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Exchange Traded Commodities (ETCs)

Wenn Anleger auf die Preisentwicklung von Rohstoffen setzen möchten, müssten sie eigentlich die Ware kaufen, einlagern und warten, dass der Preis steigt. Mit Edelmetallen wie Gold ist das wegen ihres vergleichsweise geringen Volumens ohne weiteres möglich. Aber wie steht es mit Kupfer oder Öl?

Wer 5.000 Euro in Rohöl der Sorte WTI investieren wollte, müsste bei einem Marktpreis von 80 US-Dollar pro Fass und einem Wechselkurs von 1,15 US-Dollar pro Euro 72 Fässer kaufen. Die Fässer sind auf 159 Liter standardisiert, macht unter dem Strich 11.448 Liter Rohöl, die nun irgendwo eingelagert werden müssten.

Mit ETCs in Rohstoffe investieren

Weil das wegen der hohen Kosten ökonomischer Unsinn wäre, gibt es für private Anleger verschiedene Finanzprodukte, mit denen sie quasi durch die Hintertür in Rohstoffe investieren können, ohne die Ware selbst jemals kaufen zu müssen.

Zu diesen Produkten zählen ETC. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Commodities – börsengehandelte Rohstoffe. Bei ETCs handelt es sich um Wertpapiere, mit denen Anleger auf die Preisentwicklung einzelner Rohstoffe oder Rohstoffindizes setzen können. Zudem werden ETC auf Rohstoffkörbe angeboten, die aus mehreren Rohstoffen bestehen, beispielsweise aus vier Edelmetallen.

Die Börse Frankfurt preist ETC als „transparent, leicht verständlich und kostengünstig“ an. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die meisten ETC beziehen sich nicht auf die Preise für physisch gehandelte Rohstoffe, die Anleger täglich in Zeitungen oder im Internet verfolgen können, sondern auf Warenterminkontrakte, sogenannte Futures. Das sind standardisierte Verträge, die Käufer und Verkäufer verpflichten, eine Ware zum Beispiel in einem Monat zu einem festen Preis zu liefern beziehungsweise abzunehmen.

Der Unterschied zwischen Gegenwarts- und Zukunftspreisen

Future-Preise sind nicht identisch mit den aktuellen Marktpreisen, den sogenannten Spotmarkt- oder Kassapreisen. Sie können weit darüber oder darunter liegen. Um eine Lieferung der Ware zu vermeiden, müssen die Futures zudem regelmäßig kurz vor ihrer Fälligkeit ausgetauscht werden. Das nennt man Rollvorgang. Wenn dabei der neue Future mehr kostet, als der alte noch wert war, entsteht ein Rollverlust. Der schmälert den Gewinn des ETC.

Umgekehrt entstehen Rollgewinne, wenn der neue Future billiger ist als der alte. Die Folge: Die Preisentwicklung eines ETC auf Rohöl weicht meistens deutlich von der aktuellen Marktpreisentwicklung für physisches Öl ab. Für Anleger ist das ziemlich abstrakt und nur schwer nachvollziehbar.

Mit ETC sind extrem hohe Gewinne in kurzer Zeit möglich. Entsprechend hoch ist das Risiko, hohe Verluste einzufahren. Rechtlich betrachtet sind ETC Schuldverschreibungen. Das heißt, bei einer Pleite des Herausgebers ist das Geld des Käufers weg. Manche ETC sind mit physischen Rohstoffen abgesichert. Aber auch bei diesen Konstruktionen gibt es keine Garantie, dass die Sicherheiten im Pleitefall die Schäden der Anleger decken.

ETCs eignen sich als Baustein für gemischte Portfolios

ETC, die sich auf Futures beziehen, sind nur etwas für Anleger, die verstanden haben, wie der Warenterminhandel funktioniert. Sie eignen sich ebenso wie börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf Rohstoffe als Bausteine in einem gemischten Anlageportfolio. Wie Sie ein robustes Portfolio aus ETFs konstruieren, lesen Sie in unserem Ratgeber ETF-Portfolio.

© Fairvalue 06.11.2021

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