Digitale Vermögensverwaltung

Robo-Advisor sind auch nur Menschen

Von Markus Neumann*

Robo-Advisor sind auch nur Menschen

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Neue digitale Vermögensverwaltungen, sogenannte Robo-Advisor, bieten im Internet standardisierte Anlageportfolios an. Der Verzicht auf menschliche Berater soll Kosten senken. Dennoch haben die Angebote ihren Preis. Sie eignen sich für Anleger, die sich nicht selbst mit dem Thema Geldanlage beschäftigen wollen.

Als in den 1950er-Jahren die ersten Fertiggerichte entwickelt wurden, revolutionierten sie die Essgewohnheiten von US-Amerikanern und Europäern. Vollständige Mahlzeiten, die vor dem Verzehr nur noch erwärmt werden mussten, avancierten zum Verkaufsschlager. Schnell, einfach und mit Liebe gemacht, lautete die Werbeformel, die Hausfrauen in Scharen zugreifen ließ.

Heute, 60 Jahre später, drängt ein neues Fertigprodukt auf den Markt, das die Hersteller mit ähnlichen Argumenten anpreisen. Dieses Mal geht es um Fertig-Portfolios, um Geldanlagedepots, die bereits alle nötigen Zutaten enthalten: Aktien, Anleihen und manchmal auch Rohstoffe. Solche Fertig-Portfolios bieten neue, digitale Vermögensverwaltungen im Internet an. Anleger können mit nur wenigen Klicks investieren. „Einfach, clever, günstig“, jubelt beispielsweise der Anbieter Fintego.

Zielgruppe ist die Generation Smartphone im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die keine Lust verspürt, sich von gierigen Filialbankberatern das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen, aber gleichzeitig wenig Interesse zeigt, sich in Eigenregie mit dem Thema Geldanlage zu befassen.

Auch bei Robo-Advisorn treffen Menschen die Entscheidungen

Die Fertig-Portfolios stammen nicht aus den Großküchen der Finanzindustrie. Vielmehr sind es vor allem Internet-Startups, welche die Anlageberatung von Filialbanken in einen automatisierten Vertriebsprozess im World Wide Web übersetzten wollen. In der Finanzbranche werden diese Unternehmen „Robo-Advisor“ genannt, Anlageberatung vom Roboter.

Das klingt nach intelligenten Maschinen, die ausgefeilte Geldanlagestrategien zaubern wie Sterneköche Fünf-Gänge-Menüs, individuell zugeschnitten auf den jeweiligen Kunden. Doch davon sind die Anlage-Algorithmen meilenweit entfernt. Statt Sterneküche steht Kantinenessen auf dem Speiseplan. In der Regel bieten die Robo-Advisor eine Anlagestrategie an, die in verschiedenen Risikoklassen zu haben ist. Je sicherheitsorientierter ein Kunde ist, desto höher ist der Anteil sicherer Anleihen im Portfolio.

Die Anlagestrategien haben nicht Maschinen entwickelt, wie viele Medienberichte fälschlicherweise suggerieren, sondern wurden von Menschen konzipiert. In vielen Fällen sind es auch Menschen, die die Kundenportfolios der Robo-Advisor steuern. Bei einigen Anbietern übernehmen Algorithmen einfache, mechanische Aufgaben wie das sogenannte Rebalancing der ursprünglich vom Kunden gewählten Vermögensaufteilung zwischen sicheren und riskanten Anlagen (siehe unten). Doch vor allem bei den Robo-Advisorn, die aktives Portfoliomanagement betreiben, sind es meist Menschen, die entscheiden, welche Anlagen gekauft und verkauft werden.

Kunden haben grundsätzlich die Wahl zwischen digitalen Vermögensverwaltern, die Kundendepots aktiv verwalten, und solchen, die passive Buy-and-hold-Strategien anbieten. Letzteres bedeutet, dass ein einmal zusammengestelltes Portfolio nicht mehr verändert wird, abgesehen vom Rebalancing. Bei aktiv gemanagten Portfolios schichten die Verwalter dagegen entsprechend der Marktlage und der verfolgten Anlagestrategie immer wieder um – mit dem Ziel, besser abzuschneiden im Vergleich zum Marktdurchschnitt.

