Internationale Aktien

MSCI World – Dieser Index bringt die besten Fondsmanager zum Weinen

Der MSCI World treibt vielen Fondsmanagern Tränen in die Augen

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Der MSCI World ist der beliebteste Weltaktienindex bei privaten Anlegern. Vielen Fondsmanagern treibt das Börsenbarometer dagegen regelmäßig Tränen in die Augen. Denn die meisten aktiv gemanagten Fonds schaffen es langfristig nicht, den Index zu schlagen. Doch was macht den MSCI World so erfolgreich? Ein Blick unter die Motorhaube.

Der MSCI World ist einer der meist beachteten Indizes. Er zeigt Anlegern auf einen Blick, ob der Weltaktienmarkt steigt oder fällt. Der Index misst die durchschnittliche Wertentwicklung an den internationalen Börsen, ausgedrückt in einer einzigen Zahl.

In der Fondsbranche ist der MSCI World ein wichtiger Vergleichsindex. An ihm messen sich viele aktiv gemanagte Aktienfonds, die weltweit anlegen. Diese Fonds sind angetreten, um höhere Renditen bei gleichem oder geringerem Risiko zu liefern als der Weltaktienindex. Doch an dieser Herausforderung scheitern so gut wie alle Fondsmanager – trotz exzellenter Ausbildung, jahrelanger Erfahrung und großen Teams von Wertpapieranalysten, die sie bei der Aktienauswahl unterstützen.

Das zeigt beispielsweise eine fortlaufende Untersuchung von S&P Dow Jones. Danach schaffen es nur 1,6 Prozent der in Europa zugelassenen, global anlegenden Aktienfonds den Weltaktienmarkt über einen Zeitraum von zehn Jahren zu schlagen. Ein Grund für das schlechte Abschneiden sind die hohen Kosten. Für international anlegende Aktienfonds verlangen die Fondsgesellschaften von Privatanlegern im Schnitt ein Entgelt von 1,9 Prozent des investierten Kapitals pro Jahr. Hinzu kommen noch Transaktionskosten beim Handel von Wertpapieren.

Diese Kosten muss ein Fondsmanager jährlich zusätzlich zum Marktdurchschnitt erwirtschaften, nur um mit dem MSCI World gleichzuziehen. Doch an dieser Aufgabe beißt sich der geballte Sachverstand der Managementteams die Zähne aus. Die geringeren Renditen der meisten aktiv gemanagten Fonds haben langfristig gewaltige Folgen wegen des Zinseszinseffekts: Schon ein Differenz von nur einem halben Prozentpunkt im Vergleich zum Marktdurchschnitt führt zu erheblichen Unterschieden beim Endvermögen.

Immer mehr Anleger investieren deswegen in börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETF, die Indizes wie den MSCI World einfach nur kopieren. Diese Fonds bilden ziemlich genau die Wertentwicklung des jeweiligen Index ab, abzüglich der relativ geringen Verwaltungs- und Transaktionskosten. Gute ETF auf den MSCI World kosten jährlichen zwischen 0,2 und 0,3 Prozent des angelegten Kapitals.

Das Erfolgsrezept des MSCI World

Der Erfolg des MSCI World, der deutschen Anlegern in den vergangenen fünf Jahrzehnten im Durchschnitt eine jährliche Rendite von fast 7 Prozent bescherte, basiert vor allem auf zwei Faktoren: Diversifikation und Stabilität. Der Index enthält mehr als 1600 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 entwickelten Industrieländern. MSCI, der US-amerikanische Indexanbieter, bezeichnet diese Staaten als „Developed Markets“. Schwellenländer, sogenannte Emerging Markets, enthält das Kursbarometer nicht.

Nur Länder, die dauerhaft die Kriterien eines entwickelten Industrielandes erfüllen, nehmen die Indexkonstrukteure in den MSCI World auf. Grundvoraussetzung ist ein Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Kopf, das wenigstens 25 Prozent über der von der Weltbank definierten Marke liegt, ab der das Pro-Kopf-Einkommen als hoch gilt. 2017 betrug diese Grenze 12.235 US-Dollar. Um einen Platz im MSCI World zu ergattern, muss sich das BNE also wenigstens auf 15.300 US-Dollar pro Kopf summieren – und das in mindestens drei aufeinanderfolgenden Jahren.

