Anlagestrategie

Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolio: Besser als der Weltaktienmarkt

Von Markus Neumann

Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolio

Alles im Gleichgewicht: Das Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolio.

Das Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolio ist eine passive Strategie aus sieben riskanten Anlageklassen. Ziel ist eine aktienähnliche Rendite bei einem geringeren Risiko. Auch im jüngsten Börsencrash haben sich diese Erwartungen erfüllt.

Im Jahr 2018 testete Fairvalue verschiedene Portfolios aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Basis von historischen Daten. Die in der Vergangenheit erfolgreichste strategische Asset Allocation war ein Portfolio aus sieben gleichgewichteten Anlageklassen. Diese Multi-Asset-Strategie haben wir ab Ende November 2018 live ins Rennen geschickt. Den sogenannten Backtest finden Sie in dem Beitrag ETF-Portfolio.

Langfristiges Ziel unseres ETF-Portfolios, das ausschließlich aus riskanten Anlageklassen besteht, ist die Erwirtschaftung einer ähnlichen Rendite wie die des MSCI World Index. Allerdings erwarten wir von unserem Portfolio geringere Wertschwankungen und damit eine gemessen am eingegangenen Risiko höhere Rendite. Die Rendite über dem sicheren Geldmarktzins pro Risikoeinheit drückt die Sharpe Ratio aus (siehe Tabellen). Mit langfristig meinen wir einen Zeitraum von 10 bis 35 Jahren.

Während starken Kursaufschwüngen am Weltaktienmarkt dürfte das ETF-Portfolio mit dem MSCI World nicht mithalten können. In Schwächephasen und bei Börsencrashs wird es sich aber besser entwickeln. Dafür sollen die riskanten Anleihen und Gold sorgen. Aber auch Nahrungsmittel- und Euro-Immobilienaktien zeigten sich in der Vergangenheit bei größeren Kursstürzen vergleichsweise stabil.

Im Großen und Ganzen ging unsere Rechnung auch während des jüngsten Kurssturzes, ausgelöst von der Corona-Pandemie, auf. Während der Weltaktienmarkt gemessen am MSCI World Index in der Spitze fast 34 Prozent an Wert verlor, waren die Verluste des Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolios um knapp 10 Prozentpunkte geringer (Stand: 27.03.2020).

Die Vermögensaufteilung

Das Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolio ist in der Grundversion eine passive Strategie, die jede Anlageklasse gleich gewichtet und auf aktives Portfolio-Management bewusst verzichtet. Lediglich die Portfolio-Anteile der einzelnen Anlageklassen setzten wir von Zeit zu Zeit auf ihre Startgewichtung zurück (Rebalancing). Dafür müssen die Abweichungen so groß sein, dass die relativen Kosten einer Umschichtung nicht unangemessen hoch ausfallen.

Anlegern, denen dieses Portfolio zu riskant erscheint, können es mit einem Anteil aus sicheren europäischen Staatsanleihen, Festgeld und Tagesgeld kombinieren (siehe unten), so dass die Vermögensaufteilung ihrem persönlichen Risikoprofil entspricht. Wie Sie die richtige Balance finden, erklärt unser Beitrag Asset Allocation.

Für das Portfolio haben wir die folgenden ETF ausgewählt. Die gewichteten durchschnittlichen Kosten dieser Fonds betragen 0,38 Prozent. Wie wir ETF selektieren, beschreibt der Artikel ETF-Empfehlungen.

Anlageklassen und ETF in der Übersicht

Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: Dezember 2019.

Der Startwert des Multi Asset ETF-Portfolios beträgt knapp 50.000 Euro, die wir am 30.11.2018 fiktiv investiert haben. Kaufkurse, Stückzahlen und die Gewichte der einzelnen Anlageklassen, zeigt die nächste Übersicht.

Das Startportfolio

Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Portfolio Visualizer, Fairvalue, Stand: Dezember 2019.

So entwickelte sich das Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolio

Die Gewinne, die seit dem Start des Portfolios aufgelaufen waren, haben sich in den vergangenen Wochen wegen des massiven Kurssturzes in Rauch aufgelöst (Stand: 24.03.2020). Von den sieben Anlageklassen notieren lediglich Gold und Schwellenländeranleihen noch im Plus. Bei unserer Berechnung haben wir angenommen, dass ausgezahlte Dividenden am Zahltag reinvestiert wurden.

Multi Asset ETF-Portfolio im Vergleich zum MSCI World

Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Fairvalue-Berechnungen, Stand: 24.03.2020.

Die Volatilität des ETF-Portfolios war deutlich niedriger als die des MSCI World

Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Fairvalue-Berechnungen, Stand: 24.03.2020.

Absolut betrachtet beträgt der Verlust des ETF-Portfolio -136 Euro vor Anschaffungskosten und Steuern. Diese Abzüge haben wir in unserer Kalkulation nicht berücksichtigt, weil sie für jeden Anleger unterschiedlich ausfallen.

Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Fairvalue-Berechnungen, Stand: 24.03.2020.

Tipp: Bleiben Sie über die Entwicklung unserer Portfolios immer auf dem Laufenden – mit dem kostenlosen Fairvalue-Newsletter.

Rebalancing lohnt sich noch nicht

Die unterschiedlichen Kursentwicklungen der einzelnen Anlageklassen haben zu einer Verschiebung ihrer Gewichte im Portfolio geführt, wie die nächste Tabelle zeigt.

Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Fairvalue-Berechnungen, Stand: 24.03.2020.

Gold hat nun einen Anteil von 20 Prozent. Die anderen Anlageklassen sind noch nahezu gleich gewichtet. Wir müssten Gold verkaufen und den Erlös auf die anderen sechs Anlageklassen aufteilen. Die daraus resultierenden Handelspositionen von jeweils rund 500 Euro sind uns aber noch zu klein, die relativen Handelskosten zu hoch, um jetzt ein Rebalancing durchzuführen.

Multi-Asset-Portfolio mit Risikomanagement

Im August 2019 untersuchten wir einfache Trendfolgestrategien auf Basis gleitender Durchschnitte wie der sogenannten 200-Tage-Linie. Ergebnis: Die Strategie eignet sich gut, um Kursverluste zu dämpfen. Überdurchschnittlich Renditen sind langfristig allerdings wenig wahrscheinlich. Zudem eigneten sich nicht alle Anlageklassen in unserem Portfolio für dieses Trendfolgekonzept.

In dieser Variante des Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolios setzen wir eine Trendfolgestrategie als aktives Risikomanagement ein. Allerdings nur bei den ETF auf dem MSCI World und den MSCI Emerging Markets. Liegen deren Kurse zum Monatsende unter der 200-Tage-Linie, wird diese Positionen verkauft. Wir steigen wieder ein, wenn die Notierungen wieder über die Linie steigen und sich dort bis zum Ende des Monats gehalten haben.

Am 28. Februar 2020 hatten die beiden ETF die 200-Tage-Linie gerissen, weswegen wir diese Positionen virtuell verkauften und den Erlös derzeit als unverzinsten Cash halten. Das bremste die Verluste spürbar, wie die Daten zeigen.

Fairvalue-Portfolio mit Trendfolgestrategie im Vergleich zu flexiblen Mischfonds

*Durchschnitt der Morningstar-Kategorie. Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Morningstar, Fairvalue-Berechnungen, Stand: 24.03.2020.

Verglichen mit flexiblen Mischfonds, die nach Belieben ihre Aktienquote herauf- und herunterfahren können, steht unsere Strategie ausgezeichnet da. Selbst Bert Flossbach, der als einer der besten deutschen Fondsmanager gilt, hat Mühe, das vergleichsweise simple ETF-Portfolio mit Trendfolgestrategie nach Kosten zu schlagen.

Natürlich zeigt sich die tatsächliche Qualität von Portfoliostrategien erst auf lange Sicht. Doch die vergangenen 15 Monate stellen gewissermaßen einen ganzen Marktzyklus im Zeitraffer dar: Auf den fulminanten Aufschwung im Jahr 2019 folgte der laut Marktbeobachtern schnellste Kurssturz in der Börsengeschichte. So gesehen ist die kurze Zeitspanne kein schlechter Indikator für die Zukunft.

ETF-Portfolios mit Euro-Staatsanleihen

Das Risiko des Fairvalue Multi Asset ETF-Portfolios lässt sich natürlich auch senken, indem Anleger weitgehend sichere Anlageklassen (siehe oben) beimischen. Wir vertreten die Ansicht, dass die meisten Anleger keine Euro-Staatsanleihen im Portfolio brauchen, weil sie in diese schon über private Altersvorsorgeverträge wie Riesterrenten und Kapitallebensversicherungen investieren.

Dennoch wollen wir Ihnen anhand von drei Portfolios zeigen, welche Wirkung es hat, wenn Sie einen Teil ihres Geldes in europäische Staatsanleihen investieren. Dadurch wird unsere Strategie auch mit verschiedenen Mischfondskategorien und mit den Portfolios digitaler Vermögensverwalter, sogenannte Robo-Advisors, vergleichbar.

In der sichersten Variante beträgt der Anteil riskanter Anlagen (unser Multi-Asset-Portfolio in der Grundversion) am Gesamtportfolio nur 30 Prozent. Der Rest steckt im Eurozone Government Bond ETF von Xtrackers, einem Indexfonds auf Euro-Staatsanleihen aller Laufzeiten mit guter Bonität.

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich drei verschiedene Mischungen seit November 2018 entwickelten. Bis zum 24. März 2020 erzielten die Anleihen eine Rendite von 7 Prozent, während das riskante Multi-Asset-Portfolio einen kleinen Verlust erlitt (siehe oben). Insofern sinkt die Rendite mit zunehmenden Risiko-Anteil.

