- Lesetipp -

Quanto-Zertifikat

Viele Zertifikate bergen Wechselkursrisiken, weil die Basiswerte in ausländischen Währungen gehandelt werden. Die Herausgeber bieten deswegen Papiere an, die gegen Wechselkursschwankungen abgesichert sind. Sie werden als Quanto-Zertifikat bezeichnet. Die Absicherung hat natürlich ihren Preis, der je nach Marktlage, Basiswert und Anbieter schwankt. Sie ist für viele Herausgeber ein lukrativer Zusatzverdienst.

Ob sich eine Absicherung jedoch für Anleger lohnt, lässt sich im Voraus nicht sagen. Grundsätzlich müssen die Wechselkursverluste höher sein als die Kosten für die Absicherung, damit sich Quanto-Zertifikate bezahlt machen. Auf lange Sicht sind die Schwankungen vieler Wechselkurse jedoch gering.

Noch ein anderes Argument spricht gegen Quanto-Zertifikate: Sie können riskanter sein als eine ungesicherte Variante. Das ist dann der Fall, wenn sich der Kurs des Basiswertes und die Fremdwährung tendenziell in gegensätzliche Richtungen bewegen (negative Korrelation). Für kurzfristige Spekulationen kann ein Quanto-Zertifikat jedoch die richtige Wahl sein. Dann sollten Anleger aber genügend Erfahrung mit Wechselkursen mitbringen.

Bei vielen aktiv verwalteten internationalen Aktienfonds sind die Kosten für eine Währungsabsicherung in der Regel noch überschaubar. Bei Quanto-Zertifikaten, beispielsweise auf Rohstoff- und Aktienindizes, sind sie erheblich höher. Zum Teil liegen sie weit über den Kosten, die Anleger hätten, wenn sie sich selbst über Forwards oder Futures absichern würden.

Der Grund für den höheren Preis ist die Verlagerung von Risiken vom Anleger auf den Emittenten. Bei Quanto-Produkten ist der Wechselkurs fixiert. Investiertes Kapital und Rendite werden zu diesem Kurs bewertet. Weil die Rendite unbekannt ist, können nun für den Emittenten bei einer negativen Korrelation zwischen Investment und Wechselkurs systematische Verluste entstehen .

Das verdeutlicht ein Rechenbeispiel: Ein Rohstoffinvestment sinkt um fünf US-Dollar. Im selben Zeitraum wertet der Greenback von 0,70 Euro-Cent pro US-Dollar auf 0,71 Euro-Cent auf. Statt 3,5 Euro beträgt der Verlust dann 3,55 Euro. Da bei einem Quanto-Zertifikat auch die Renditen abgesichert sind, wird der Verlust des Anlegers mit dem alten Wechselkurs bewertet.

Die Fünf-Cent-Differenz muss der Emittent tragen – und für dieses Risiko lässt er sich bezahlen. Die Frage, ob die Bezahlung fürstlich, angemessen oder eher bescheiden ist, kann immer nur für den Einzelfall beantwortet werden. Allerdings dürfte hier die wichtigste Spielcasino-Regel gelten: Die Bank gewinnt immer.

© Fairvalue, aktualisiert am 09.01.2019

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