Geldentwertung

Was Sachwerte taugen – und was sie von Anleihen unterscheidet

Sachwerte wie Flugzeuge sollten nicht im Wald aufbewahrt werden

Banken und Vermögensverwalter empfehlen gerne Sachwerte, wenn die Inflation steigt oder Kunden sich vor Marktkrisen fürchten. Doch Gold, Immobilien und andere reale Werte wie Wald, Flugzeuge und Rohstoffe sind keine Heilsbringer. Sie bergen zum Teil hohe Risiken, die Anleger kennen sollten.

Wenn es um Sachwerte geht, denken die meisten Anleger zunächst an Gold und Immobilien. Aber auch Aktien sind Sachwerte. Sie verbriefen einen Anteil an einem Unternehmen und damit an dessen Produktionskapital, also beispielsweise an Maschinen, Gebäuden, Markenrechten und Patenten.

Seit sich die Bankenkrise von 2008 um den Globus fraß und eine Reihe von Euroländern an den Rand des Staatsbankrotts drängte, erfreuen sich besonders Gold und Immobilien einer wachsenden Popularität.

Banken und Fondsgesellschaften propagieren aber auch eine Vielzahl weiterer Sachanlagen. Dazu zählen Investitionen in Windparks, Wald, Ackerland, Milchfarmen, Infrastrukturanlagen wie Häfen, Krankenhäuser, Seniorenwohnheime und Kindertagesstätten, Diamanten, Kunst, Antiquitäten, Oldtimer und natürlich in Rohstoffe wie Öl und Kupfer.

Sachwerte können in Krisen vor Totalverlust schützen

An solche realen Werte ist die berechtigte Hoffnung geknüpft, dass sie während einer Wirtschaftskatastrophe nicht vollkommen wertlos werden. Sie sollen in schwierigen Zeiten zum Erhalt des Vermögens beitragen. Vor allem sollen sie vor Inflation, aber auch vor den Folgen von Staatspleiten und Währungskrisen schützen.

Dass Sachwertanlagen eine wirksame Versicherung gegen steigende Preise sind, ist in den meisten Fällen allerdings sehr fraglich, wie zahlreiche Untersuchungen nahelegen. Doch bei extremen Marktverwerfungen erlitten Anleger zumindest in der Vergangenheit wenigstens keinen Totalverlust.

Während der Hyperinflation 1923 in Deutschland konnten Aktienspekulanten sogar ihr Vermögen vermehren. Die Inflationsrate lag damals bei unglaublichen 22,22 Milliarden Prozent. Der Index, der die Wertentwicklung deutscher Aktien abbildete, stieg aber noch schneller. Wer im Januar 1923 eingestiegen war, hatte den Wert seines Einsatzes nach Abzug der Inflation bis zum Jahresende mehr als verdoppelt.

Legt man einen anderen Zeitraum zugrunde, sieht die Rechnung allerdings ganz anders aus: Von 1913 bis 1923, während des Ersten Weltkrieges und der nachfolgenden Hochinflationsphase (Inflationsrate 1920: 66,5 Prozent), büßten deutsche Aktien zeitweise 94,4 Prozent ihres realen Wertes ein. Am Ende des Jahres 1923 betrug der Verlust knapp 79 Prozent. Auch der reale Wert von Immobilien sank drastisch, aber eben nicht auf null.

Die Teuerung frisst nominale Werte

Wesentlich schlechter erging es den Besitzern von Geldvermögen und Staatsanleihen. Ihr Erspartes löste sich quasi über Nacht in Luft auf. Bargeld, Bankguthaben und Schuldverschreibungen wie Anleihen sind sogenannte Nominalwerte. Ihr Geldwert ist festgeschrieben. Der Preis, zu dem etwa eine Anleihe am Ende ihrer Laufzeit zurückbezahlt werden muss, wird bei ihrer Ausgabe festgelegt, ebenso die Höhe der jährlichen Verzinsung. An diesen beiden Größen lässt sich nicht rütteln.

Bei hoher Inflation, bei der die Teuerungsraten über der Verzinsung liegen, sinkt der reale Geldwert der Anleihe, gemessen an der Kaufkraft. Das kann so weit gehen, dass Anleger für den Rückzahlungsbetrag gar nichts mehr kaufen können wie etwa während der Hyperinflation in der Weimarer Republik.

