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Ein Entnahmeplan mit ETF ist erste Wahl

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Wer im Alter auch von seinem Vermögenleben möchte und etwas Risiko tragen kann, liegt mit Aktien-ETF richtig. Wegen der Handelskosten ist in diesem Fall ein fertiges Entnahme-Produkt günstiger als ein selbstgemanagter Auszahlplan.

Fondsauszahlpläne funktionieren im Prinzip genauso wie Bankauszahlpläne. Der Unterschied besteht darin, dass die eingezahlte Summe in einen oder mehrere Fonds fließt. Die Fonds kann sich der Bankkunde aussuchen. Er hat die Wahl zwischen Rentenfonds, Mischfonds und Aktienfonds. Renten- und Mischfonds empfiehlt  Fairvalue derzeit nicht. Sie enthalten Anleihen, deren Renditeaussichten in den kommenden zehn Jahren sehr gering sind, unabhängig davon wie sich die Zinsen entwickeln. Das zeigen prognosefreie Modellrechnungen.

Ein Auszahlplan mit Fonds ist deutlich flexibler als ein Bankauszahlplan. Ersterer kann in der Regel jederzeit gekündigt und auch die Höhe der Auszahlungen kann angepasst werden.

Allerdings schwankt die Wertentwicklung von Fonds. Deswegen sind Fondauszahlpläne deutlich riskanter. Es lässt sich nicht genau Voraussagen, wie lange das eingezahlte Geld reicht oder wie hoch die monatlichen Auszahlungen über einen festgelegten Zeitraum ausfallen werden. Sie können weit über denen einer festverzinslichen Anlage, aber eben auch darunter liegen.

Das gilt vor allem für Aktienfonds, die in der Regel stärker schwanken als Renten- und Mischfonds. Dennoch sind Aktienfonds derzeit die vernünftigste Wahl für einen Entnahmeplan mit Fonds. Wir empfehlen börsengehandelte Indexfonds (ETF), die die Wertentwicklung von Aktienindizes wie dem MSCI World nachbilden.

Langfristig sind Aktien-ETF gar nicht so riskant

Auf lange Sicht waren ETF auf den MSCI World gar nicht so riskant, wie viele meinen. Seit 1970 betrug die niedrigste durchschnittliche Jahresrendite, die ein Anleger in einem Zeitraum von 20 Jahren erzielte, immerhin noch rund 2,6 Prozent. Diejenigen, die den besten Einstiegszeitpunkten erwischten, verbuchten eine durchschnittliche Wertentwicklung von etwa 15,6 Prozent pro Jahr. Beides sind Extremwerte. Am häufigsten lag die durchschnittliche Jahresrendite über 20-Jahres-Zeiträume zwischen 6 und 8 Prozent, wie die Grafik zeigt. Die Wahrscheinlichkeit eine Rendite unter 4 Prozent zu erzielen, betrug lediglich 4 Prozent.

Welche Auszahlungen 50.000 Euro einbringen

Eine Anlagesumme von 50.000 Euro führt bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 4,5 Prozent zu einer monatlichen Auszahlung von 321,7 Euro, falls das Anfangskapital in einem Zeitraum von 20 Jahren verbraucht werden soll. Liegt die Rendite bei 6,5 Prozent beträgt die monatliche Auszahlung 365,29 Euro (siehe Tabelle).

Durchschnittliche monatliche Auszahlung bei Kapitalverzehr innerhalb von 20 Jahren bei … Prozent Rendite (Anlagebetrag 50.000 Euro)

Quelle: Zinsen-berechnen.de

Soll die Anlagesumme nicht angetastet werden, ist bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 6,5 Prozent eine ewige Monatszahlung von 261,62 Euro möglich. Fachleute sprechen von einer ewigen Rente, die nur aus den Erträgen der Fondsanlage finanziert wird.

Durchschnittliche monatliche Auszahlung bei Kapitalerhalt (ewige Rente) bei … Prozent Rendite (Anlagebetrag 50.000 Euro)

Quelle: Zinsen-berechnen.de

Diese Betrachtungen haben allerdings einen entscheidenden Haken. Die durchschnittliche Jahresrendite eines Aktien-ETF ergibt sich aus den tatsächlich realisierten Renditen pro Jahr, die weit auseinander liegen können und nicht vorhersehbar sind. Eine gleichbleibende monatliche Auszahlung wie in unseren Beispielrechnungen lässt sich für einen festgelegten Zeitraum nicht realisieren. Anleger können natürlich immer die gleiche Summe entnehmen, aber dann wissen sie nicht, wie lange das Geld reicht.

Auszahlungsstrategien für Aktienfonds

Grundsätzlich ist es bei einem Auszahlplan mit Aktienfonds sinnvoll, die Entnahmen an die jeweilige Börsenphase anzupassen. Läuft es gut, wird mehr ausgezahlt, fallen die die Börsen, entnehmen Anleger weniger. Auf diese Weise schöpfen sie Gewinne ab und schonen in Abschwüngen das Anlagekapital. Der Effekt: In nachfolgenden Erholungen sind die absoluten Erträge umso höher, je größer der noch verbliebene Anlagebetrag beziehungsweise die Anzahl der Fondanteile ist.

Die Zeitschrift Finanztest schlägt beispielsweise folgende Strategie vor:

Die Auszahlung wird jeden Monat nach einer einfachen Formel neu berechnet. Teilen Sie das jeweilige Guthaben durch die Anzahl der verbleibenden Laufzeit-Monate. Das Ergebnis ist der jeweilige Auszahlungsbetrag. Zusätzlich wird jeder Euro entnommen, der über die Anfangssumme hinausgeht.