Viele Robo-Advisor setzen auf börsengehandelte Indexfonds

Wer über einen Robo-Advisor Geld anlegen will, muss zunächst online eine Reihe von Fragen zur persönlichen Risikoneigung und den finanziellen Verhältnissen beantworten. Aus den Antworten ermitteln die Roboterberater das passende Portfolio – ein Prozess, der sich von der gängigen Praxis in Filialbanken kaum unterscheidet. Auch Fertig-Portfolios bieten manche, etwa die Commerzbank, schon seit Jahren in persönlichen Beratungsgesprächen an. So gesehen ist das Angebot der Robo-Advisor nichts Neues.

Anders sind in den meisten Fällen aber die Zutaten, aus denen die neuen Online-Vermögensverwalter ihre Portfolios zusammenmischen. Sie verwenden vor allem börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETF. Diese bilden die Wertentwicklung von Aktien- und Rentenindizes nach. Deswegen brauchen sie keine aktiven Manager, sind relativ transparent und vor allem günstig.

Einige Robo-Advisor setzen auch Fonds des amerikanischen Vermögensverwalters Dimensional ein. Zwar werden sie aktiv verwaltet, doch die Manager müssen sich sehr genau an vorgegebene Anlagerezepte halten, die sich wiederum an Aktien- und Anleihenindizes orientieren. Raum für überraschende Fehlentscheidungen bleibt da kaum. Zudem liegen die Kosten der Dimensional-Fonds deutlich unter denen, die aktiv gemanagte Fonds üblicherweise verlangen. Allerdings sind sie etwas teurer als klassische ETF.

Die Fertig-Portfolios bestehen meist aus drei bis 15 ETF beziehungsweise Dimensional-Fonds. Die Kundendepots werden regelmäßig auf ihre Ursprungsgewichtung zurückgesetzt. Sehr gut gelaufene Anlagen mit einem nun höheren Portfolio-Anteil werden reduziert und dafür Anteile von Fonds gekauft, deren Gewichtung gesunken ist. Dieses sogenannte Rebalancing soll dafür sorgen, dass der Anteil riskanter Anlagen über die Zeit weitgehend konstant bleibt und dem Risikoprofil des Kunden entspricht.

In stark schwankenden Märkten kann sich das Rebalancing positiv auf die Wertentwicklung des Portfolios auswirken. Das war beispielsweise zwischen 1999 und 2018 der Fall. In diesen 20 Jahren gab es vier Börsencrashs. Wer in diesem Zeitraum jährlich sein Portfolio rebalancierte, kaufte in den Krisen günstig Aktien dazu. Das führte unter dem Strich zu höheren Renditen im Vergleich zu gemischten Portfolios, bei denen auf Rebalancing verzichtet wurde. Bei lang anhaltenden Aufwärtstrends an den internationalen Aktienmärkten senkt Rebalancing aber die Renditen, weil die Aktienquote immer wieder reduziert wird.

Rebalancing ist keine Strategie zur Renditeoptimierung, sondern Teil des Risikomanagements in der Vermögensverwaltung.

Robo-Advisor sind in der Regel billiger als klassische Mischfonds

Die Mehrheit der Robo-Advisor bietet relativ transparente Produkte und ist zumindest bemüht, Anleger ohne Kapitalmarkterfahrung ausreichend zu informieren, ohne sie zu überfordern. Zwar stehen die Verkaufsargumente auf den Unternehmens-Websites im Vordergrund und manchem mögen die Risikohinweise zu klein geraten sein. Doch im Großen und Ganzen sind die wichtigsten Informationen, die potenzielle Kunden für eine Anlageentscheidung benötigen, auf den Websites zugänglich. Das unterscheidet die jungen Vermögensverwalter von den Banken und Fondsgesellschaften, die ihre Finanzprodukte nach wie vor bevorzugt so beschreiben, dass möglichst keiner versteht, worum es eigentlich geht.

