Rentenfonds

Einen einfachen Zugang zu den Anleihemärkten bieten Rentenfonds. Anleger, die solche Fondsanteile kaufen, beteiligen sich an einem Portfolio, das aus einer Vielzahl von Anleihen besteht. Wegen der extrem niedrigen Zinsen sind Rentenfonds, die sichere Staatsanleihen enthalten, derzeit allerdings unattraktiv. In sehr großen gemischten Portfolios eignen sie sich noch zur Diversifikation.

Die Auswahl an Rentenfonds ist beträchtlich und fast jeder verfolgt eine andere Strategie. Zur groben Orientierung kategorisiert sie die Finanzindustrie nach folgenden Anlagekriterien:

  • Laufzeit: Es gibt Fonds, die nur in kurz- oder langlaufende Anleihen investieren. Andere mischen Papiere mit unterschiedlichen Laufzeiten.
  • Region: Viele Rentenfonds legen nur in bestimmten Ländern oder Regionen an. Etwa in Deutschland, dem Euroraum, den USA oder den Schwellenländern.
  • Rating: Viele Rentenfonds konzentrieren sich auf Emittenten, die mindestens über ein Investment-Grade-Rating verfügen. Andere sind auf hochverzinste Risikoanleihen mit schlechterer Bonität spezialisiert.
  • Emittent: Es wird vor allem zwischen Staats- und Unternehmensanleihen unterschieden. Eine Sonderrolle spielen Pfandbriefe als besicherte Bankanleihen.

Für vorsichtige Anleger, die trotz der schlechten Renditeaussichten in Rentenfonds investieren wollen, kommen nur solche in Frage, die entweder ausschließlich Euro-Anleihen kaufen oder Fremdwährungsrisiken absichern. Denn hohe Wechselkursschwankungen können eine sichere Rentenanlage zu einem Investment mit hohem Risiko machen.

Die Anleihen sollten darüber hinaus von Emittenten stammen, denen die Ratingagenturen eine gute Bonität bescheinigen. Das gilt sowohl für Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen. In die engere Wahl gehören auch Fonds, deren Schwerpunkt auf deutschen Pfandbriefen und deren europäischen Pendants (Covered Bonds) liegt.

Die Kurse von Rentenfonds, die sich auf Anleihen mit kurzen Laufzeiten konzentrieren, schwanken am wenigsten. Dafür sind ihre Renditen in der Regel aber auch geringer. Wer den goldenen Mittelweg beschreitet und sich für Fonds entscheidet, die in ein breites Laufzeitenspektrum investieren, ist gut positioniert.

Passive und aktive Rentenfonds

Anleger können zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds wählen. Passive Fonds bilden einen Index nach, der Anleihen enthält. Sie sind besser bekannt als börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF (Exchange Traded Funds). Ein ETF entwickelt sich ähnlich wie der Index, auf den er sich bezieht, also in etwa wie der Marktdurchschnitt, den der Index repräsentiert. Das macht diese Geldanlage so einfach nachvollziehbar und transparent. Steigt der Index, steigt der Fonds.

Es gibt eine Vielzahl von Rentenindizes mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten, auf die spezialisierte Fondsgesellschaften Indexfonds anbieten. Haben Anleger einmal die richtige Indexauswahl getroffen, können sie die entsprechenden Fonds auf Jahre hinaus in ihren Depots behalten, ohne sie ständig überwachen zu müssen. Deshalb sind Indexfonds vergleichsweise pflegeleichte Produkte, die sich für langfristig ausgerichtete Depots eignen.

Allerdings ist ihre Konstruktion bisweilen kompliziert und nicht vollkommen ohne Risiken. Denn viele Indexfonds enthalten überraschenderweise nicht die Wertpapiere, deren Entwicklung sie nachzeichnen. Wie Indexfonds im Detail funktionieren, lesen Sie hier.

Bei aktiv gemanagten Fonds suchen Fachleute die Anleihen aus. Sie mischen meist verschiedene Arten von Papieren. Aktive Fonds bieten die Chance besser abzuschneiden als der Marktdurchschnitt. Sehr häufig bleiben sie jedoch hinter dem Markt zurück. Für private Anleger ist es kaum möglich im Vorfeld zu identifizieren, welcher Rentenfonds in der Zukunft überdurchschnittlich abschneiden wird. Dabei helfen auch keine quantitativen Fondsratings, etwa von der Stiftung Warentest oder von Morningstar. Sie haben keine Prognosekraft.

Böse Überraschungen mit Mogelpackungen

Aktive Rentenfonds haben aber noch einen anderen Haken: Manche, die jahrelang als sicher galten, entpuppten sich 2008 nach dem Ausbruch der Finanzkrise als Mogelpackung. Sie hatten nicht nur in solide Anleihen, sondern auch in riskantere Papiere investiert, die in der Krise erheblich an Wert verloren. Einige Rentenfonds fielen um mehr als 20 Prozent.

Zwar herrschte 2008 und 2009 eine seltene Ausnahmesituation an den Märkten, doch wer vor bösen Überraschungen sicher sein will, muss sich vor dem Kauf eines aktiven Rentenfonds genau informieren, wie weit die Freiheit des Managers reicht. Darf er auch risikoreichere Wetten eingehen, sollten vorsichtige Anleger genau überlegen, ob sie das auch wollen. Allerdings: Je stärker der Handlungsspielraum eines Fondsmanagers beschnitten wird, desto schlechter sind die Aussichten, dass er ein besseres Ergebnis als der Marktdurchschnitt erwirtschaftet. Das kann gerade in Zeiten sehr niedriger Zinsen ein erheblicher Nachteil sein.

Die Kosten von Rentenfonds im Vergleich

Börsengehandelte Indexfonds haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind günstig. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn die Anleihe-Renditen sehr niedrig sind. Ihre jährlichen Verwaltungskosten betragen nicht selten weniger als 0,2 Prozent pro Jahr.

Aktiv gemanagte Fonds verlangen dagegen zwischen 0,5 und 1 Prozent, die dem Anleger vom Ertrag abgezogen werden.

Auch die einmaligen Kaufkosten aktiver Fonds sind deutlich höher. Der sogenannte Ausgabeaufschlag, den die Fondsgesellschaften erheben, kann 2,5 bis 3 Prozent des Kaufpreises betragen. Deswegen fahren manche Fonds in einer Niedrigzinsphase im ersten Jahr automatisch einen Verlust ein, weil Kauf- und Verwaltungskosten die Rendite übersteigen.

Bei ETF, die über eine Bank oder einen Broker an einer Börse gekauft werden, ist das in der Regel sehr unwahrscheinlich. Anleger bezahlen nur den Spread, der bei vielen Rentenindexfonds im Schnitt zwischen 0,04 und 0,3 Prozent rangiert. Hinzu kommen noch die Kosten für die Nutzung des Börsenplatzes und für den Broker, die sich zusammen auf etwa 0,3 Prozent summieren, wenn die Order gut 5.000 Euro beträgt. Bei kleineren Anlagebeträgen steigen die Transaktionskosten im Verhältnis an.

© Fairvalue 30.10.2017

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