Aktualisierte Renditen und Kennzahlen

Fairvalue ETF-Portfolios: Diversifikation macht sich bezahlt

Fairvalue ETF-Portfolios 1 bis 8

Die Fairvalue ETF-Portfolios haben sich seit dem Start unseres Live-Tests im Dezember 2018 gut geschlagen. 2022 schnitten die global diversifizierten Portfolios besser ab als der Weltaktienmarkt. Gleichzeitig waren die Wertschwankungen deutlich geringer.

Im Jahr 2018 testete Fairvalue verschiedene Portfolios aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Basis von historischen Daten. Die Untersuchung zeigte: Bereits aus vier ETFs, die wenig korrelierte Anlageklassen abbilden, lassen sich Portfolios zusammenstellen, deren Risiko viel niedriger ist als das des Weltaktienmarktes. Gleichzeitig bieten diese ETF-Portfolios aber die Chance auf aktienähnliche Renditen.

Unser Live-Test seit Anfang Dezember 2018 belegt, dass unser Kalkül im Großen und Ganzen aufging. Alle ETF-Portfolios mit vier Anlageklassen und mehr (Portfolio 4 bis 8) lieferten gemessen am Risiko höhere Renditen als der Weltaktienmarkt. Die Rendite über dem sicheren Geldmarktzins pro Risikoeinheit drückt die Sharpe Ratio aus (siehe Tabellen). Auch die maximalen Wertverluste der Portfolios 4 bis 8 waren deutlich niedriger als die des Weltaktienmarkes gemessen am MSCI All Country World Index (MSCI ACWI).

Langfristiges Ziel dieser diversifizierten ETF-Portfolios, die ausschließlich aus riskanten Anlageklassen bestehen, ist die Erwirtschaftung einer Rendite, die der des MSCI ACWI ähnelt. Allerdings erwarten wir von unseren Portfolios geringere Wertschwankungen und damit eine höhere Rendite gemessen am eingegangenen Risiko. Mit langfristig meinen wir einen Zeitraum von zehn bis 35 Jahren.

Während starken Kursaufschwüngen am Weltaktienmarkt dürften die ETF-Portfolios mit dem MSCI ACWI nicht mithalten können, wie etwa von Oktober 2020 bis Anfang 2022. In Schwächephasen und bei Börsencrashs sollten sie sich aber besser entwickeln.

Das war beispielsweise während des Kurssturzes, ausgelöst von der Corona-Pandemie, im Februar und März 2020 der Fall. Während der Weltaktienmarkt in der Spitze fast 34 Prozent an Wert verlor, waren die Verluste der Fairvalue ETF-Portfolios 4 bis 8 um knapp 10 Prozentpunkte geringer (siehe Tabelle).

Ihre Stärken zeigten die Portfolios 4 bis 8 auch in dem schwierigen Marktumfeld des Jahres 2022. Während der Weltaktienmarkt, gerechnet in Euro, gut 13 Prozent an Wert verlor, büßte das Portfolio 8 nur gut 3 Prozent an Wert ein (siehe Tabelle). Zeitweise hatte diese Mischung auch gemessen seit Dezember 2018 die Führung übernommen, bevor sich die Weltbörsen wieder kräftig erholten.

Fairvalue ETF-Portfolios 1 bis 8: Aktuelle Renditen und Risikokennzahlen

Quellen: ETF-Anbieter, Börse Frankfurt, Fairvalue-Berechnungen. Stand: 01.03.2023

Die ETF-Portfolios werden einmal jährlich rebalanciert. Die Renditen sind nach Fondskosten berechnet. Abgeltungssteuer und Transaktionskosten wurden dagegen nicht berücksichtigt, weil sie für jeden einzelnen Anleger individuell sind. Zudem haben wir unterstellt, dass auch in Bruchstücke investiert werden kann.

Aus welchen Anlageklassen die einzelnen Portfolios bestehen, wie sie gewichtet werden und mit welchen ETFs wir sie abbilden, lesen Sie in dem Buch „Das ETF-Portfolio“ von Fairvalue-Herausgeber Markus Neumann (Blick ins Buch) und in dem Online-Ratgeber „Wie Sie ein fast unschlagbares ETF-Portfolio zusammenstellen“.

ETF-Portfolios mit Euro-Staatsanleihen

Anlegern, denen diese Portfolios zu riskant erscheinen, können sie mit einem Anteil aus sicheren europäischen Staatsanleihen, Festgeld und Tagesgeld kombinieren, so dass die Vermögensaufteilung ihrem persönlichen Risikoprofil entspricht.

Wir vertreten die Ansicht, dass die meisten Anleger keine Anleihen-ETF, die Euro-Staatsanleihen enthalten, im Portfolio brauchen, weil sie in diese schon über private Altersvorsorgeverträge wie Riesterrenten und Kapitallebensversicherungen investieren.

Wer seinem ETF-Portfolio dennoch Euro-Staatsanleihen beimischte, erlebte in den vergangenen zwei Jahren den mit Abstand größten Crash seit 1970. In der Spitze verloren europäische Staatsanleihen fast 22 Prozent an Wert. Zum Vergleich: Der schlimmste Verlust, den deutsche Staatsanleihen in den 50 Jahren zuvor erlitten, summierte sich auf 7 Prozent. Euro-Bonds hatten in den vergangenen 20 Jahren maximal 6 Prozent eingebüßt.