Die Kosten der Robo-Advisor sind sehr unterschiedlich. Laut der Zeitschrift Finanztest reichen sie von jährlich 0,62 Prozent der Anlagesumme bis zu 1,87 Prozent (siehe Tabelle) bei einem Wert des Portfolios von 51.000 Euro. In der Regel gilt: Je höher die Anlagesumme, desto geringer die prozentualen Kosten pro Jahr. Die meisten Angebote kosten weniger als klassische Mischfonds oder die standardisierten Vermögensverwaltungen, die Filialbanken anbieten.

Jährliche Kosten für ein Portfolio in Höhe von 51.000 Euro in Prozent der Anlagesumme

Quelle: Finanztest, August 2018.

Auf lange Sicht sind die Verwaltungskosten ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Geldanlage. Je höher sie sind, desto geringer fällt oft nach vielen Jahren die durchschnittliche Rendite aus. Anleger sollten deswegen Robo-Advisor mit niedrigen Kosten bevorzugen, solange sie nicht felsenfest von der Strategie und dem Service eines teureren Anbieters überzeugt sind. Wer keine oder nur sehr wenig Erfahrung  mit Wertpapieren hat, hält sich am besten an Verwalter, die eine global diversifizierte passive Buy-and-hold-Strategie zu einem möglichst niedrigen Preis anbieten.

Robo-Advisor sind ihren Leistungsnachweis noch schuldig

Viele Robo-Advisor proklamieren, dass ihre Fertig-Portfolios auf neuesten „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ der Finanzmarktforschung fußen. Quirion prahlt gar mit einem „nobelpreisgekrönten Portfolio“ und beruft sich dabei auf den Kapitalmarktforscher Eugene Fama, der 2013 den Wirtschaftsnobelpreis zusammen mit Lars Peter Hansen und Robert Shiller erhielt. Quirion verspricht eine „intelligente Anlage mit deutlichen Renditevorteilen“. Scalable Capital bezeichnet sich als „die Vermögensverwaltung der Zukunft“, die „modernstes Risikomanagement zu niedrigen Kosten“ biete. Und der Anbieter Whitebox lockt seine Kunden mit dem Claim: „Überlegen investieren“.

Ob die Zunft der Robo-Advisor tatsächlich überlegen ist, muss sich allerdings erst noch zeigen. Die meisten von ihnen sind erst seit kurzer Zeit auf dem Markt, sodass ein Renditevergleich nicht aussagekräftig ist. Zwischen 2015 und 2018 dürften jedenfalls  alle Robo-Advisor hinter einem Vergleichsportfolio aus dem Weltaktienindex MSCI World und einem Index auf europäische Staatsanleihen zurückgeblieben sein. Denn in diesem Zeitraum lieferten US-Aktien, die im MSCI World sehr hoch gewichtet sind, die mit Abstand höchsten Renditen.

In den Portfolios der meisten Robo-Advisor ist der Anteil an US-Aktien niedriger. Schließlich müssen die Vermögensverwalter ihren Kunden etwas anderes bieten als ein einfacher nach Marktkapitalisierung gewichteter Aktienindex, ansonsten hätten sie keine Existenzberechtigung. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Portfolios der Robo-Advisor hinterherhinken, wenn nur der amerikanische Aktienmarkt läuft und die meisten anderen Länderbörsen im Strudel von handels- und geldpolitischen Ränkespiele versinken.

Allerdings hielt kein Trend in der Vergangenheit ewig. Die diversifizierten Anlagestrategien der Robo-Advisor werden Aufwind bekommen, wenn der Renditemaschine USA der Saft ausgeht und die zurückgebliebenen europäischen Börsen und Schwellenländermärkte ihren Rückstand aufzuholen beginnen.

Wie etwa von 2003 bis 2007. Rohstoffe und Schwellenländeraktien erzielten in dieser Periode sehr hohe Gewinne. Auch Anteilsscheine an europäische Unternehmen schlugen sich gut. Amerikanische Aktien liefen dagegen nur mittelprächtig.

Scalable Capital mit umstrittener Portfoliostrategie

Auch wenn es für einen quantitativen Leistungsvergleich noch zu früh ist, fiel zwischen Anfang 2016 und Ende 2018 eines aber jetzt schon auf: Ausgerechnet Scalable Capital, Marktführer gemessen am verwalteten Vermögen und selbsternannter King des Risikomanagements, lieferte besonders schlechte Renditen ab, die weit hinter dem oben beschriebenen Vergleichsportfolio aus zwei ETF zurückblieben. Das geht aus Daten des Internetportals „Brokervergleich.de“ hervor.

