, etwa eine Trendfolgestrategie auf Basis gleitender Durchschnitte, größere Kursstürze systematisch umschiffen. Im Aufschwung schneiden diese Strategien aber deutlich schlechter ab als Buy and Hold. Es hängt also von der künftigen Börsenentwicklung ab, ob eine Trendfolgestrategie erfolgreicher sein wird als Buy and Hold. Bleiben größere Börsencrashs während der Anlagedauer aus, hat eine Trendfolgestrategie keine Chance gegen Buy and Hold. Alle Details lesen Sie in dem Beitrag Trendfolgestrategien mit ETF.

Buy and Hold mit einzelnen Aktien

„Kaufen Sie Aktien“, rät Kostolany. Die Frage ist bloß, welche? Ist es egal, welche Aktien Anleger kaufen? Müssen sie die Papiere nur lange genug geduldig halten, um schließlich mit stattlichen Gewinnen für ihre Ausdauer belohnt zu werden? Die Finanzmarktforschung zeigt: So ist es leider nicht.

Der US-amerikanische Finanzprofessor Hendrik Bessembinder von der Arizona State University hat die Wertentwicklung von knapp 26.000 Aktien untersucht, die zwischen 1926 und 2016 an amerikanischen Börsen gelistet waren. Die Ergebnisse sind wenig ermutigend für Anleger, die mit den Aktien von wenigen Unternehmen eine Buy-and-hold-Strategie verfolgen wollen:

  • Im Durchschnitt waren die Aktien lediglich siebeneinhalb Jahre an der Börse notiert.
  • Weniger als die Hälfte der Aktien lieferte während ihrer Lebensdauer eine positive Rendite inklusive Dividenden
  • Lediglich 42,6 Prozent der Aktien warfen Erträge ab, die höher waren als die von US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von einem Monat.
  • Das wahrscheinlichste Anlageergebnis mit einer Aktie war der Totalverlust des investierten Kapitals
  • Nur 4 Prozent aller börsengelisteten Unternehmen erwirtschafteten den gesamten Vermögenszuwachs oberhalb der Rendite von US-Staatsanleihen mit einem Monat Restlaufzeit.
  • Die anderen 96 Prozent der Aktien erzielten zusammen eine Rendite in Höhe von US-Staatsanleihen mit einem Monat Restlaufzeit.
  • Simulationen zeigen, dass nur 4 Prozent der Aktien eine höhere Rendite abwarfen als der nach Marktkapitalisierung gewichteten Gesamtmarkt

Anders formuliert: Nur wenige Überflieger ziehen den Gesamtmarkt nach oben, während die überwältigende Mehrheit der Aktien als Schrott bezeichnet werden muss. Wer also mit 30 bis 50 Aktien ein konzentriertes Portfolio zusammenstellen will, muss die Titel sorgfältig auswählen und geht das Risiko ein, schlechter als der Gesamtmarkt abzuschneiden.

Aktien werden nur gehalten solange sie die fundamentalen Auswahlkriterien erfüllen

Viele erfahrene Investoren wählen Aktien systematisch nach festgelegten Strategien aus, die auf fundamentalen Kriterien wie der Bewertung, dem Verschuldungsgrad und dem Gewinnwachstum fußen. Der wohl bekannteste „Stockpicker“ ist der Amerikaner Warren Buffet, der als radikaler Buy-and-hold-Investor gilt und seit mehreren Jahrzehnten weltweit zu den erfolgreichsten Anlegern zählt.

Buffett kauft Aktien, denen er langfristig eine überdurchschnittliche Entwicklung zutraut  und hält sie möglichst lange. Doch selbst Investoren mit einem goldenen Händchen wie Buffet greifen hin und wieder daneben. Unternehmen, deren Zukunftsaussichten die Erwartungen nicht mehr erfüllen, stößt er wieder ab.

Buy and Hold mit einzelnen Aktien bedeutet demnach nicht, irgendwelche Papiere zu kaufen und sie bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu halten. Vielmehr sind eine sorgfältige Auswahl und eine regelmäßige Beobachtung der Unternehmen notwendig. Aktien, welche die Auswahlkriterien nicht mehr erfüllen, werden verkauft und durch andere Titel ersetzt.

