- Lesetipp -

Devisenhandel

Finanzprodukte zur Absicherung von Wechselkursen: Eine Marktübersicht

Zur Wechselkursabsicherung setzen Investoren vor allem Termingeschäfte ein

Lieber Cash als Finanzprodukte: Devisenhändler in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka.

Wenn sich professionelle Investoren vor Wechselkursschwankungen schützen wollen, schließen sie Termingeschäfte ab. Sie sind günstig und erfordern nur einen geringen Kapitaleinsatz. Auch Privatanleger können solche Kontrakte nutzen.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Devisentermingeschäfte. Sie sind im Detail unterschiedlich ausgestaltet, funktionieren aber alle nach demselben Grundprinzip: Bei einem Devisentermingeschäft vereinbaren zwei Parteien den Austausch von zwei Währungen zu einem vorher festgelegten Kurs zu einem ebenfalls vorher festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft. Bei Abschluss des Geschäfts muss nur ein kleiner Teil der vereinbarten Summe als Sicherheit hinterlegt werden, die sogenannte Margin. Der vollständige Betrag wird erst bei Fälligkeit des Kontraktes bezahlt (falls der Terminkontrakt solange gehalten wird). Daraus resultiert die Hebelwirkung von Termingeschäften.

Wer eine Aktienanlage in den USA gegen Wechselkursrisiken absichern möchte, muss als Euro-Investor US-Dollar auf Termin verkaufen. Der Anleger vereinbart also mit seinem Broker zum heutigen Wechselkurs in beispielsweise drei Monaten US-Dollar gegen Euro zu tauschen. Eine solche Short-Position impliziert eine Kreditaufnahme in der Fremdwährung. Denn gäbe es keine Terminkontrakte, müssten Anleger, um mit dem Wechselkurs des heutigen Tages ihre Aktien abzusichern, einen Kredit in Höhe der Anlagesumme in US-Dollar aufnehmen und das Geld sofort in Euro tauschen.

Die Zinsdifferenz zwischen In- und Auslandswährung entspricht den Absicherungskosten

Die Euro wiederum können für die Laufzeit des Kredites in eine sichere Zinsanlage investiert werden. Die Absicherungskosten, die dann entstehen, resultieren aus der Differenz zwischen den Kosten für die Kreditaufnahme und den Einnahmen aus der Anlage, also aus der Differenz zwischen Auslands- und Inlandszins.

Diese Zinsdifferenz wird auf den jeweiligen Tageswechselkurs (Kassakurs) aufgeschlagen, woraus sich der Terminkurs ergibt. Liegt der Terminkurs unter dem Kassakurs wird im Bankenjargon von einem Abschlag oder Discount gesprochen. Der Inlandszins liegt dann über dem im Ausland. Im umgekehrten Fall, wenn der Terminkurs höher ist als der Kassakurs, zahlen Anleger einen „Aufschlag“ (Premium). Die Zinsen sind dann im Ausland höher.

Die Zinsdifferenz zwischen zwei Währungsräumen lässt sich am sogenannten Swap-Satz ablesen, der von Banken und Brokern in der Regel angegeben wird.

Sie wichtigsten Terminkontraktarten auf Devisen im Überblick   

Devisenforwards

Devisenforwards sind individuell ausgehandelte Währungstermingeschäfte zwischen zwei Parteien, beispielsweise zwischen einem Investmentfonds, der Wechselkursrisiken absichern will, und einer Bank. Der Vorteil: Die Kontrakte können exakt auf die Bedürfnisse eines Kunden zugeschnitten werden. Forwards sind die weltweit am häufigsten genutzte Kontraktart. Dabei handelt es sich um außerbörsliche Devisengeschäfte, sogenannte Over-the-Counter- oder kurz OTC-Geschäfte.

Währungsfutures

Währungsfutures sind dagegen standardisierte Verträge, die an Börsen gehandelt werden. Typische Laufzeiten sind drei, sechs und zwölf Monate. Der weltweit größte Handelsplatz für Devisengeschäfte ist die Chicago Mercantile Exchange (CME) mit Niederlassungen an allen wichtigen internationalen Finanzplätzen.

Über das elektronische Handelssystem der CME können Devisenfutures von jedem Ort auf der Welt rund um die Uhr gehandelt werden. Das Volumen eines klassischen Währungsfuture beträgt an der CME zwischen 100.000 und 200.000 Einheiten der jeweils gehandelten Währung. Kontrakte auf den Euro gibt es in den Größen 125.000 und 62.500 Euro. Mittlerweile bietet die CME aber auch sogenannte Mini-Futures an. Auf den Euro beträgt das Volumen 12.500 Euro – eine Größe die auch für viele Privatanleger handelbar ist.

Wegen der Standardisierung der Verträge sind die Transaktionskosten von Devisenfutures relativ gering. Sie sind das kostengünstigste Instrument, um sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern.

Auch wenn Privatanleger über ihren Broker Zugang zur CME haben, sind ihre Transaktionskosten im Vergleich zu institutionellen Anlegern höher, zeigen Untersuchungen. Denn Broker verdienen am sogenannten Spread, der Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs eines Futures. Gut informierte Großanleger wie Fonds spielen beim Handel ihre Marktmacht aus und drücken die Spreads nach unten. Professionelle Anleger verfügen über die technische Infrastruktur, um die Differenz zwischen An- und Verkaufspreisen bei verschiedenen Händlern miteinander zu vergleichen. Zudem werfen sie ihr Transaktionsvolumen in die Waagschale. Die Verhandlungsposition eines Privatanlegers, der nur 10.000 Euro handeln will, ist ungleich schlechter. Mehr zu Futures.