Verschiedene Fachleute hatten in der Vergangenheit Kritik an der Portfoliomanagementstrategie der Münchner geübt – offenbar nicht zu Unrecht. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Scalable Capital eine quantitative Strategie entdeckt hat, die langfristig höhere Renditen in Relation zum eingegangenen Risiko liefert als der Marktdurchschnitt. Wäre das der Fall, würde das Unternehmen nicht um die Spargroschen von Kleinanlegern buhlen, sondern bei institutionellen Anlegern in kurzer Zeit viele Milliarden Euro akquirieren, die sich mit einer viel höheren Gewinnspanne verwalten ließen als im sehr mühsamen Privatkundengeschäft.

Fairvalue-Empfehlungen

Ob und wann die Moden an den internationalen Finanzmärkten wieder wechseln und wie sich die Portfolios der Robo-Advisor entwickeln werden, kann natürlich niemand mit Sicherheit voraussagen. Für die künftigen Renditen von Anleihen lassen sich aber Modellrechnungen erstellen, die ohne unsichere Prognosen auskommen. Und diese Analysen verheißen nichts Gutes: Danach ist in den kommenden Jahren wegen der sehr niedrigen Zinsen mit sicheren Staatsanleihen kaum Geld zu verdienen, unabhängig davon, ob die Zinsen steigen oder fallen werden.

Deshalb raten wir derzeit von Finanzprodukten ab, die einen hohen Anteil Anleihen enthalten. Dazu zählen Rentenfonds und Mischfonds. Erst wenn die effektiven Renditen von Staatsanleihen im Durchschnitt wieder über denen von Festgeld liegen, werden diese Papiere unserer Ansicht nach wieder interessant.

Da die meisten Portfolios der Robo-Advisor je nach Risikogruppe einen Anleihenanteil von 30 bis 80 Prozent enthalten, erscheinen auch sie derzeit nicht sonderlich attraktiv. Wer sich aber nicht selbst mit der Zusammenstellung eines Depots aus Tagesgeld, Festgeld und Aktien-ETF befassen möchte, kann die Angebote der digitalen Vermögensverwalter in Erwägung ziehen. Anleger können Staatsanleihen links liegen lassen, indem sie einen Teil ihres Vermögens entsprechend ihrer Risiskoneigung als Tages- und Festgeld halten und bei einem Robo-Advisor ein Portfolio wählen, das ausschließlich aus Aktien, Aktienfonds oder Aktien-ETF besteht.

Die meisten Robo-Advisor-Tests können Sie getrost vergessen

Viele Menschen orientieren sich bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen an Tests. Auch zu Robo-Advisorn gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Verlautbarungen, die für sich proklamieren, Tests zu sein. Zwar existiert keine rechtsverbindliche Definition, die festlegt, welche Qualitätskriterien eine Untersuchung von Produkten und Dienstleistungen erfüllen muss, damit sie sich werbewirksam „Test“ nennen darf. Doch die meisten Verbraucher werden von Testern erwarten, dass sie auf der Grundlage von objektiven und geeigneten Maßstäben Vergleiche ziehen und ihr Vorgehen für jedermann nachvollziehbar darlegen und begründen.

Fast alle Tests von Robo-Advisorn erfüllen diese Anforderungen nicht. Besonders die vielen Vergleichsportale nehmen es nicht so genau. Sie versuchen die naive Testgläubigkeit der Deutschen, die in Finanzfragen oft vollkommen orientierungslos sind, gezielt auszubeuten.

Die meisten dieser Portale besitzen weder die Kompetenz noch das Personal, um echte Test durchzuführen. Stattdessen versuchen sie, mit ein paar Grafiken und Texten die Illusion eines Tests zu schaffen. Das Geschäftsmodell besteht darin, möglichst viele Menschen dazu zu animieren, auf die Links zu klicken, die zu den Websites der Robo-Advisor führen.