Die Liquiditätskriterien

Noch wichtiger als makroökonomische Auswahlkriterien sind für Anleger aber funktionierende Börsen. Wenigstens fünf Konzerne müssen gelistet sein mit jeweils einer Marktkapitalisierung von mindestens 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte davon muss sich im sogenannten Streubesitz befinden, der als grundsätzlich handelbar gilt. Nur wenn 20 Prozent des Streubesitzes dieser Unternehmen jährlich den Besitzer wechseln, sind die Mindestanforderungen an die Liquidität erfüllt.

Hinzukommen noch eine Reihe von rechtlichen Kriterien, die ein Land erfüllen muss, um in den MSCI World aufgenommen zu werden. Dazu zählt die weitgehend uneingeschränkte Erlaubnis für Ausländer, die an einer Börse gelisteten Aktien zu handeln und zu besitzen. Anlagekapital soll problemlos in die im MSCI World vertretenen Länder fließen und wieder abgezogen werden können. Auch die Abwicklung von Aktiengeschäften muss hohe Standards erfüllen. Zudem fordert MSCI stabile rechtsstaatliche Rahmenbedingungen.

In der Vergangenheit war es selten, dass ein Land in den MSCI World auf- oder abstieg. Eines der wenigen Beispiele ist Griechenland, das 2001 in den Index aufgenommen wurde. Gut 12 Jahre später, im November 2013, stufte MSCI das Land wieder zu einem Emerging Market, einem Schwellenland, herab. 1997 gelang Portugal der Aufstieg in den MSCI World und 2010 Israel. MSCI überprüft jährlich, ob die im Index vertretenen Staaten die Mindestanforderungen noch erfüllen.

Die Ländergewichte im MSCI World

Der MSCI World ist aus Länderindizes zusammengesetzt, die der Indexanbieter für jeden enthaltenen Industriestaat berechnet. Das Regelwerk, nach denen MSCI die Länderindizes zusammenstellt ist relativ kompliziert. Vereinfacht gesagt, enthält jeder Index die größten börsennotierten Unternehmen eines Landes, die zusammen etwa 85 Prozent der sich im Streubesitz befindenden Marktkapitalisierung eines Landes repräsentieren sollen. Der Schnitt bei 85 Prozent führt dazu, dass keine kleinen Unternehmen in den Länderindizes enthalten sind.

Welches Gewicht die einzelnen Länder im MSCI World haben, hängt von der Größe des jeweiligen Aktienmarktes ab, gemessen am Börsenwert der ausgewählten Unternehmen. Die USA sind heute weltweit der mit Abstand größte Aktienmarkt. Der Anteil amerikanischer Unternehmen im MSCI World betrug Ende November 2018 fast 63 Prozent. Der nächstgrößte Markt war Japan mit 8,4 Prozent gefolgt von Großbritannien mit 5,9 Prozent. Die meisten Länder liegen unter der 3-Prozentmarke.

Die USA dominieren den MSCI World

Quelle: MSCI, Stand: Dezember 2018.

Manche Marktbeobachter halten die in den vergangenen Jahren gewachsene Dominanz der USA für gefährlich, insbesondere vor dem Hintergrund der sehr hohen Bewertung des amerikanischen Aktienmarktes. Doch historisch betrachtet befindet sich der Anteil US-amerikanischer Unternehmen am Weltaktienmarkt nicht auf dem Höhepunkt. Von Anfang der 1950er-Jahre bis 1970 war deren Gewicht noch deutlich größer.

Hinzu kommt: Viele amerikanische Großkonzerne operieren heute international. Ein beträchtlicher Teil ihrer Gewinne stammt nicht aus dem Inland. So gesehen gleicht eine Anlage in weltweit operierende Unternehmen wie Apple und Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, eher einem multilateralen als einem Länderinvestment.