Beispiel: Bei einem Anfangsbetrag von 50.000 Euro und einer Laufzeit von 20 Jahren ergibt sich als erste Rate am Monatsanfang ein Betrag von rund 208 Euro. Steigt der Weltaktienmarkt bis zum Monatsende beispielsweise um 1,5 Prozent, klettert das Anlagekapital auf etwa 50539 Euro. Die nächste Auszahlung beträgt dann 539 Euro. Wäre der Aktienmarkt dagegen um 1,5 Prozent gefallen, sähe die Rechnung anders aus. Die zweite Auszahlung würde sich auf rund 205 Euro summieren.

Wer sein Kapital nicht verbrauchen will, entnimmt nur die Gewinne. Bei fallenden Börsen müssen Anleger dann auf Auszahlungen verzichten. Das ist aber unter Umständen zu verschmerzen, wenn zuvor bei steigenden Aktienmärkte vergleichsweise hohe Summen ausgezahlt werden konnten. Im Schnitt sind die Auszahlungen natürlich niedriger im Vergleich zu einer Variante mit Kapitalverzehr (siehe oben).

Fondsauszahlpläne mit Fest- und Tagesgeld mischen

Anleger können das Risiko eines Entnahmeplans mit Aktien-ETF senken, indem sie einen Teil ihres Geldes auf Tages- und Festgeldkonten anlegen. Beispielsweise könnte eine Hälfte in einen ETF auf den MSCI World fließen und die andere in festverzinsliche Anlagen. Dadurch sinken allerdings auch die Renditeaussichten. Je nach Risikoneigung kann der Aktienanteil höher oder niedriger gewichtet werden.

Für die Entnahme bietet sich folgende Strategie an: Laufen die Börsen gut, entnehmen Sie die Gewinne aus dem Aktienfondsanteil. Das anfängliche Aktienkapital sinkt also nur, wenn die Börsen fallen. In diesen Phasen tasten Sie den Fonds nicht an und bestreiten die Auszahlungen aus dem festverzinslich angelegten Kapital. Erst wenn das verbraucht, greifen Sie auf das Fondskapital zu, auch wenn es unter die Anfangssumme gesunken ist.

Die Entnahmen aus dem Fondsvermögen ergeben sich aus der Börsenentwicklung. Auszahlungen aus dem festverzinslichen Guthaben können Sie nach der oben beschriebenen Methode berechnen: Das vorhandene Gesamtkapital (ETF + festverzinsliche Anlagen) geteilt durch die Restlaufzeit (in Monaten) ergibt den jeweiligen Auszahlungsbetrag.

Die Kosten von Auszahlplänen mit Aktien-ETF

Aktien-ETF haben zwar deutlich niedrigere Verwaltungskosten als klassische Aktienfonds mit Manager. Doch wenn es ums Verkaufen geht, sind sie im Nachteil. Weil ETF über Börsen gehandelt werden, fallen bei jedem Verkauf Transaktionskosten an. Gemanagte Fonds können dagegen kostenlos an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden.

Wir haben günstige ETF-Auszahlpläne, die die Zeitschrift Ökotest in einer Untersuchung im April 2015 aus dem großen Angebot herausgefiltert hat, mit einem selbstgemachten Auszahlplan verglichen, der über die Depotbanken mit den niedrigsten Transaktionskosten abgewickelt wird. Als Indexfonds haben wir den ETF auf den MSCI World von Comstage (LU0392494562) gewählt. Er hat bei den verglichenen Auszahlplan-Anbietern die niedrigsten Verkaufskosten.

Das Ergebnis: Die Fertigprodukte sind preiswerter als der Selfmade-Auszahlplan. Das Angebot der Fondsdepotbank, das der Finanzvermittler AVL vertreibt, ist derzeit am günstigsten, gefolgt von dem Auszahlplan von ebase, den ebenfalls AVL vermittelt.

Bei einem Anfangskapital von 50.000 Euro und einer Laufzeit von 20 Jahren sparen Anleger bei monatlichen Auszahlungen rund 1000 Euro im Vergleich zu einem selbstgemachten ETF-Auszahlplan. Für unsere Berechnungen haben wir eine durchschnittliche Aktienrendite von 6,7 Prozent pro Jahr und gleichmäßige Auszahlungen unterstellt.

Bei einem Do-it-yourself-Plan ist es am günstigsten, vierteljährliche Auszahlungen zu wählen. Dann verringert sich die Differenz zu den Fertigprodukten auf rund 500 Euro. Die Kosten lassen sich noch weiter senken, wenn Sie sich nur halbjährlich oder jährlich größere Beträge ausschütten. Doch dann steht weniger Kapital zur Verfügung, das an der Börse Erträge erwirtschaften kann. Dieser negative Effekt überwiegt den Kostenvorteil.

Empfehlung

Wer eine vernünftige Rendite anstrebt, liegt mit Aktien-ETF-Auszahlplänen richtig. Selbst bei einer langfristig unterdurchschnittlichen Börsenentwicklung von 4,5 Prozent pro Jahr lassen sich damit ewige Renten erwirtschaften, die ähnlich hoch sind wie eine garantierte Sofortrente  – mit dem Unterschied, dass Ihr Kapital erhalten bleibt, auf das Sie zudem jederzeit zugreifen können. Der Nachteil: Es gibt keine Garantien, Verluste sind möglich und die Höhe der Auszahlungen schwankt.

Ein Bankauszahlplan kommt wegen der niedrigen Verzinsung derzeit gar nicht in Frage. Mit gutem Festgeld und Tagesgeld fahren Sie besser.

© Fairvalue 19.09.2017

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