Bei jedem Klick klingelt die Kasse

Jeden Klick und jeden Vertragsabschluss belohnen die Vermögensverwalter mit üppigen Vergütungen. Oftmals haben sie praktischerweise auch die Texte geliefert oder zumindest überarbeitet, die die vorgeblichen Vergleichsportale über sie veröffentlichen. Dass es unter solchen Umständen an kritischen Worten mangelt, versteht sich von selbst. Den Betreibern der Vergleichsseiten geht es einzig und alleine darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Robo-Advisor in ein positives Licht gerückt werden. Das erhöht deren Zahlungsbereitschaft bei weiteren Werbekooperationen und auch die Nutzer wollen sich ja nur zu Anbietern weiterleiten lassen, die gut beurteilt wurden. Diesen Bedürfnissen trägt eine Vergleichswebsite besonders gut Rechnung: Dort wurden 20 Robo-Advisor „getestet“. Jeder Anbieter erhielt entweder die Note „sehr gut“ oder „gut“.

Dass die Vergleichsportale für die Klicks auf die sogenannten Affiliate-Links von den Robo-Advisorn Geld bekommen, verschweigen viele. Damit operieren sie in einer rechtlichen Grauzone, die der Gesetzgeber noch regeln muss. Seriöse Portale weisen ihre Nutzer darauf hin, dass sie für die Klicks auf die Anbieter-Links Geld erhalten. Ob dies einen Interessenkonflikt darstellt, der möglicherweise Einfluss auf die „Testergebnisse“ hatte, kann dann jeder Leser selbst entscheiden.

Dubios sind auch manche Untersuchungen etablierter Verlage. Bisweilen strotzen sie vor Ungereimtheiten und falschen Tatsachenbehauptungen. Die beiden einzigen soliden Anbieter von Finanzprodukttests, die diese Bezeichnung verdienen, bleiben nach Ansicht von Fairvalue die Stiftung Warentest / Finanztest und die Verbraucherzeitschrift Öko-Test. Beide haben Robo-Advidor 2018 unter die Lupe genommen – und kamen zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Der Testsieger bei Öko-Test landete wenige Monate später bei Finanztest auf dem letzten Platz.

Unterschiedliche Testkriterien, unterschiedliche Ergebnisse

Derartig krasse Diskrepanzen resultieren aus unterschiedlichen Testkriterien. Dass zwei grundsätzlich seriöse Untersuchungen aber soweit auseinanderfallen, zeigt, wie schwierig es ist, Robo-Advisor vernünftig zu vergleichen. Es mangelt an objektiven Maßstäben, die quantitativ messbar sind. Selbst die Kosten sind kein unangreifbares Kriterium, weil eigentlich auch die Leistung mit berücksichtigt werden muss, die für das Honorar geboten wird.

Selbst bei fundiert erscheinenden Untersuchungen können die Ergebnisse über Änderungen der Testkriterien oder deren Gewichtungen so beeinflusst werden, dass nahezu jedes gewünschte Ergebnis möglich ist.

Auch Tests von seriösen Anbietern sollten deswegen nur eine erste Orientierung sein. Welcher Robo-Advisor zu welchem Anleger passt, ist letztlich auch eine Frage der persönlichen Präferenzen. Die beste Entscheidungsgrundlage bleiben der gesunde Menschenverstand und ein kritischer Blick.

Finanzdienstleistungen von Robo-Advisorn sind sogenannte Vertrauensprodukte, bei denen der Käufer immer erst im Nachhinein mit Sicherheit weiß, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat.  Es ist so ähnlich wie mit einem Fertiggericht. Anhand der Zutaten, die auf der Verpackung ausgewiesen sind, lässt sich nicht feststellen, ob das Gericht auch gut zubereitet ist und wirklich schmeckt. Das zeigt sich erst beim Verzehr.

*Hinweis: Der Autor war von 2016 bis Oktober 2018 für Robo-Advisor in leitenden Positionen in der Kommunikation tätig. Zuvor verfasste er unter anderem für die Stiftung Warentest / Finanztest zwei Sachbücher zum Thema Geldanlage.

© Fairvalue, aktualisiert am 03.01.2019

Fotografie: Rock’n Roll Monkey / Unsplash

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