Ländergewichte schwanken

Die Ländergewichte im MSCI World sind im Zeitverlauf nicht konstant. Steigt die Marktkapitalisierung eines Landes während die der anderen Staaten weniger zunimmt, gleich bleibt oder sinkt, wächst dessen prozentualer Anteil am Index. Die Marktkapitalisierung wächst, wenn

  • der Wert der Unternehmen, die neu an die Börse gebracht wurden, größer ist als der Marktwert der Konzerne, die sich von der Börse wieder zurückgezogen haben,
  • und/oder die Kurse der im MSCI World enthaltenen Firmen eines Landes stärker gestiegen sind als die anderer Länder.

Letzteres war beispielsweise seit der Finanzkrise von 2008 in den USA der Fall. An der Wallstreet stiegen die Kurse der Unternehmen deutlich höher als beispielsweise in London, Frankfurt und Paris. In der Folge nahm das Gewicht der US-Unternehmen im MSCI World immer weiter zu.

Die Unternehmen im MSCI World

Die 1634 Unternehmen, die im MSCI World enthalten sind, hatten am 30. November 2018 einen Gesamtbörsenwert von 38,85 Billionen US-Dollar. Das entspricht dem zehnfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung von Deutschland gemessen am Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2017, das sich auf knapp 3,7 Billionen US-Dollar summierte.

Allein die umlaufenden Aktien von Apple, der größte Einzelwert im Index, haben einen Börsenwert von 877 Milliarden US-Dollar. Microsoft bringt 809 Milliarden US-Dollar auf die Waage und Amazon, der drittgrößte Konzern, immerhin noch 697 Milliarden US-Dollar. Das kleinste Unternehmen ist gemessen am Streubesitz lediglich 781 Millionen US-Dollar wert. Im Durchschnitt beträgt die Marktkapitalisierung der MSCI-World-Konzerne 23,8 Milliarden US-Dollar (Median: 9,9 Milliarden US-Dollar). Zum Vergleich: Der Wert des Streubesitzes von SAP, dem größten deutschen börsennotierten Unternehmen,  beträgt 101 Milliarden US-Dollar.

Die Zusammensetzung der Unternehmen im MSCI World überprüfen die Indexkonstrukteure vierteljährlich. Konzerne, die dann außerhalb des Schnitts bei 85 Prozent der jeweiligen Landesmarktkapitalisierung liegen, fallen aus dem Index heraus. Andere dagegen, deren Aktienkurse beispielsweise stark gestiegen sind, können in den MSCI World aufsteigen. Insgesamt ist das Börsenbarometer aber ziemlich stabil. Lediglich rund 5 Prozent der Indexmarktkapitalisierung wird jährlich umgeschichtet. International anlegende Fonds, die aktiv gemanagt werden, schlagen ihr Kapital dagegen im Schnitt einmal pro Jahr vollständig um. Daraus resultieren hohe Kosten, welche die Rendite schmälern.

Apple ist das Unternehmen mit dem größten Gewicht im MSCI World

Quelle: MSCI, Stand: November 2018.

Die zehn größten Unternehmen im MSCI World haben zusammen ein Gewicht von gut 12 Prozent. Das ist keine hohe Konzentration. Insgesamt ist der Index gut diversifiziert. Das zeigt sich beispielsweise in einer geringeren Schwankungsbreite im Vergleich zum Dax. Von den insgesamt elf Sektoren, in die MSCI die Indexaktien eingeteilt hat, haben die Bereiche Informationstechnologie und Finanzen das größte Gewicht. Wie sich einzelne Sektorindizes während der vier Börsencrashs am Weltaktienmarkt in den vergangenen 20 Jahren geschlagen haben, hat Fairvalue für den MSCI World und drei weitere Märkte untersucht. Danach waren Nahrungsmittelaktien der stabilste Sektor. Alle Ergebnisse.

Sektorgewichte im MSCI World

Quelle: MSCI, Stand: November 2018.

