Schuldenquote

Schrumpfkuren für Staatsschulden – Die Tricks der Politik

Staatsschulden sind bei hoher Inflation und Wachstum kein Problem

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Regierungen können die relativen Staatsschulden senken, ohne einen Cent von dem geliehenen Geld zurückzuzahlen. Dafür gibt es verschiedene Stellschrauben, an denen Politiker drehen können. Doch letztlich ist ihr Einfluss auf die Schuldenquote und den Markt begrenzt.

Die Staatsschulden eines Landes werden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Deswegen ist immer von „Schuldenquoten“ die Rede. Nur mit solchen relativen Kennzahlen lässt sich die Verschuldung einzelner Länder sinnvoll vergleichen. Ein kleines Land kann unter einer Kreditlast von 200 Milliarden Euro zusammenbrechen, für ein großes Land wie die USA wäre eine solche Summe marginal.

Die relative Staatsschuldenmessung ermöglicht die Senkung der Schuldenquoten mit Hilfe von niedrigen Zinsen. Wenn sich ein Staat rechnerisch von seinen Schulden befreien will, muss das nominale BIP schneller steigen als der Schuldenberg. Dann sinkt die Schuldenquote.

Das nominale BIP misst die Menge aller in einer Volkswirtschaft produzierten Güter und Dienstleistungen zu aktuellen Preisen, enthält also auch die Teuerungsrate. Wenn man die Inflation herausrechnet, erhält man das reale BIP. Dessen Wachstumsrate zeigt, um wie viel die Menge der hergestellten Güter und Dienstleistungen gestiegen (oder gesunken) ist. Das nominale BIP steigt also jährlich in Höhe der Inflationsrate und der realen Wachstumsrate.

Angenommen die Zinsen für die Staatsschulden im Inland wären genauso hoch wie die Inflationsrate. Dann könnte die Regierung die Zinsen vollständig mit neuen Krediten bezahlen, ohne dass die für die Kreditwürdigkeit entscheidende Schuldenquote anstiege. Denn das BIP würde dann ja mindestens so schnell wie die Schulden wachsen. Falls das BIP auch real zunimmt, würde die Schuldenquote um diese Rate Jahr für Jahr abnehmen.

Ideal für eine Regierung wäre natürlich eine Inflation, die höher als der Zins ist. Dann würde die Schuldenquote noch schneller sinken – nämlich in Höhe des negativen Realzinses plus des realen Wachstums. Die Staatsschulden würden zwar von Jahr zu Jahr um die kreditfinanzierten Zinsen wachsen, aber gemessen am nominalen BIP würden sie jährlich kleiner, weil sie mit einer deutlich geringeren Rate wachsen als das nominale BIP. Auf diese Weise verschwindet ein Schuldenberg, ohne jemals Zinsen und Tilgung zu bezahlen.

Fazit: Regierungen lieben niedrige Zinsen. Zwar droht Anlegern in Sachen Inflation derzeit keine Gefahr und Regierungen haben wenig Mittel, daran etwas zu ändern. Doch Staaten haben ein handfestes Interesse an niedrigen Zinsen und können sie auch erzwingen. Da die Staatsschulden in vielen europäischen Ländern trotz Sparprogrammen weiter steigen, müssen sich Anleger voraussichtlich längerfristig mit sehr niedrigen Zinsen arrangieren.

© Fairvalue, aktualisiert am 27.12.2018

Fotografie: Alice Pasqual / Unsplash

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