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Fremdwährungsanleihen

Während der Eurokrise flüchteten Anleger scharenweise in Fremdwährungsanleihen – aus Angst vor einem Währungscrash. Derzeit schielen Investoren wegen der rekordniedrigen Zinsen in Deutschland und in der Eurozone in andere Währungsräume, vor allem in die USA. Doch Anleihen in Fremdwährungen sind alles andere als sicher. Hohe Wechselkursverluste sind jederzeit möglich.

Als die Krise in Europa hochkochte und manche Schwarzmaler einen Zusammenbruch der Eurozone für möglich hielten, flohen viele Anleger ins Ausland. Sie investierten ihr Geld in Anleihen von sicheren Ländern mit anderen Währungen – aus Angst vor einem Wertverlust ihres Vermögens. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala standen Fremdwährungsanleihen der Schweiz sowie von Norwegen, Schweden und Dänemark. Viel Anlagekapital floss aber auch nach Australien, Kanada, Hongkong, Singapur und in den japanischen Yen, der wie Schweizer Franken als sogenannter sicherer Hafen gilt.

Derzeit liebäugeln viele Anleger mit Staatsanleihen der USA, wo die Zinsen im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen deutlich höher sind. Rund 2,5 Prozentpunkte beträgt die Differenz (siehe Tabelle).

Zinsabstand zwischen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen (in %)

Quellen: Trading Economics, Deutsche Finanzagentur, Stand: August 2019.

Fremdwährungsanleihen sind wegen der Wechselkursschwankungen riskant

Doch wer als Bundesbürger Fremdwährungsanleihen von Staaten kauft, legt sich alles andere als eine sichere Geldanlage ins Depot – auch wenn deren Rating erstklassig ist. Zwar ist die Ausfallwahrscheinlichkeit bei solchen Staatsanleihen ähnlich niedrig wie bei Bundesanleihen. Aber das Wechselkursrisiko ist beträchtlich.

Denn bei Fremdwährungsanleihen werden Tilgung und Zinsen in der jeweiligen Auslandswährung bezahlt und dann von der Bank in Euro umgetauscht. Falls die Auslandswährung gegenüber dem Euro gestiegen ist, macht der Anleger einen zusätzlichen Wechselkursgewinn, der den Ertrag aus den festen Zinsen der Anleihe deutlich übersteigen kann. Umgekehrt sind aber auch hohe Verluste möglich, die den Zinsvorteil deutlich übersteigen können.

Von Anfang 2009 bis Mitte 2012 waren Wetten gegen den Euro ein Selbstläufer. Das nährte unter Anlegern aus dem Euroraum die Illusion von Sicherheit. Die Währungen, in die ihr Geld floss, werteten zum Teil kräftig auf.

Doch seit die Europäische Zentralbank (EZB) versprach, den Euro um jeden Preis zu retten, ist dieser Trend gestoppt. Gegenüber dem kanadischen, dem australischen und dem Singapur-Dollar gewann die europäische Gemeinschaftswährung beispielsweise wieder an Wert.

Weil sich Wechselkurse nicht zuverlässig vorhersagen lassen und von einer Vielzahl von Marktfaktoren und politischen Eingriffen beeinflusst werden, haben Fremdwährungsanleihen eher den Charakter von riskanten Devisenmarktspekulationen als von festverzinsten Wertpapieren. Berechnungen zufolge sind bis zu 95 Prozent ihrer Wertschwankungen auf Veränderungen der Wechselkurse zurückzuführen.

Noch riskanter als Hartwährungsanleihen sicherer Staaten sind Schwellenländeranleihen in US-Dollar und sogenannte Lokalwährungsanleihen. Letztere sind Staatsanleihen aus Schwellenländern, die in deren schwankungsanfälligeren Währung emittiert sind. Beispielsweise hat sich der Wert des brasilianischen Real gegenüber dem Euro zwischen 2013 und 2018 halbiert. Wegen hoher Verluste auch mit anderen Währungen aufstrebender Staaten haben Anleger aus der Eurozone in diesem Zeitraum mit einem diversifizierten Portfolio aus Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen nichts verdient – trotz hoher Zinsen.

So sichern Sie den Wechselkurs von Fremdwährungsanleihen ab

Natürlich lassen sich Wechselkursrisiken absichern. Doch das kostet Geld. Unter Umständen so viel, dass eine Investition in Fremdwährungsanleihen sinnlos ist, falls die Rendite im Vordergrund steht.

Grundsätzlich lohnt sich eine Anlage in Anleihen in Fremdwährungen nur, wenn die Zinsen im Ausland höher sind. Um den Wechselkurs abzusichern, muss ein Anleger zeitgleich einen Kredit in der Fremdwährung in Höhe der Summe aufnehmen, die er in die Auslandsanleihen investiert. Das geliehene Geld wiederum wird im Heimatland zum dortigen Zins angelegt.