Ein Index – viele Varianten

Die MSCI World wird wie viele Aktienindizes in drei verschiedenen Varianten berechnet:

  • Ohne Dividenden: Der Kursindex ist quasi das Grundmodell jedes Aktienindex. Er misst ausschließlich die Preisänderungen der enthaltenen Aktien. Gezahlte Dividenden werden dabei nicht berücksichtigt.
  • Mit Dividenden abzüglich der Quellensteuer: Der Nettoindex, abgekürzt NR = Net Return, gibt die Wertentwicklung der enthaltenen Aktien inklusive Dividenden an. Für die Berechnung wird unterstellt, dass gezahlte Dividenden wieder in den Indexpapieren angelegt werden. Das führt langfristig zu einem kräftigen Zinseszinseffekt. Von den Ausschüttungen zieht MSCI aber die Quellensteuer ab, die in den meisten Ländern anfällt. Die Indexkonstrukteure setzen grundsätzlich den höchsten Steuersatz an. Der Nettoindex ist immer die Indexvariante, die börsengehandelte Indexfonds abbilden. Oft zahlen die ETF aber weniger Quellensteuer als für die Indexberechnung angenommen wird. Denn sie profitieren von Doppelbesteuerungsabkommen zwischen einzelnen Ländern.
  • Mit Dividenden: Der Bruttoindex wird wie der Nettoindex berechnet, nur dass bei dieser Indexvariante keine Quellensteuern abgezogen werden. Für Anleger ist die Wertentwicklung des Bruttoindex, den MSCI mit GR = Gross Return abkürzt, unerreichbar.

MSCI World: Kurs-, Netto- und Bruttoindex im Vergleich (logarithmierte Skala)

Quelle: MSCI, Stand: Januar 2019.

Die Differenz zwischen dem Kurs- und dem Nettoindex zeigt, welche Rolle die Dividenden spielen. Aus ihnen resultiert mit zunehmender Anlagedauer ein immer größerer Anteil an der Wertentwicklung. Von Anfang 1970 bis Ende 2018 summierte sich der Anteil der Ausschüttungen auf drei Viertel der Gesamtrendite. Nur ein Viertel war nach fast 50 Jahren auf Kursgewinne zurückzuführen.

Die Höhe der Ausschüttungen misst die Dividendenrendite. Sie war in den 1970er- und 1980er-Jahren deutlich höher als im neuen Jahrtausend. Allerdings waren damals auch die Inflation und das Zinsniveau erheblich höher als seit der Jahrtausendwende.

Die Dividendenrendite des MSCI World betrug seit 1970 im Durchschnitt 3 Prozent pro Jahr.

Quelle: MSCI bis Januar 2015, Morningstar Direct, Stand: November 2018.

Die Berechnung des MSCI World

Der Indexanbieter MSCI berechnet den MSCI World fortlaufend aus den aktuellen Börsenpreisen der enthalten Unternehmen. Weil der Index Konzerne aus allen Zeitzonen rund um den Globus enthält, gibt es nie gleichzeitig für alle Firmen aktuelle Kurse. Wenn beispielsweise in Europa die Aktienbörsen öffnen, ist der Handel in Japan bereits beendet und die amerikanischen Börsen sind noch geschlossen. Für die Unternehmen, für die keine aktuellen Kurse verfügbar sind, zieht MSCI zur Indexberechnung die jeweils letzten Schlusskurse heran.

Deutsche Anleger sollten ETF auf den MSCI World kaufen oder verkaufen, wenn möglichst viele neue Informationen von den Indexkursen reflektiert werden. Das ist zwischen 15.30 und 17.30 Uhr der Fall. In dieser Zeitspanne sind die amerikanischen und europäischen Börsen zeitgleich geöffnet, an denen zusammen mehr als 80-Prozent der MSCI-World-Unternehmen gehandelt werden.

Welche Renditen erzielte der MSCI World?

Der Weltaktienindex wird seit 1986 live berechnet. Die Indexdaten, die seit 1970 vorliegen, basieren auf einer Rückrechnung. Insgesamt beträgt die Kurshistorie Anfang 2019 immerhin 49 Jahre. In diesem Zeitraum gab es zahlreiche XY Börsencrashs am Weltaktienmarkt (siehe unten). Dennoch erzielte der MSCI World NR auf Eurobasis eine durchschnittliche Rendite von 6,82 Prozent pro Jahr. Hätte ein Anleger vor 49 Jahren 100 Euro in den Index investiert, wäre sein Kapital auf gut 2500 Euro angewachsen.