Ursache für die hohen Kursverluste sind steigende Zinsen. Beispielsweise stieg die Rendite deutscher Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit seit Dezember 2021 von -0,45 Prozent auf 2,72 Prozent (Stand: 3. März 2023). Den Zusammenhang zwischen steigenden Renditen und sinkenden Anleihekursen erklärt der Ratgeber „Anleihen – so ticken die Zinsmärkte“.

Anhand von drei Portfolios zeigen wir Ihnen, welche Wirkung es hat, wenn Sie einen Teil ihres Geldes in Euro-Staatsanleihen investieren. Dadurch werden unsere Strategien auch mit verschiedenen Mischfondskategorien und mit den Portfolios digitaler Vermögensverwalter, sogenannte Robo-Advisors, vergleichbar.

Wir haben das Portfolio 7 ausgewählt und kombinieren es mit Euro-Staatsanleihen. In der normalerweise sichersten Variante beträgt der Anteil riskanter Anlagen (unser Portfolio 7) am Gesamtportfolio nur 30 Prozent. Der Rest steckt in einem börsengehandelten Indexfonds auf Euro-Staatsanleihen aller Laufzeiten mit guter Bonität.

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich drei verschiedene Mischungen seit November 2018 entwickelten:

Fairvalue-Portfolios mit Euro-Staatsanleihen: Unterschiedliche Gewichtungen im Vergleich

Quellen: ETF-Anbieter, Börse Frankfurt, Fairvalue-Berechnungen. Stand: 01.03.2023

Portfolio 7 mit Risikomanagement

Fairvalue hat auch einfache Trendfolgestrategien auf Basis gleitender Durchschnitte wie der sogenannten 200-Tage-Linie untersucht. Ergebnis: Die Strategie eignet sich, um Kursverluste zu dämpfen. Überdurchschnittlich Renditen sind langfristig allerdings wenig wahrscheinlich. Zudem funktionierte das Trendfolgekonzept nicht mit allen Anlageklassen in unserem Portfolio.

In unserem Live-Test setzen wir die Trendfolgestrategie im ETF-Portfolio 7 als aktives Risikomanagement ein. Allerdings nur bei zwei Anlageklassen. Liegen deren Kurse zum Monatsende unter der 200-Tage-Linie, werden diese Positionen verkauft. Wir steigen wieder ein, wenn die Notierungen wieder über die Linie steigen und sich dort bis zum Ende des Monats gehalten haben.

Seit Ende November 2018, dem Beginn dieser Live-Portfoliomessung, führte das Trendfolgekonzept zu mehreren Verkäufen und Rückkäufen. So wurde die 200-Tage-Linie beispielsweise Ende Februar 2020 während des Corona-Crashs gerissen.

Fairvalue-Portfolio mit Trendfolgestrategie

Quellen: ETF-Anbieter, Börse Frankfurt, Fairvalue-Berechnungen. Stand: 01.03.2023

Das Risiko des Portfolios mit Trendfolge war wie erwartet geringer als das des Buy-and-Hold-Portfolios. Die Rendite war geringer, was auf regelmäßige Falschpositionierungen der Trendfolgestrategie zurückzuführen ist. Wie Sie eine Trendfolgestrategie sinnvoll in einem ETF-Portfolio einsetzen, lesen Sie in dem Buch „Das ETF-Portfolio“. Oder in Fairvalue. Hier entlang

Fairvalue-Kommentar

Die aktuellen Daten belegen erneut: Diversifikation lohnt sich. Das ETF-Portfolio 8, das die höchste Anzahl wenig korrelierter Anlageklassen enthält, liefert in unserem Live-Test bisher die besten Ergebnisse. Es ist das einzige Portfolio, das zusätzlich zu Gold auch einen Rohstoff-ETF enthält.

Es hat kaum jemand mitgekriegt, weil sich klassische und soziale Medien auf den Aktienmarkt konzentrieren, doch 2021 und 2022 lieferten Rohstoffe eine bessere Wertentwicklung als der Weltaktienmarkt. Allein 2022 betrug der Renditeabstand 38 Prozentpunkte: Der von uns verwendete Rohstoff-ETF erzielte ein Plus von 25,4 Prozent, der Weltaktienmarkt gemessen am MSCI All Country World Index dagegen ein Minus von gut 13 Prozent.

Einen Beitrag zur Stabilisierung aller Portfolios leistete der US-Dollar, dessen Kurs gemessen am Euro zeitweise um fast 17 Prozent anstieg. Diese Entwicklung dämpfte die Verluste von Anlegern aus dem Euroraum erheblich – vorausgesetzt sie hatten international diversifiziert. Seit 2008 befindet sich der US-Dollar in einem Aufwärtstrend, legte seitdem um mehr als 60 Prozent zu. Ob sich diese Währungsgewinne konservieren lassen, diskutieren wir ausführlich in der Analyse „Das Dollar-Dilemma„.

Ein glückliches Händchen hatten wir auch mit der Entscheidung im September 2020 europäische Immobilienaktien aus den Portfolios zu werfen. Seit damals machte dieses Segment einen Verlust von knapp 10 Prozent, während der Weltaktienmarkt um rund 31 Prozent anstieg. Der Renditeabstand zwischen dem Portfolio 7 mit und ohne Immobilienaktien beträgt mittlerweile fast 5 Prozentpunkte.

Wie die Fairvalue-ETF-Portfolios konkret zusammengesetzt sind und wie sie gemanagt werden, lesen Sie in dem Buch „Das ETF-Portfolio“. Und in dem Online-Ratgeber „Wie Sie ein fast unschlagbares ETF-Portfolio zusammenstellen“.

 

© Fairvalue, aktualisiert am 01.03.2023

Quellen

Eigene Recherchen und Berechnungen

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