Optionsscheine 

Anders als bei Futures und Forwards, die am Fälligkeitstag zum physischen Austausch der jeweiligen Währungen verpflichten, erwirbt der Käufer eines Optionsscheins nur das Recht, eine Währung zu einem vorher festgelegten Kurs während der Laufzeit (oder zu einem bestimmten Zeitpunkt) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Es steht dem Käufer frei, die Option auszuüben oder sie verfallen zu lassen. Der Verkäufer des Optionsscheins erhält vom Käufer den Optionspreis als Prämie.

Ein Optionsschein ist eine Art Risikoversicherung, deren Preis mit zunehmender Volatilität des Basiswertes steigt. Die Notierungen werden noch von einer Reihe weiterer Faktoren bestimmt. Und auch der Hebel schwankt über die Zeit. Wer Optionsscheine erfolgreich einsetzen und handeln will, muss sich intensiv mit der Funktionsweise dieser Papiere auseinandersetzen. Deshalb kommen sie für die Mehrheit der Privatanleger kaum in Frage. Mehr zu Optionsscheinen und Optionen.

Hebelzertifikate 

Eine Alternative zu Optionsscheinen sind Hebelzertifikate. Sie haben den Vorteil, dass sie die Entwicklung einer Währung nahezu 1:1 abbilden. Wegen des Hebels müssen Anleger, die diese Zertifikate für die Absicherung nutzen, nur einen Bruchteil der zu schützenden Investitionssumme zusätzlich aufbringen.

Der entscheidende Nachteil dieser Produkte ist ihre sogenannte Knockout-Schwelle.  Unter- oder überschreitet der Basiswert eine bestimmte Marke, wird das Zertifikat entweder nahezu wertlos oder nur ein Restwert erstattet, den der Emittent je nach Ausstattung des Papiers „nach billigem Ermessen“ bestimmt, wie es in einer Informationsbroschüre der Deutschen Bank heißt. Ein Hebelzertifikat ist also letztlich eine riskante Wette auf einen Basiswert und deswegen zur Absicherung von Wechselkursen nicht geeignet. Mehr zu Zertifikaten.

Besser keine Währungsabsicherung als überteuerte Produkte 

Wechselkursabsicherungen können das Risiko von Auslandsinvestment senken. Bei Anlagen im Ausland sollten Anleger zunächst prüfen, wie das Investment mit der Währung korreliert. Besteht kein Zusammenhang (Korrelation = nahe null) ist eine 100prozentige Absicherung optimal, deren Kosten sich auf die jeweilige Zinsdifferenz reduzieren.

Bei negativer Korrelation können Anleger wegen des natürlichen Diversifikationseffekts nicht selten vollständig auf einen Schutz vor Devisenkursschwankungen verzichten. Das gilt vor allem für langfristige Anlagen. Bei positiver Korrelation muss der Investor zwischen Sicherheit und Rendite abwägen.

Die besten Instrumente zum Schutz vor Wechselkursrisiken sind Forwards und Futures. Wer keinen Zugang zu diesen Kontrakten hat, kann auf Fonds setzen, deren Währungsrisiko vom Management abgesichert wird.

Von währungsgesicherten Zertifikaten oder von Hebelzertifikaten zur Wechselkursabsicherung raten wir grundsätzlich ab (siehe Zertifikate). Stehen nur diese Produkte zur Verfügung, sollten Anleger auf Wechselkursabsicherungen verzichten.

© Fairvalue, aktualisiert am 01.01.2020

Fotografie: Asian Development Bank / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Beitrag teilen

 

Mehr zum Thema

Aktuelle Beiträge

Geldanlage

Entnahmeplan mit ETF - Nur Simulationen führen zu validen Ergebnissen

Zusatzrente

Entnahmeplan mit ETF – Strategien für den Ruhestand

Ruhestandsplanung? Klingt langweilig und spießig. Nichts womit man sich im Alter von 40 oder 50 Jahren beschäftigen möchte. Doch je früher Sie sich einen Überblick verschaffen, desto besser können Sie ihre finanzielle Situation im Alter steuern. Wir zeigen in Simulationen, was mit einem Entnahmeplan aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) möglich ist.

Helmut Kohl inspiziert die Goldreserven der Bundesbank

Edelmetalle

Brauchen wir noch Gold, Schatz?

Gold eignet sich ausgezeichnet zur Diversifikation von Portfolios und brachte in der Vergangenheit eine akzeptable Rendite. Andere vorteilhafte Eigenschaften, die dem Edelmetall regelmäßig nachgesagt werden, sind mehr Dichtung als Wahrheit, zeigen Datenanalysen. Das gilt etwa für den vermeintlichen Schutz vor Inflation.

Anleihen-ETF: Wie Sie den passenden Rentenfonds finden

Festverzinsliche Wertpapiere

Anleihen-ETF – Wie Sie den passenden Rentenfonds finden

Die Aktienmärkte stehen im Fokus der meisten Anleger. Über Anleihen wissen sie wenig. Dabei sollten auch festverzinsliche Wertpapiere eine wichtige Rolle in Portfolios spielen. Die Unterschiede zwischen einzelnen Anleihen-ETF sind allerdings groß. Ein Wegweiser durch den Bonds-Dschungel.