ungeeignet - Regenwolke

Win-Win-Zertifikate

Wer ein bisschen Englisch kann, horcht bei diesem Zertifikate-Namen möglicherweise interessiert auf. Denn er suggeriert Gewinne, egal was passiert. Auch mancher Manager spricht gerne von „Win-Win-Situationen“, wenn er etwas durchsetzen und allen Beteiligten einreden will, sie könnten nur gewinnen.

An den Finanzmärkten käme das einer Losbude gleich, an der man nur Gewinne und keine Nieten zieht. Jeder, der einmal auf dem Rummel war, weiß aber, dass der Hauptgewinn meistens im Regal bleibt und man bestenfalls auf einen Trostpreis hoffen kann. Und das ist auch an den Finanzmärkten nicht anders.

Gäbe es eine Anlage, mit der man tatsächlich nur Gewinne einfährt, müsste niemand mehr arbeiten. Alle könnten von den fantastischen Erträgen ihrer Win-Win-Zertifikate leben. Da die Zahl der Privatiers seit Erfindung dieser Zertifikate nicht sprunghaft angestiegen ist, versprechen die Anbieter offensichtlich mehr, als sie am Ende halten können.

Wie alle Zertifikate beziehen sich Win-Win-Zertifikate auf die Entwicklung eines Basiswertes. Das können Aktienindizes oder Wechselkurse sein. In der Regel wird die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals am Ende der Laufzeit garantiert. Eine Rendite erzielt der Anleger, egal ob der Basiswert während der Laufzeit steigt oder sinkt. Das klingt fantastisch, ist es aber nicht: Bleibt der Basiswert nämlich unter dem Strich unverändert, geht der Anleger leer aus. Anleger bekommen also nur dann eine ordentliche Rendite, wenn sich der Basiswert während der Laufzeit des Zertifikates überwiegend in die gleiche Richtung bewegt. Doch das ist häufig nicht der Fall, besonders bei Wechselkursen.

Aktienmärkte steigen zwar aller Erfahrung nach langfristig, also in Zeiträumen von 15 Jahren und länger. Aber in kurzen Zwischenperioden von einigen Jahren können sie Berg und Tal fahren, ohne klare Tendenz. Für Anleger heißt es dann möglicherweise einmal mehr: Außer Spesen nichts gewesen. Das Schlaraffenland hat die Zertifikate-Industrie also nach wie vor nur für sich entdeckt: Sie verdient an ihren Produkten tatsächlich so gut wie immer – egal, wie es an den Märkten läuft.

© Fairvalue 28.10.2017

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