In solchen Phasen wird Vermögen von den Anleihekäufern zu den Anleiheherausgebern umverteilt. Wegen der exorbitanten Inflationsraten sanken die Inlandsschulden des deutschen Staates gemessen an der Wirtschaftsleistung zwischen 1920 und 1923 auf fast null.

Bargeld ist besonders anfällig für Inflation

Noch inflationsanfälliger als Anleihen ist unverzinstes Bargeld. Der nominale Geldwert von Münzen und Banknoten wird von den Zentralbanken gesetzlich festgelegt. Die Kaufkraft dieser Zahlungsmittel sinkt im Gleichschritt mit der Inflation. Während Anleihen häufig von Vermögenswerten gedeckt sind und die Wirtschaftskraft des Herausgebers für ihre Rückzahlung bürgt, sind Bargeld und Bankguthaben Forderungen gegen die Zentralbank.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie bis 1971 im Bretton-Woods-System fester Wechselkurse mit Gold gedeckt. Zentralbanken konnten US-Dollar bei der amerikanischen Notenbank Fed in einem festgelegten Verhältnis in das gelbe Edelmetall umtauschen.

Heute bürgen in den Industrieländern unabhängige Notenbanken für die Geldwertstabilität. Das Geld, das sie herausgeben, ist unter anderem von Devisenreserven, also von Forderungen gegen andere Länder, gedeckt.

Die Menschen vertrauen darauf, dass die Notenbanken nicht zu viel Geld drucken und es dadurch entwerten. Doch dieses Vertrauen ist nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des neuen Jahrtausends und im Zuge der Banken- und Staatsschuldenkrise offenbar immer weiter gesunken.

Ein unübersehbarer Beleg dafür ist der Goldpreis, der an den Finanzmärkten als eine Art Angstbarometer gilt. Er stieg seit 2001 in ungeahnte Höhen. Seit 2013 gaben die Preise allerdings wieder deutlich nach. Dennoch ist der Goldpreis heute sechs Mal so hoch wie 16 Jahren.

Die Nachteile von Sachwerten

Im Vergleich zu nominalen Anlagen scheinen Sachwerte etwas Handfestes zu sein. Doch wer genauer hinschaut, wird auch Nachteile und Gefahren entdecken, die eine Investition nicht selten wenig aussichtsreich erscheinen lassen.

Viele Sachwerte sind nicht liquide. Das bedeutet, sie werden nicht an gesetzlich regulierten Börsen gehandelt. Anleger können sie also nicht jederzeit problemlos verkaufen. Das gilt für Immobilien, Wald, Acker, Flugzeuge, Schiffe und viele andere Sachwerte.

Hinzu kommt: Nur die wenigsten Anleger sind so reich, dass sie sich einen eigenen Wald oder ein Einkaufszentrum kaufen können. Private Investoren müssen in solche Objekte in der Regel über Fonds investieren. Dabei handelt es sich meistens um sogenannte geschlossene Beteiligungen, die mit hohen Kosten und Risiken verbunden sind. Anleger sollten sie deswegen meiden.

Eine Ausnahme sind sogenannte Private-Placements, die nicht öffentlich beworben und gut betuchten Anlegern nur unter dem Ladentisch angeboten werden dürfen. Bei diesen Fonds sind die Kosten deutlich niedriger und die Erfolgschancen entsprechend höher. Allerdings sind auch die Einstiegshürden hoch. Die Mindestbeteiligung liegt meist weit über 100.000 Euro.

Reale Werte sind riskant

Für weniger vermögende Privatanleger bieten sich daher eher börsengehandelte Sachwerte an: AktienGold und Rohstoffe. Solche Sachwertinvestitionen sind aber auch mit zum Teil sehr viel höheren Risiken verbunden als Anleihen solider Herausgeber oder verzinste Bankguthaben, die über die Einlagensicherung geschützt sind.

Umschichtungen sollten deshalb sehr gut überlegt sein. Wenn Sie beispielsweise fällig gewordene Festgelder nicht wieder sicher verzinst anlegen und stattdessen Gold kaufen, haben Sie vielleicht eine gute Versicherung gegen Finanzmarkt-Katastrophen erworben. Gleichzeitig setzen Sie sich aber erheblichen Preisschwankungen und einem Verlustrisiko aus, das umso größer wird, je unwahrscheinlicher ein Crash an den Börsen erscheint.