Auf diese Weise wird die Position in der Fremdwährung neutralisiert. Fällt die Auslandswährung, sinkt zwar der Wert der Fremdwährungsanleihen. Gleichzeitig sinkt aber auch der Wert des Kredits, während der relative Wert des in Euro angelegten Darlehens steigt. Dieser Gewinn kompensiert den Anleger für den Wechselkursverlust mit den Fremdwährungsanleihen.

Kosten der Absicherung können höher als der Zinsvorteil sein

Zu Buche schlagen aber die Kosten der Absicherung, die aus der Differenz zwischen dem Zins im Ausland und dem im Inland resultieren. Maßgeblich meist die kurzfristigen Zinsen am Geldmarkt, weil das Absicherungsvolumen wegen der Wertschwankungen von Anleihen alle ein bis drei Monate angepasst wird.

In den USA betrug der Zins Anfang August 2019 für eine Staatsanleihe mit einer Restlaufzeit von einem Monat 2,01 Prozent pro Jahr. In Deutschland gab es für dieselbe Laufzeit jährlich -0,53 Prozent. Somit beliefen sich die Absicherungskosten auf 2,54 Prozentpunkte.

Angenommen ein Anleger investiert in ein gemischtes Portfolio aus Fremdwährungsanleihen in den USA mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von sieben Jahren. Die Rendite dafür betrug 1,96 Prozent pro Jahr. In Deutschland hätte der Anleger dagegen mit -0,65 Prozent einen jährlichen Verlust gemacht, also – absurderweise – dafür bezahlt, dass er dem Staat Geld leihen darf. Zinsdifferenz: 2,61 Prozent.

Doch von diesem üppigen Zinsvorteil bleibt für Anleger nichts übrig, weil die Kosten für die Wechselkursabsicherung fast ebenso hoch sind. Noch nicht eingerechnet sind dabei Transaktionskosten. In der Praxis wickeln Investoren ihre Absicherungsgeschäfte nicht über Kreditaufnahmen ab. Das wäre viel zu umständlich. Es gibt Finanzprodukte, etwa Forwards und Futures, die die Kreditaufnahme im Ausland und die Anlage der Summe im Inland abbilden. Der Handel mit diesen Instrumenten kostet Geld, so wie mit allen anderen Wertpapieren auch. Berücksichtigt man diese Kosten, wäre der jährlich Verlust den ein Anleger mit US-Staatsanleihen machen würde noch größer als der mit Bundesanleihen.

Fairvalue-Empfehlung

Damit sich für einen deutschen Anleger die Anlage in wechselkursabgesicherte Fremdwährungsanleihen lohnt, muss die langfristige Zinsdifferenz deutlich größer sein als die kurzfristige. Das ist oft der Fall, aber eben nicht immer. Anleger sollten deswegen zuerst einen Blick auf die Zinsstrukturkurven im In- und Ausland werfen, bevor sie in Fremdwährungsanleihen mit Wechselkursabsicherung investieren. Einen aktuellen Überblick zu den Renditen ausländischer Staatsanleihen liefert Trading Economics.

Ohne Währungsabsicherung sind Fremdwährungsanleihen für Privatanleger wegen der Wechselkursschwankungen kaum geeignet. Sie machen aus eigentlich sicheren Staatsanleihen von Herausgebern mit hoher Kreditwürdigkeit riskante Anlagen.

Bei Schwellenländeranleihen, die eher aktienähnliche Eigenschaften haben und deshalb immer dem riskanten Teil des Portfolios zugerechnet werden sollten, sprechen einige Argumente gegen eine Wechselkursabsicherung. Lesen Sie dazu unsere ausführliche Analyse zu Emerging-Markets-Bonds, die sich sehr gut eignen, um ein Aktienportfolio zu optimieren.

Kleinanleger sollten nur über Rentenfonds in Fremdwährungsanleihen investieren. Diese Fonds enthalten eine Vielzahl von Anleihen in unterschiedlichen Währungen. Wegen der breiten Streuung sinkt das Risiko. Manche Fonds sichern Währungsrisiken zudem zum Teil ab.

Tipp: Sie können viel Geld sparen, wenn Sie ihre Wertpapiergeschäfte über eine günstige Direktbank oder einen Online-Broker abwickeln. Für Anleger mit weniger Börsenerfahrung empfehlen wir das Wertpapierdepot der ING-Diba*. Gute Alternativen sind Comdirect*, Consorsbank* und DKB*. Erfahrene Anleger, die viel handeln, sind bei der Onvista Bank* richtig. Details zu diesen Anbietern und weitere Empfehlungen finden Sie in unserem Depot-Vergleich.

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© Fairvalue, aktualisiert am 01.08.2019

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