Anlagestrategie

Anleger sollten das Währungsrisiko von Gold nicht absichern

Gold als Währungsreserve der Bundesbank

Goldreserven der Bundesbank: Die sichere Verwahrung hinter Gitter hilft aber nicht gegen Wechselkursschwankungen des US-Dollar.

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Banken raten Anlegern häufig zu Goldprodukten, bei denen das Wechselkursrisiko abgesichert ist. Doch was angeblich zum Wohle des Kunden ist, gereicht ihm eher zum Nachteil. Wie so oft profitiert vor allem der Produktanbieter, der an der Absicherung verdient.

Wären Gold und US-Dollar ein Celebrity-Pärchen, würde ihre unharmonische Beziehung die Klatschspalten füllen. Denn meistens liegen sie im Clinch und driften auseinander. Steigt der Goldpreis an, fällt der US-Dollar – und umgekehrt. Eine negative Beziehung. Das kann für Anleger aus dem Euroraum bisweilen anstrengend sein, weil Gold weltweit in US-Dollar gehandelt wird.

Deswegen besteht ein Währungsrisiko, das die Rendite schmälern kann. Darauf wird regelmäßig in Medien und von Banken hingewiesen. Letztere wollen dem Anleger gerne noch eine Absicherung gegen dieses Risiko verkaufen, so wie eine Fluggesellschaft ihren Kunden am Ende der Buchung noch eine Reiserücktrittversicherung aufschwatzen will.

Die Banken argumentieren mit der negativen Beziehung zwischen US-Dollar und Gold: In Phasen steigender Goldkurse senkt ein fallender US-Dollar den Gewinn der Euro-Anleger. Das ist zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Denn eine Wechselkursabsicherung kann zu höheren Risiken und vielfach zu niedrigeren Renditen führen.

Das mag auf den ersten Blick nicht einleuchten, ist aber nicht von der Hand zu weisen: Sinkt der Goldpreis und der US-Dollar steigt, werden die Verluste für Goldanleger aus dem Euroraum gedämpft. Das Edelmetall profitiert von einer quasi natürlichen Risikostreuung, die die Verlustgefahr reduziert. Dieser vorteilhafte Effekt ist ausgeschaltet, wenn der Wechselkurs abgesichert wird.

Das kann gerade in Krisen fatale Folgen haben. Denn wenn es an den Finanzmärkten kracht, fliehen viele Investoren in den US-Dollar als sicheren Hafen und die Währung wertet kräftig auf. So wie beispielsweise 2008. Wer damals den Wechselkurs abgesichert hatte, profitierte nicht von den Währungsgewinnen des US-Dollar gegenüber dem Euro. Von Ende 2007 bis Ende 2010 fiel beispielsweise die Wertentwicklung eines abgesicherten Goldzertifikats von Goldman Sachs um gut 35 Prozent schlechter aus als die der ungesicherten Version.

Auf der anderen Seite ist der negative Zusammenhang von Gold und US-Dollar über die Zeit nicht stabil. Manchmal steigen und fallen sie auch in schöner Eintracht gemeinsam. Nur in solchen selteneren Phasen wäre eine Wechselkursabsicherung für vorsichtige Geldanleger von Vorteil.

Ein weiteres Argument gegen eine Währungsabsicherung sind deren Kosten. Sie dürfen nicht höher sein als die Währungsverluste, die ohne Absicherung entstünden, damit es sich lohnt. Über längere Perioden sind die Wechselkursschwankungen aber nicht sonderlich hoch. Seit der Erstnotiz des Euro im Jahr 1999 ist die europäische Gemeinschaftswährung nur von 1,1789 bis März 2018 auf rund 1,23 US-Dollar pro Euro gestiegen – allerdings begleitet von heftigen Schwankungen. Demnach machte ein europäischer Goldanleger in diesem Zeitraum einen Wechselkursverlust von rund 4 Prozent. Eine Währungsabsicherung über 19 Jahre, so viel ist sicher, wäre zu diesem Preis aber nicht zu haben gewesen. Eine währungsgesicherte Goldanlage hätte demnach weniger eingebracht und dazu noch stärker geschwankt als ungesichertes Gold.

Die Grundlage für eine gute Rendite, das sollten Anleger immer beherzigen, ist das Vermeiden von Verlusten. Das vermeintliche Währungsrisiko bei Gold senkt in Wirklichkeit tendenziell die Verlustgefahr. Der implizite Besitz von US-Dollar ist zudem eine zusätzliche Absicherung gegen die noch immer ungelöste Schuldenkrise in Europa.

© Fairvalue 24.03.2018

Fotografie: Deutsche Bundesbank

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