Anleihen

auch Bonds, Obligationen oder Renten genannt

Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere mit begrenzter Laufzeit. Sie werden auch als Schuldverschreibungen bezeichnet. Im Grunde sind sie eine Art Schuldschein eines Staates oder eines Unternehmens, dem Anleger mit dem Kauf der Anleihe Geld leihen. Dadurch kommt der Verkäufer der Anleihe an Kapital. Er zahlt dafür Zinsen, und am Ende der Laufzeit das Geld zurück, wenn alles gut geht.

Zu den Anleiheherausgebern (Emittenten) zählen Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland und die USA, Bundesländer und Kommunen, öffentlich-rechtliche Institutionen, Banken, internationale Konzerne und mittelständische Unternehmen. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Anleihe-Typen. Die meisten sind Festzinsanleihen. Für sie erhalten Investoren während der gesamten Laufzeit zu festgelegten Terminen, meist jährlich, Zinsen, deren Höhe feststeht.

Anders funktionieren Gleitzinsanleihen und Stufenzinsanleihen: Bei ihnen steigen die Zinszahlungen während der Laufzeit kontinuierlich an. Es gibt auch variabel verzinste Anleihen, bei denen der Zinssatz schwankt. Null-Kupon-Anleihen bieten dagegen keine laufenden Zinsen. Der Anleger erhält den Zinsertrag auf einen Schlag bei Fälligkeit des Wertpapieres. Darüber hinaus gibt es Fremdwährungsanleihen, die Wechselkursrisiken bergen. Vorsichtig sollten Anleger sein, wenn die Rendite von Anleihen an Bedingungen geknüpft ist, wie etwa an die Entwicklung des Dax. Es handelt sich dann eigentlich um Zertifikate. Diese sind rechtlich gesehen Anleihen.

Anleihen: Von sehr sicher bis hoch spekulativ

Anleihen sind unterschiedlich riskant. Zu den sichersten zählen Staatsanleihen solider Länder wie der Bundesrepublik Deutschland (siehe Bundesanleihen) oder der Schweiz. Je geringer die Kreditwürdigkeit der Anleiheherausgeber ist, desto größer ist das Risiko eines Zahlungsausfalls. Bei höheren Risiken sind aber in der Regel auch die Zinsen höher, die Anleger für die Anleihe bekommen. Beispielsweise sind die Renditen von Schwellenländeranleihen deutlich höher als die von Bundeswertpapieren.

Über die Kreditwürdigkeit von Ländern und Unternehmen wachen Ratingagenturen. Sie beurteilen deren Zahlungsfähigkeit und verteilen dafür Noten, die sich im Finanzmarktjargon Rating nennen. Die Bundesrepublik Deutschland hat beispielsweise das bestmögliche Rating. Die Notenskala ist ein abgestuftes System. Quasi in der Mitte ziehen die Ratingagenturen einen Strich. Schuldverschreibungen, die darüber liegen, gelten als relativ sicher und bekommen das Prädikat „Investment Grade“, was man mit „investitionswürdig“ übersetzen könnte. Papiere von Emittenten, die unter den Strich rutschen (Non Investment Grade), werden an den Märkten als Ramschpapiere gehandelt. Solche Anleihen werden auch als Hochzinsanleihen oder High-Yield-Bonds bezeichnet.

Die Notenskala der Bonitätsprüfer

wdt_ID Moody ’s Standard & Poor ’s, Fitch Was steckt hinter der Note ?
1 Investment Grade
2 Aaa AAA Hochqualitative Anleihen. Die Rückzahlung von Zinsen und des eingesetzten Kapitals gilt als sehr sicher.
3 Aa1; Aa2; Aa3 AA+; AA; AA− Anleihen mit sehr hoher Sicherheit. geringes Ausfallrisiko. Zins und Tilgung werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geleistet.
4 A1; A2; A3 A+; A ; A− Gute Bonität. Viele Kriterien deuten darauf hin. dass Zins und Tilgung geleistet werden. Es gibt aber ein Restrisiko.
5 Baa1; Baa2; Baa3 BBB+; BBB; BBB− Durchschnittliche Bonität. Anleger. die nicht spekulieren wollen. sollten keine schlechter bewerteten Anleihen kaufen.
6 Non-Investment-Grade
7 Ba1; Ba2; Ba3 BB+; BB; BB− Hohes Risiko. Zurzeit werden Zins und Tilgung zwar noch gezahlt. doch langfristig ist das Risiko eines Zahlungsausfalls hoch.
8 B1; B2; B3 B+; B ; B− Spekulative Anlage. Rückzahlung der Anleihen ist stark gefährdet.
9 Caa; Ca; C CCC ; CC ; C Hoch spekulativ. Zahlungsverzug ist eingetreten (Moody ’s) oder es besteht eine direkte Gefahr für einen Zahlungsverzug (S & P).

Wenn der Herausgeber eine sehr gute Kreditwürdigkeit hat, sind Anleihen vergleichsweise sichere Wertpapiere. Sie sind dann sicherer als Aktien und etwas riskanter als Bankeinlagen wie Tagesgeld und Festgeld. Wer eine solide Schuldverschreibung bis zum Ende der Laufzeit hält, macht keine Verluste. Anleger bekommen in diesem Fall die jährliche Durchschnittsrendite, die sich beim Kauf errechnete (siehe unten).

Allerdings schwanken die Kurse von festverzinslichen Anleihen während der Laufzeit. Wenn ein Anleger vor Ende der Fälligkeit verkaufen muss, kann das im schlechtesten Fall zu Verlusten führen. Auf der anderen Seite sind bei einem vorzeitigen Verkauf auch zusätzliche Gewinne möglich.