Insgesamt ist Buy and Hold mit einzelnen Aktien eine riskante Strategie, die sich nur für erfahrene Anleger eignet, die auch bereit sind, relativ viel Zeit in ihr Portfolio zu stecken. Die Gefahr, keine Superaktien im Portfolio zu halten und unterdurchschnittlich abzuschneiden, ist hoch.

Buy and Hold mit ETF

Da es kein sicheres Verfahren gibt, mit dem sich die wenigen künftig überdurchschnittlichen Aktien identifizieren lassen, ist es naheliegend, einfach den gesamten Markt zu kaufen. Mit Indexfonds und börsengehandelten Indexfonds (ETF) ist das heutzutage für jeden Privatanleger mit ein paar Mausklicks über eine Onlinebank umsetzbar.

Viele unabhängige Finanzberater, die auf Honorarbasis arbeiten, raten ihren Kunden zu Buy and Hold mit Aktien-ETF. Ihr wichtigstes Argument: Seit mehr als 100 Jahren sind Aktien im Schnitt die renditestärkste Anlageklasse. Trotz aller Kriege, Katastrophen und Krisen, die bisweilen zu schweren Börsencrashs führten, erklomm der Weltaktienmarkt immer wieder neue Hochs. Das sei der „härteste denkbare Stresstest“ für Aktien gewesen, argumentiert etwa der Honorarberater und Buchautor Gerd Kommer.

Ein durchgehend investiertes, international diversifiziertes Aktienportfolio brachte zwischen 1900 und 2017 eine reale Durchschnittsrendite von gut 5 Prozent pro Jahr auf US-Dollar-Basis. Anleihen warfen dagegen nur 1,8 Prozent jährlich ab, berechnete die Finanzmarktforscher Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton. Das seien keine Schönwetterdaten aus selektiv ausgewählten Zeitfenstern, so Kommer, sondern sie enthielten alle negativen Einflüsse auf die Aktienbörsen.

Private Investoren legen nicht 100 Jahre an

Daran lässt sich nicht rütteln. Doch die reale Lebenswelt eines durchschnittlichen Privatanlegers kommt bei dieser Argumentation zu kurz. So gut wie niemand hat einen Anlagehorizont von 100 Jahren oder mehr. Den meisten Menschen erscheint ihr typischer Anlagehorizont von 30 bis 35 Jahren schon unvorstellbar lang. Über Zeiträume von 15 bis 30 Jahren gibt es in der Börsengeschichte aber durchaus Phasen, in denen nicht Aktien, sondern Anleihen das bessere Investment waren. Der Finanzmarktforscher und Wirtschaftsnobelpreisträger Robert J. Shiller schreibt in seinem Buch „Irrationaler Überschwang“, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass Aktien künftig immer eine bessere Rendite liefern werden als andere Anlageklassen.

Buy-and-hold-Anleger mussten in der Vergangenheit zum Teil sehr lange warten, bis sich ihr Aktienportfolio wieder von schweren Verlusten erholt hatte. Die längste dieser Durststrecken betrug für ein global diversifiziertes Aktienportfolio 22 Jahre, nämlich von 1910 bis 1930. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 dauerte es mehr als ein Jahrzehnt bis das Minus von 54 Prozent wieder wettgemacht war. In dieser Zeit waren Anleihen die deutlich bessere Geldanlage. Am Aktienmarkt, so Shiller, gebe es keine Garantie für eine gute Entwicklung.

Welche anderen Gefahren birgt eine Buy-and-hold-Strategie?

Trotz der skizzierten Unwägbarkeiten bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Investoren mit einem internationalen Aktienportfolio auch in Zukunft auf lange Sicht positive Renditen erzielen werden. Allerdings haben viele deutsche Anleger ihre Risiken schlecht verteilt. Sie setzen Untersuchungen zufolge viel zu stark auf heimische Werte. Die Konzentration auf einen einzelnen Ländermarkt kann sich aber gerade nach einem Börsencrash übel rächen wie etwa das Beispiel Japan zeigt.

