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Rohstoffe

Geeignet für erfahrene und risikobereite Anleger mit großem Depot, die ihr Vermögen auf möglichst viele verschiedene Anlageklassen verteilen wollen, um ihr Gesamtrisiko zu senken.

Rohstoffe sind Grundstoffe, die zur Herstellung von Waren verwendet werden. Der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Rohstoff ist Öl. Er wird in vielen Branchen genutzt, etwa in der chemischen Industrie. Rohstoffe werden in der Regel in vier Gruppen eingeteilt: Energierohstoffe (zum Beispiel Öl, Erdgas, Kohle), Industriemetalle (zum Beispiel Kupfer, Nickel, Zinn), Edelmetalle (zum Beispiel Palladium, Platin) und Agrarrohstoffe (zum Beispiel Weizen, Kaffee, Baumwolle). Agrarrohstoffe werden auch Soft Commodities genannt. Spekulationen darauf sind ethisch sehr umstritten, wissenschaftlich sind nachteilige Folgen von Spekulationen mit Agrarrohstoffen allerdings nicht belegt.

Unternehmen kaufen die Rohstoffe, die sie für die Produktion ihrer Waren benötigen, in der Regel direkt bei Rohstoffproduzenten ein. Viele Rohstoffe werden aber auch an Terminbörsen gehandelt. Dort können Unternehmen zusätzlichen Bedarf decken. Professionelle Finanzinvestoren nutzen die Terminbörsen, um auf die Preisentwicklung von Rohstoffen zu spekulieren. Dazu kaufen sie aber nicht die Rohstoffe selbst, weil Lager und Transportkosten viel zu hoch wären, sondern börsengehandelte Terminkontrakte, sogenannte Futures. Das sind Wertpapiere, die Bezugsrechte für Rohstoffe verbriefen.

Futures sind auch die Basis für Zertifikate, börsengehandelte Indexfonds (ETF) und ETC (Exchange Traded Commodities), mit denen Kleinanleger auf die Notierungen von Rohstoffen wetten können. Eine Ausnahme sind Edelmetalle wie Gold und Platin. Schon kleine Mengen von ihnen haben bereits einen so hohen Wert, dass sich ihr physischer Kauf und die anschließende Einlagerung durchaus lohnen können.

Eine andere Möglichkeit für private Anleger, sich indirekt an den Rohstoffmärkten zu beteiligen, ist der Kauf von Aktien von Unternehmen, die Rohstoffe produzieren (siehe Rohstofffonds). Diese Variante hat aber den Nachteil, dass sie sich weniger gut zur Risikostreuung eignet.

Renditechance

Anlagen in gut konstruierte Indizes, die viele Rohstoffe enthalten, haben in der Vergangenheit Renditen abgeworfen, die mit denen von Aktienfonds vergleichbar waren. Die besten Rohstoffindizes haben den Weltaktienmarkt seit der Jahrtausendwende sogar deutlich abgehängt. Auch die Schwankungsbreite ist ähnlich wie bei einem internationalen Aktienportfolio.

Wetten auf einzelne Rohstoffe bieten deutlich höhere Chancen und entsprechend hohe Risiken. Preise einzelner Rohstoffe können sich innerhalb von wenigen Monaten verdoppeln und noch schneller genauso stark fallen. Prinzipiell hängen die Notierungen von Angebot und Nachfrage auf den Rohstoffmärkten ab. Doch im Detail unterscheiden sich die Faktoren, die einzelne Rohstoffe und Rohstoffgruppen beeinflussen, erheblich.

Industriemetalle laufen meistens gut, wenn auch die Weltwirtschaft Fahrt aufnimmt. Agrarrohstoffpreise reagieren dagegen auf Wetter, Erntemengen und Anbauentscheidungen der Landwirte.

Sicherheit

Die Rohstoffmärkte sind launisch, und entsprechend riskant sind Rohstoffanlagen (siehe oben). Zudem werden Rohstoffe in US-Dollar gehandelt, weswegen Anleger aus dem Euroraum zusätzlich ein Wechselkursrisiko eingehen. Die Fremdwährung kann aber unter Umständen die Rendite erhöhen und die Schwankungsbreite von Rohstoffanlagen senken.

Bei Rohstoffzertifikaten und ETC handelt es sich um Schuldverschreibungen. Das bedeutet: Geht der Herausgeber pleite, werden die Papiere wertlos. Eine Ausnahme sind ETC, die mit einem physischen Rohstoff gesichert sind. Sie gibt es vor allem auf Gold. Der ETC-Anbieter kauft in diesen Fällen den jeweiligen Rohstoff in Höhe des Wertes der ausgegebenen Wertpapiere. Der Rohstoff wird meistens getrennt vom Vermögen der Anbieter-Gesellschaft eingelagert. Bei einer Pleite besteht zumindest die Chance, dass aus den Beständen Forderungen der Anleger bedient werden können.

Flexibilität

Zertifikate auf Rohstoffe und ETC können in der Regel werktäglich an Börsen gehandelt oder direkt von den Anbietern gekauft beziehungsweise an sie zurückgegeben werden.

Empfehlung

Erste Wahl sind Anlagen in Indizes, die eine Vielzahl von Rohstoffen enthalten. Sie können in geringen Mengen eine geeignete Beimischung für große Anlagedepots sein. Mehr als 5 Prozent Ihres Vermögens sollten sie aber nicht ausmachen (mit Ausnahme von Gold).

Unter Fachleuten ist allerdings umstritten, ob sich Rohstoffe ausschließlich als kurzfristige Beimischung oder auch als langfristige Anlage eignen. Wer nicht verstanden hat, wie der Handel mit Futures funktioniert und was ihre Preise von Spotmarktpreisen unterscheidet, sollte besser die Finger davon lassen. Andernfalls sind böse Überraschungen unvermeidbar. Zudem sind Rohstoffzertifikate recht teuer. Für einige verlangen manche Anbieter eine „Indexgebühr“ von 1,75 Prozent jährlich. Noch teurer sind Produkte mit Wechselkursabsicherung, die sich häufig nicht lohnt (siehe Quanto-Zertifikate).

Wetten auf einzelne Rohstoffe sind nur etwas für Anleger, die einen gewissen Nervenkitzel suchen und es verkraften können, wenn sie einen großen Teil ihres Geldes verlieren.

© Fairvalue, aktualisiert am 08.01.2019

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