Über kurze Anlagezeiträume können die Renditen aber erheblich schwanken, wie die folgende Tabelle zeigt. Für jede angegebene Anlagedauer haben wir die Rendite für jeden möglichen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zwischen 1970 und 2018 berechnet. Dazu haben wir die monatlichen Schlusskurse des MSCI World verwendet. Die Spalte „Höchste Rendite“ gibt den durchschnittlichen Gewinn pro Jahr für den jeweils besten Anlagezeitraums an, die Spalte „Niedrigste Rendite“ zeigt den schlechtesten Anlagezeitraum.

Durchschnittliche MSCI-World-Renditen* für verschiedene Anlagezeiträume in Prozent pro Jahr

*Netto-Index in Euro. Quelle: MSCI, Stand: Januar 2019.

Die Differenz zwischen dem jeweils besten und schlechtesten Anlagezeitraum nimmt mit zunehmender Anlagedauer erheblich ab. Je länger die Anlagedauer, desto geringer ist demnach die Wahrscheinlichkeit, ein schlechtes Anlageergebnis zu erzielen – unabhängig vom Einstiegzeitpunkt. Über einen Zeitraum von 15 Jahren war die Rendite am Weltaktienmarkt seit 1970 immer positiv. Allerdings mussten Anleger vor 1970 an den globalen Märkten zum Teil deutlich längere Durststrecken überstehen, während denen ihre Aktienanlagen im Minus notierten. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag Sechs Fakten über Aktien, die Sie verblüffen werden.

Die schlimmsten Kursstürze des MSCI World

Auch mit einer ganzen Reihe von zum Teil schweren Börsencrashs mussten Anleger in der Vergangenheit zurechtkommen. In 49 Jahren gab es insgesamt acht Kursstürze mit Verlusten von mehr als 20 Prozent. Im Schnitt waren Investoren alle sechs Jahre mit einem Crash konfrontiert. Der mit Abstand schlechteste Zeitpunkt um in den MSCI World zu investieren war der September 2000. Damals erreichte der Index im Kielwasser der Interneteuphorie einen historischen Höchststand und verlor dann 57 Prozent seines Wertes (siehe Tabelle unten).

Es dauerte mehr als 13 Jahre bis dieser Verlust wieder ausgebügelt war. Schuld an der langen Erholungsdauer war die globale Finanzkrise im Jahr 2008. Sie brach aus, bevor der Index sein altes Niveau wieder erreicht hatte.

Acht Crashs am Weltaktienmarkt* in 49 Jahren

*MSCI Word NR in Euro. Quelle: MSCI, Fairvalue-Berechnungen, Stand: Dezember 2018.

Die längsten Kursanstiege des MSCI World

Trotz der vielen Kurseinbrüche gab es auch mehrere langanhaltende Aufschwünge am Weltaktienmarkt. In der Finanzbranche gilt eine Periode steigender Aktienkurse als beendet, wenn der Markt gemessen vom letzten Hochpunkt mehr als 20 Prozent an Wert verloren hat. Eine solche Phase anhaltend sinkender Kurse bezeichnen Börsianer als Baisse oder Bärenmarkt.

Vor diesem Hintergrund hat der viel diskutierte Jahrhundertaufschwung, der nach Ansicht vieler Investoren seit März 2009 ohne Unterbrechung läuft, zumindest am Weltaktienmarkt aus deutscher Perspektive nie stattgefunden. Gemessen am MSCI World NR auf Eurobasis, der – vor Verwaltungskosten – in etwa die Rendite anzeigt, die Anleger tatsächlich mit einem ETF erzielen können, war der Kursaufschwung bereits im August 2011 gestoppt. Damals hatte der Index 21 Prozent an Wert verloren.

Somit bleibt die längste Kursrallye am Weltaktienmarkt seit 1970 weiterhin der Zeitraum von Oktober 1990 bis August 2000.

Knapp zehn Jahre dauerte die längste Aufwärtsbewegung des MSCI World* seit 1970

*Netto-Index in Euro. Quelle: MSCI, Stand: Dezember 2018.