Folgt auf den Corana-Crash ein erneuter Aufschwung an den internationalen Aktienmärkten, wird sich das Blatt wieder wenden. Dann sollten riskantere Portfoliomischungen auch wieder höhere Renditen liefern als weniger riskante.

Fairvalue-Portfolios mit Euro-Staatsanleihen lieferten eine überdurchschnittliche Wertentwicklung

*Durchschnitt der Morningstar-Kategorie. Quellen: ETF-Anbieter, Deutsche Börse, Morningstar, Fairvalue-Berechnungen, Stand: 24.03.2020.

Die Fairvalue-Portfoliomischungen haben laut den Daten der Website „Brokervergleich.de“, deren Validität wir nicht überprüfen können, jedes vergleichbare Robo-Advisor-Portfolio geschlagen, wobei die Renditedifferenz zwischen den einzelnen Anbietern gewaltig ist. Zwischen dem besten und dem schlechtesten klafft eine Lücke von 9,2 Prozentpunkten für den Zeitraum vom 1. Mai 2019 bis zum 29. Februar 2020. Auch die meisten Mischfonds liefen schlechter als unsere Portfolios.

Fairvalue-Kommentar

Der jüngste Börsencrash zeigt erneut, dass eine gute Diversifikation zwar nicht vor Verlusten schützt, aber sie wenigstens spürbar dämpfen kann. Insofern ist unsere Strategie weitgehend aufgegangen. Wir hatten bei einem Kurssturz eine noch bessere Wertentwicklung im Vergleich zum Weltaktienmarkt erwartet. Doch im schnellsten Börseneinbruch der Geschichte wurde alles massiv in die Tiefe gerissen, was nur entfernt nach Risiko roch. Selbst sichere Euro-Staatsanleihen verloren zeitweise knapp 5 Prozent an Wert.

Bemerkenswert (und unerwartet) ist vor allem der hohe Verlust von Immobilienaktien, die in nur vier Wochen mehr als 40 Prozent einbüßten. Unter Anleger macht sich offenbar die Angst breit, dass viele Unternehmen und auch private Haushalte ihre Miete nicht mehr bezahlen können oder wollen. Beispielsweise kündigte der Sportartikelhersteller Adidas an, keine Mietzahlungen mehr für seine geschlossen Shops leisten zu wollen – trotz eines gewaltigen Cash-Polsters, auf dem der Weltkonzern sitzt. Laut einem Bericht des Managers Magazins folgen auch andere Unternehmen, darunter H&M, diesem fragwürdigen Beispiel.

Fairvalue-Empfehlungen

Die Daten zeigen, dass es sich lohnt, die Verwaltung von Vermögen selbst in die Hand zu nehmen. Falls Sie unser ETF-Portfolio nachbauen möchten, sollten Sie sich dafür eine günstige Direktbank oder einen Onlinebroker suchen. Wir empfehlen die Wertpapierdepots von Comdirect*, Consorsbank* und Smartbroker*. Zwar ist auch die ING-Diba* auf unserer Empfehlungsliste. Doch über diese Bank können Sie kein Xetra Gold handeln. Bei den drei anderen Anbietern kostet die Verwahrung von Xetra Gold 0,357 Prozent vom Bestandswert pro Jahr. Bei einer Position in Höhe von 8000 Euro belaufen sich die jährlichen Kosten auf 28,56 Euro.

Hintergrund: Xetra Gold ist eine mit pyhsischem Geld gedeckte Schuldverschreibung. Die Goldbestände werden bei der Verwahrstelle Clearstream gelagert. Die wiederum verlangt dafür ein Entgelt. Diese Kosten reichen manche Depotbanken seit 2017 an ihre Kunden weiter. Andere haben sich dafür entschieden, keinen Handel mehr mit Xetra Gold abzuwickeln.

Details zu den Depot-Anbietern und weitere Empfehlungen finden Sie in unserem Depot-Vergleich.

Was der Stern* an manchen Links bedeutet

*Bei den mit einem Stern gekennzeichneten Links handelt es sich um Partner-Links, sogenannte Affiliate Links. Wenn Sie einen solchen Link anklicken und bei dem Partnerunternehmen einen Vertrag abschließen oder ein Produkt erwerben, erhält Fairvalue unter Umständen eine Provision. Ihnen entstehen daraus keine Nachteile, da das Budget für die Kundenwerbung bereits in den Preisen der Anbieter enthalten ist. Mit der Nutzung unserer Affiliate Links tragen Sie dazu bei, dass unser Informationsangebot kostenlos und damit für jedermann zugänglich bleiben kann. Mehr zu unserem Umgang mit Affiliate Links lesen Sie in dem Beitrag Über Fairvalue.

© Fairvalue, aktualisiert am 29.03.2020

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