Geht man weiter in der Geschichte zurück, tun sich noch größere Abgründe auf. Beispielsweise warfen französische Aktien zwischen 1929 und 1982 keine reale Rendite ab. Anleger mussten sich 54 Jahre in Geduld üben, bis ihre Verluste nach dem Börsenkrach von 1929 wieder ausgeglichen waren.

Noch höher wird das Risiko bei einzelnen Aktien. Es gibt Anleger, die nur wenige Titel im Depot haben. Bei einer sehr geringen Zahl von Einzelwerten ist aber ein Totalverlust nicht ausgeschlossen – ebenso wenig wie hohe dauerhafte Verluste (siehe oben). Für letzteres ist die Deutsche Telekom ein Beispiel, die Lieblingsaktie vieler Anleger in den 1990er-Jahren. Wer in der Mitte oder gar zum Ende des damaligen Börsenaufschwungs in die ehemals staatliche Telefongesellschaft investierte, sitzt bis heute auf gewaltigen Verlusten.

Anleger sollten deshalb zumindest in einen ETF investieren, der einen Weltaktienindex wie den MSCI World abbildet.

Viele Anleger sind für Buy and Hold nicht cool genug

Die vielleicht größte Gefahr bei einer Buy-and-hold-Strategie ist aber der Anleger selbst. Verliert er im Börsencrash die Nerven, weil er seine Risikotragfähigkeit falsch eingeschätzt hat, kann es zu hohen Verlusten kommen. Kritiker bezweifeln, dass die Mehrheit der Anleger mental in der Lage ist, Buy and Hold durchzuziehen. Wackelkandidaten sind vor allem Menschen, die sich vor ihrer Anlageentscheidung nicht ausreichend über die Eigenschaften und Risiken von Aktien informiert haben.

Bei einer Anlage in ein gut diversifiziertes Portfolio, das zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus sicheren Anleihen besteht, müssen Investoren mit einem Verlust von 25 bis 30 Prozent rechnen, falls sich die Kurse am Weltaktienmarkt bei einem Börsencrash halbieren. Wer solche Rückschläge nicht wegstecken kann, für den ist Buy and Hold die falsche Strategie.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die langfristige Finanzplanung insgesamt.  Falls ein Anleger im Abschwung verkaufen muss, weil er dringend Geld benötigt, kann ein langfristiges Anlagekonzept nicht aufgehen. In eine Buy-and-hold-Strategie mit Aktien sollten Anleger deshalb nur Geld investieren, das sie mit Sicherheit in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht brauchen.

Soviel Weitblick setzt eine gewisse Lebenserfahrung voraus und ein Bankkonto, auf dem sich bereits genügend Kapital angesammelt hat, um neben dem Wertpapier-Investment auch eine Barreserve vorhalten zu können. Sie muss so hoch sein, dass daraus auch unvorhergesehene Zahlungen wegen geänderter Lebensumstände bestritten werden können.

Mit welcher Liquiditätsreserve sich Anleger wohlfühlen, ist individuell und hängt vom Lebensstandard ab. Die immer wieder unreflektiert zitierte Regel, drei Monatsgehälter seien ausreichend, ist aus der Luft gegriffen.

Buy and Hold mit einem ETF-Portfolio

Die Gefahren heftiger Kursstürze und lang anhaltender Durststrecken lassen sich deutlich dämpfen, wenn Anleger den riskanten Aktienanteil ihres Portfolios mit anderen riskanten Anlageklassen wie Schwellenländeranleihen, High-Yield-Bonds und Gold diversifizieren. Das zeigen Untersuchungen von Fairvalue. Mit einer Mischung aus sieben riskanten Anlageklassen ließen sich die Kurstürze am Weltaktienmarkt gemessen am MSCI World Index um fast die Hälfte reduzieren. Gleichzeitig war die Rendite deutlich höher. Wie Sie ein fast unschlagbares Buy-and-hold-Portfolio aus ETF konstruieren, lesen Sie in unserem Beitrag ETF-Portfolio.