Unter dem Strich haben Sie möglicherweise ein vergleichsweise geringes Risiko gegen ein deutlich höheres ausgetauscht. Das sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, wenn Sie planen, von sicheren Anlagen in Sachwerte umzuschichten.

Inflationsschutz von Sachwerten – Mehr Wunsch als Wirklichkeit

Anlageprodukte, die nach Abzug der Inflationsrate mit Sicherheit eine gute Rendite bringen, existieren leider nicht. Das liegt unter anderem daran, dass es verschiedene Ursachen für eine steigende Geldentwertung gibt.

Zudem kann die Inflation unter unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entstehen, die einen entscheidenden Einfluss auf die reale Wertentwicklung von Sachwerten haben. Steigt die Inflation beispielsweise, während die Wirtschaft kräftig wächst, dürften sich Sachwerte besser behaupten als in einer Phase, in der die Konjunktur stagniert und die Konsumentenpreise dennoch steigen.

Eine wichtige Rolle spielt auch, ob eine höhere Inflation an den Märkten erwartet worden ist, oder ob sie überraschend kam. Ebenso beeinflusst die Höhe der Inflationsrate die Preisentwicklung von Sachwerten.

Grundsätzlich können Geldanlagen auf drei verschiedene Arten vor Inflation schützen:

  1. Unabhängigkeit: Ihre reale Wertentwicklung ist statistisch unabhängig von der Inflation, kann aber schwanken. Mal funktioniert der Inflationsschutz über kurze Zeiträume und mal nicht.
  2. Antizipation: Ihre reale Wertentwicklung ist meistens positiv, auch kurzfristig, Verlustphasen halten nicht lange an. Bei Anlagen dieser Kategorie sind die Inflationserwartungen der Anleger in der Verzinsung berücksichtigt. Rechnen sie in den nächsten Jahren mit einer Inflationsrate von 2 Prozent, verlangen sie beispielsweise bei einer Anleihe eine Verzinsung von 4 Prozent. Steigt die Teuerung nicht über den erwarteten Wert, ist die reale Rendite größer null. Dieser Mechanismus funktioniert aber nur, solange die Nachfrage nach festverzinslichen Anlagen nicht zu hoch ist. Bei einer sehr hohen Nachfrage wie in den vergangenen Jahren in Deutschland müssen Herausgeber sicherer Anleihen nur niedrige Zinsen bieten, die unter der Inflationsrate liegen können.
  3. Gleichlauf: Ihre reale Rendite steigt mit der Inflationsrate. Mit solchen Anlagen ließe sich in Zeiten steigender Inflation gut Geld verdienen – vorausgesetzt, man steigt nicht zu spät ein und rechtzeitig wieder aus.

Untersuchungen zur Frage, wie gut der Inflationsschutz von Sachwerten funktioniert, kommen meist nicht zu eindeutigen Ergebnissen. Tendenziell gilt aber Folgendes:

  • Aktien gehören einer Studie der Zeitschrift Finanztest zufolge in die erste Gruppe. Langfristig waren sie ein guter Inflationsschutz, kurzfristig nicht.
  • Gold gehört ebenfalls in die erste Kategorie. Zwar bewegte sich des Edelmetalls zwischen 1970 und 2020 tendenziell mit der Inflation nach oben. Doch diese lineare Beziehung war nur sehr schwach ausgeprägt, vor allem von 1990 bis 2020. Alle Details finden Sie in unserer Analyse zu Gold.
  • Immobilien sind als Absicherung gegen steigende Konsumentenpreise umstritten: Gute offene Immobilienfonds bieten im Durchschnitt einen besseren Inflationsschutz als eine einzelne Wohnimmobilie. Bei Letzteren hängt die reale Rendite entscheidend von Angebot und Nachfrage am jeweiligen Standort ab. Wer eine Wohnimmobilie in attraktiver Lage zu einem angemessenen Preis erwirbt, hat gute Aussichten, eine positive Rendite nach Abzug der Inflation zu erwirtschaften.

Die richtige Portfolio-Mischung schützt

Die beste Absicherung gegen Geldentwertung sind nicht einzelne Sachwerte, sondern ein gut gemischtes Anlageportfolio. Wie Sie bei der Zusammenstellung eines solchen Portfolios vorgehen können, lesen Sie in unserem Ratgeber ETF-Portfolio.

© Fairvalue, aktualisiert am 29.06.2020

Fotografie: David Kovalenko / Unsplash

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