Die Kursschwankungen resultieren aus den fixen Zinskupons, die sich nicht anpassen können, wenn sich die Zinsen auf einem Markt ändern. Die einzig mögliche Stellschraube ist der Kurs der Anleihe. Bei steigenden Marktzinsen fallen die Kurse der Anleihen, bei fallenden Zinsen steigen sie.

Die Kurse reagieren umso stärker, je länger die Laufzeit einer Anleihe ist. In Phasen steigender Zinsen sind festverzinsliche Papiere mit langen Restlaufzeiten deswegen riskanter als Kurzläufer. Umgekehrt fallen die Kursgewinne langlaufender Anleihen höher aus, falls die Zinsen fallen. Wie sensitiv einzelne Anleihen oder Rentenfonds sind, messen Fachleute näherungsweise mit der sogenannten modifizierten Duration. Sie gibt an, um wie viel Prozent sich der Kurs ändert, wenn der Marktzins um 1 Prozent steigt oder fällt.

So errechnet sich die Rendite von festverzinslichen Anleihen

In der Regel sind die Renditen von Anleihen mit längerer Restlaufzeit höher als die von Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten. In manchen Marktphasen ist es aber auch umgekehrt. Volkswirte sprechen dann von einer inversen Zinsstrukturkurve. Die Rendite von festverzinslichen Anleihen setzt sich zusammen aus

  • den festgeschriebenen Zinszahlungen (dem sogenannten Zinskupon),
  • dem Kurs, zu dem Anleger sie kaufen,
  • dem Kurs, den der Herausgeber am Ende der Laufzeit bezahlt, der meistens dem Nennwert entspricht,
  • und der Restlaufzeit.

Der Nennwert ist der nominelle Betrag, der auf einer Anleihe steht. Auf ihn bezieht sich die Verzinsung. Nehmen wir der Einfachheit halber an, eine Bundesanleihe hat einen Zinskupon in Höhe von 5,5 Prozent.

  • Ein Anleger kauft sie zu einem Kurs von 110 Prozent,
  • am Ende der Laufzeit erhält er 100 Prozent und
  • die Restlaufzeit beträgt fünf Jahre.

Hält der Investor die Anleihe über die gesamte Restlaufzeit bis zu ihrer Fälligkeit, beträgt die jährliche Rendite in etwa 3,18 Prozent. Zwar bringt die Anleihe jährlich 5,5 Prozent Zinsen. Doch weil der Kaufkurs 10 Prozent über dem Nennwert lag, entsteht bei der Rückzahlung der Anleihe ein Kursverlust, der mit dem Zinsgewinn verrechnet werden muss. Deshalb ist die Rendite geringer als der Zinskupon.

Umgekehrt: Liegt der Preis einer Anleihe unter dem Rückzahlungskurs, fällt die Rendite höher aus als die Zinsen.

Bei Anleihen, die keine laufenden Zinszahlungen bieten wie etwa deutsche Schatzanweisungen mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit, ist die Rendite leichter zu berechnen. Solche Papiere werden bei ihrer Emission unter dem Rückzahlungsbetrag verkauft, der bei Fälligkeit an die Anleger bezahlt wird. Die Rendite ergibt sich dann aus der Differenz zwischen Ausgabepreis und Rückzahlungsbetrag.

Beim Erwerb von deutschen Anleihen fallen folgende Kosten an:

  • Bankprovision: Beim Kauf einer Anleihe verlangt das Kreditinstitut eine Provision. Am Filialschalter sind das im Schnitt 0,5 Prozent des Kurswertes. Direktbanken berechnen etwa die Hälfte.
  • Börsenpauschale: Für die Börsennutzung wird eine Pauschale berechnet, unabhängig vom Transaktionsvolumen.
  • Spread: Hinzu kommt die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, der Spread. Aus der Perspektive eines Anlegers ist der Kaufpreis immer ein wenig höher als der Verkaufspreis. Je höher die Umsätze mit einer Anleihe sind, desto niedriger ist meist der Spread. Bei sehr häufig gehandelten Bundesanleihen liegt er im Promillebereich.

Viele Anleihen werden nur in den ersten Monaten nach ihrer Emission rege gehandelt. Nur wenige können Sie jederzeit problemlos kaufen und verkaufen. Bundesanleihen gehören dazu, auch Jumbo-Pfandbriefe. Bei Unternehmensanleihen sieht es oft weniger gut aus.

Statt einzelner Anleihen besser Rentenfonds

Die begrenzte Handelbarkeit von Anleihen ist einer der Gründe, warum es sinnvoller sein kann, Fonds zu kaufen, die in Anleihen investieren, sogenannte Rentenfonds. Zudem lohnt der Kauf einzelner ausländischer Anleihen meist nicht, weil die Transaktionskosten höher sind. Auch hierfür sind beispielsweise Rentenfonds die bessere Lösung, etwa Rentenfonds Europa, die auch Anleihen in Schweizer Franken oder britischen Pfund kaufen, oder Rentenfonds Welt.

Rentenfonds Euro – das sind Fonds, die in Anleihen, die auf Euro lauten, investieren – sind ein wichtiges Fundament für ein gemischtes Anlageportfolio für langfristig orientierte Anleger. Allerdings sind die erwarteten Renditen dieser Fonds derzeit derart gering, dass gute Festgeldangebote oft die bessere Wahl für die sichere Komponente eines Anlageportfolios sind.

© Fairvalue, aktualisiert am 08.11.2018

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