Wann Anleger eine Buy-and-hold-Strategie aufgeben sollten

Keine Regel, ohne Ausnahmen. Anleger sollten zwar konsequent einer Strategie folgen, aber dabei den gesunden Menschenverstand und ihre Intuition nicht an der Garderobe abgeben.

Die Ergebnisse jahrzehntelanger Finanzmarktforschung legen nahe, dass Buy and Hold mit ETF insbesondere für Privatanleger trotz aller Risiken am vielversprechendsten ist. Versuche, Marktschwankungen mit Market-Timing-Strategien zu dämpfen, kosten meist Rendite.

Dennoch gibt es Marktphasen, in denen es fahrlässig wäre, die Augen vor den Daten zu verschließen und stoisch an einer Buy-and-hold-Strategie festzuhalten. Das Ende der 1990er-Jahre war so eine Periode. Jeder einigermaßen erfahrene Anleger konnte erkennen, dass die Aktienmärkte rund um dem Globus hoffnungslos überbewertet waren, beispielsweise gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Intuition kann ein guter Ratgeber sein

Das allein ist zwar noch kein sicheres Indiz für einen Börsencrash. Doch wer sich die Mühe machte und einmal einige Websites der astronomisch bewerteten Internetunternehmen besuchte, musste kein Genie sein, um zu begreifen, dass damals Luftschlösser zu astronomischen Preisen gehandelt wurden. Wem seine Intuition signalisierte, dass hier etwas zum Himmel stank und aus dem Aktienmarkt ausstieg, lag goldrichtig.

Die Finanzkrise 2008 und die daraus resultierende Eurokrise waren dagegen für Privatanleger im Vorfeld kaum zu erkennen. Nach dem heutigen Erkenntnisstand hatten weltweit nur wenige Insider eine Vorstellung davon, auf welche Katastrophe die globalen Finanzmärkte zusteuerten. Für jedermann sichtbar war aber die Weltuntergangsstimmung, die nach der Pleite der Investmentbank im Frühjahr 2009 herrschte. Dieser grenzenlose Pessimismus war der Startschuss für einen fulminanten Aufschwung.

Der Honorarberater und Buchautor Gerd Kommer schreibt: „Mir ist niemand bekannt, der im Frühjahr 2009 diesen Aufschwung korrekt prognostizierte.“ Hätte der Berater einen Blick in die von ihm geschmähten Anlegermagazine geworfen, wäre auch ihm bekannt geworden, dass eine ganze Reihe von Vermögensverwaltern und selbst das in der Regel übervorsichtige Verbrauchermagazin Finanztest damals zum Einstieg in Aktien geraten hatten. Dieser Ratschlag basierte nicht auf Prognosen, sondern auf Intuition. Die Stimmung am Markt war einfach so schlecht, dass sie kaum noch schlechter werden konnte und Aktien waren gemessen am Shiller-KGV vergleichsweise günstig.

Es geht nicht darum zu versuchen, mit Kaffeesatzleserei die kleineren und größeren Kursschwankungen am Aktienmarkt zu umgehen. Das ist weitgehend aussichtslos. Ein wachsamer Blick auf die Bewertungen und die eigene Intuition kann aber helfen, den einen oder anderen großen Wendepunkt im Markt zu erkennen. Und dann sollten auch Buy-and-hold-Anleger ihrem Bauchgefühl folgen und ihr Portfolio umschichten – auch auf die Gefahr hin, daneben zu liegen. Die Kunst besteht darin, das tägliche Markt- und Krisengeschwätz auszublenden, aber in den sehr seltenen wichtigen Momenten hellwach zu sein.

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© Fairvalue 03.09.2019

Fotografie: Toa Heftiba / Unsplash

Quellen

Hendrik Bessembinder: Do Stocks Outperform Treasury Bills?, November 2017 .

Hendrik Bessembinder: Do Global Stocks Outperform US Treasury Bills?, Juli 2019.

Meb Faber: Where the Black Swans Hide & the 10 Best Days Myth, August 2011.

Fairvalue: Trendfolgestrategie mit ETF: Ohne Crash, weniger Cash, August 2019.

Fairvalue: Wie Sie ein fast unschlagbares ETF-Portfolio zusammenstellen, April 2019.

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