Das Wechselkursrisiko im MSCI World

Wer über einen börsengehandelten Indexfonds in den MSCI World NR investiert, geht neben dem Aktienmarktrisiko auch ein Wechselkursrisiko ein. Insgesamt 13 ausländische Währungen sind aus europäischer Sicht in dem Index enthalten. Das mit Abstand höchste Gewicht hat der US-Dollar mit fast 63 Prozent. Einen relativ hohen Anteil haben noch der japanische Yen und das britische Pfund.

Der US-Dollar dominiert den MSCI World

Quelle: MSCI, Stand: Dezember 2018.

Steigt der Wert des Euro relativ zu den 13 Fremdwährungen im Index an, machen Euro-Anleger Wechselkursverluste. Umgekehrt erzielen sie Gewinne, wenn die Auslandswährungen steigen.

Die folgende Abbildung macht die Wechselkursgewinne und -verluste zwischen Anfang 1999 und Ende 2018 sichtbar: Wir haben den MSCI World NR auf Eurobasis durch den MSCI World NR geteilt. Letzteren berechnet MSCI auf Grundlage der lokalen Länderwährungen. Deswegen enthält diese Indexvariante keine Wechselkurseffekte. Werte über eins zeigen Wechselkursgewinne an, Werte unter eins Verluste.

Seit der Finanzkrise 2008 profitierten europäische Anleger wieder von Wechselkursgewinnen

Quelle: MSCI, Stand: Dezember 2018.

Seit 1999 gab es drei länger andauernde Trends: Nach seiner Einführung wertete der Euro zunächst massiv ab, was für deutsche Anleger zu üppigen Wechselkursgewinnen von mehr als 25 Prozent führte. 2001 begann dann ein langjähriger Anstieg des Euro, der nicht nur die Gewinne aufzehrte, sondern mit Wechselkursverlusten von knapp 20 Prozent endete. Nach der Finanzkrise von 2008 wendete sich das Blatt wieder. Besonders der US-Dollar wertete kräftig auf.

Welchen Einfluss Wechselkursschwankungen auf das Anlageergebnis haben, hängt vom Ein- und Ausstiegszeitpunkt ab. Für Anleger, die zwischen 1999 und 2018 in den MSCI World NR investierten, spielten die Währungsschwankungen letztlich fast keine Rolle. Während der Index in lokalen Währungen in diesem Zeitraum eine Rendite von 4,59 Prozent pro Jahr abwarf, brachte der MSCI World NR auf Eurobasis mit 4,76 Prozent ein ähnliches Ergebnis.

Alternativen zum MSCI World

Unter privaten Anlegern ist der MSCI World der bekannteste Weltaktienindex. Es gibt aber eine Reihe von Alternativen, die einen noch größeren Anteil des globalen Aktienmarktes abdecken: Der MSCI All Country World Index (MSCI ACWI) und der FTSE All-World Index enthalten zusätzlich zu den Industrieländern auch Schwellenländer, sogenannte Emerging Markets, die in den beiden Indizes ein Gewicht von jeweils rund 10 Prozent haben.

Der MSCI ACWI bildet etwa 85 Prozent der globalen XY Marktkapitalisierung ab, der FTSE All-World 90 bis 95 Prozent. Noch breiter aufgestellt ist der FTSE Global All Cap, der fast 99 Prozent Marktabdeckung bietet.

Fairvalue-Empfehlung

ETF auf den MSCI World sind ein gutes Fundament für ein gemischtes Anlageportfolio. Vor allem für kleine Depots unter 10.000 Euro und auch für Sparpläne bietet sich dieser gut diversifizierte Index an. Infrage kommen aber auch die anderen oben aufgeführten Weltaktienindizes.

Wer den Aktienanteil seines Portfolios auf Länderebene nicht nach Marktkapitalisierung gewichten will, muss sich aus einzelnen Länderfonds und Regionenfonds ein Depot zusammenstellen. Dafür ist aber eine größere Anlagesumme notwendig. Andernfalls steigen die relativen Kaufkosten selbst bei günstigen Onlinebrokern deutlich an, wenn Anleger nur kleine Beträge pro Fonds investieren können.

© Fairvalue 06.01.2019

Fotografie: Tom Pumford / Unsplash

Quellen

MSCI World Factsheet

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